Nigeria

In der Haft gestorbene Goldgräber: Überlebende belasten Wachleute

Beamte sollen eine unbekannte Substanz versprüht und die Tür trotz Hilferufen geschlossen gehalten haben. Nigerias Präsident Tinubu ordnet eine Untersuchung der Umstände an.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Angehörige von Bergleuten warten vor einem Krankenhaus in Minna, in dem die Leichen aufbewahrt werden.

Angehörige von Bergleuten warten vor einem Krankenhaus in Minna, in dem die Leichen aufbewahrt werden.

© Afolabi Sotunde/AP

Drei Überlebende des Vorfalls, bei dem 37 Häftlinge im Gewahrsam der paramilitärischen staatlichen Einheit NSCDC im nigerianischen Bundesstaat Niger starben, haben nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Dienstag schwere Vorwürfe erhoben.

Die Wachleute hätten eine unbekannte Substanz in die überfüllte Zelle gesprüht und die Tür trotz Hilferufen verschlossen gehalten. Damit widersprechen sie der ersten Darstellung der Behörde, die zunächst einen möglichen Krankheitsausbruch als Ursache genannt hatte.

Die NSCDC hatte Mitte September mutmaßliche illegale Goldminen bei Minna, der Hauptstadt des Bundesstaats Niger, durchsucht und Dutzende Schürfer festgenommen. Die Behörden gehen regelmäßig mit Verhaftungswellen gegen den illegalen Bergbau vor. Zugleich sind Nigerias oft überbelegte Gefängnisse für menschenunwürdige Haftbedingungen bekannt. Unter den Toten waren nach Angaben von Reuters viele Jugendliche.

Schilderungen der Überlebenden

Ein 22-Jähriger sagte Reuters, er sei zunächst mit rund 17 weiteren Männern in eine etwa fünf Quadratmeter große Zelle mit nur einem kleinen Fenster gesperrt worden. Später seien Dutzende weitere Festgenommene hineingedrängt worden.

Nachdem sich die Häftlinge über die Enge beschwert hätten, hätten Beamte etwas unter der Tür hindurchgesprüht. „Zuerst dachten wir, sie wollten einen Duft in den Raum bringen“, sagte er. Etwa eine Stunde später hätten erste Mitgefangene das Bewusstsein verloren.

Ein 29-Jähriger berichtete Reuters von Atemnot und Reizungen im Hals. Ein weiterer Überlebender, der im nigerianischen Fernsehsender TVC News zu sehen war, beschrieb einen Geruch „wie Pfeffer“. Er sei ohnmächtig geworden und erst am Morgen wieder aufgewacht.

Regierung setzt Untersuchungskommission ein

Das nigerianische Innenministerium teilte mit, Minister Olubunmi Tunji-Ojo habe eine Kommission unter Vorsitz des früheren Vizechefs des Inlandsgeheimdienstes, Jonathan Kure, eingesetzt. Sie soll binnen zwei Wochen die Umstände und die Verantwortlichkeiten klären. Zudem seien 20 beteiligte NSCDC-Beamte suspendiert worden. Präsident Bola Tinubu, der seit 2023 die westafrikanische Präsidialrepublik regiert, habe eine transparente Aufklärung angeordnet.

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Die Nationale Menschenrechtskommission NHRC forderte nach einem Bericht der Zeitung Premium Times eine unabhängige gerichtsmedizinische Obduktion und die Sicherung aller Beweise. Die Bürgerrechtsorganisation CISLAC verlangte eine transparente Untersuchung. NHRC-Chef Tony Ojukwu rief die Bevölkerung in Minna zur Ruhe auf. Nach Bekanntwerden der Todesfälle in der Nacht vom 17. auf den 18. September war es dort zu gewaltsamen Protesten mit einem Toten gekommen.

Nigeria ist mit rund 238 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Erdöl und Erdgas gehören zu den wichtigsten Exportgütern, ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt jedoch in Armut. Der rohstoffreiche Bundesstaat Niger zieht viele meist illegal arbeitende Goldgräber an. Kriminelle Banden verlangen dort häufig einen Anteil an den geförderten Metallen.

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