Ernährung

Tofu, Sojadrink und Co.: Verbraucherzentrale klärt auf, was wirklich schadet

Rund um Hülsenfrüchte halten sich hartnäckige Bedenken. Eine Expertin sagt, wann Vorsicht angebracht ist.

3 Min
Sind Soja-Produkte wirklich gesund?

Sind Soja-Produkte wirklich gesund?

© IMAGO/Rüdiger Wölk

Die Verbraucherzentralen haben verbreitete Bedenken rund um den Verzehr von Soja überprüft. Das Ergebnis: Wer in üblichen Mengen Tofu, Tempeh oder Sojadrinks zu sich nimmt, muss laut den Fachleuten in den meisten Fällen keine gesundheitlichen Nachteile befürchten.

Untersucht wurden unter anderem Befürchtungen, dass Soja der Schilddrüse schade, bei Brustkrebs problematisch sei oder bei Männern eine „Verweiblichung“ auslöse. Hintergrund der Sorgen sind die in Sojabohnen enthaltenen Isoflavone. Diese sekundären Pflanzenstoffe ähneln in ihrer Struktur dem Hormon Östrogen. „Die meisten Sorgen sind bei einem üblichen Verzehr von Soja-Produkten oft unbegründet“, sagte Stella Glogowski von der Verbraucherzentrale Hessen.

Soja auch bei Brustkrebs unbedenklich

Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand sei der Verzehr üblicher Mengen Sojalebensmittel auch bei Brustkrebs unbedenklich, so die Fachgruppenleiterin Lebensmittel und Ernährung. Ein bis zwei Portionen täglich – etwa 100 Gramm Tofu oder 250 Milliliter Sojadrink pro Portion – gälten auch während einer antihormonellen Therapie als sicher. Fachgesellschaften sähen keine Hinweise darauf, dass moderater Sojakonsum das Risiko für ein Wiederauftreten erhöhe.

Bei ausreichender Jodversorgung erwarten die Verbraucherschützer durch normalen Sojakonsum auch keine relevanten negativen Auswirkungen auf die Schilddrüse. Anders könne es bei Jodmangel oder bestehenden Schilddrüsenerkrankungen aussehen. Hier könnten Isoflavone aus Sojalebensmitteln, insbesondere in hohen Mengen aus isolierten Nahrungsergänzungsmitteln, nachteilige Effekte haben. „In solchen Fällen empfiehlt sich eine ärztliche Begleitung“, rät Glogowski.

Keine hormonellen Effekte bei Männern

Auch die Sorge, Soja könne den Testosteronspiegel senken oder eine „Verweiblichung“ bei Männern verursachen, ist nach Einschätzung der Expertin unbegründet. Studien zeigten bei üblichem Konsum keine relevanten hormonellen Effekte.

Keine eindeutigen Aussagen treffen die Verbraucherzentralen hingegen bei Wechseljahresbeschwerden. Für eine verlässliche Linderung von Symptomen wie Hitzewallungen durch Soja-Isoflavone gebe es bislang keine gesicherten Belege.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Vorsicht ist laut Glogowski bei hochdosierten Isoflavon-Supplementen geboten. Deren gesundheitliche Unbedenklichkeit sei insbesondere für Menschen mit hormonabhängigen Krebserkrankungen oder Erkrankungen der Schilddrüse nicht ausreichend belegt. Wer an östrogenabhängigem Brust- oder Gebärmutterkrebs erkrankt sei oder war, solle Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen nicht einnehmen.

Soja und Sojaprodukte könnten in üblichen Mengen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein, betonen die Verbraucherzentralen. Sie lieferten hochwertiges Protein, Ballaststoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe. „Wer sich vielseitig ernährt und auf eine gute Jodversorgung achtet, muss Soja nicht meiden“, so Glogowski. (mit dpa)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner