Ostsee

Tourismus in MV: „Dass der Klimawandel uns hilft, ist eine Wunschvorstellung“

Südeuropa ächzt unter Hitze und Waldbränden. Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern zieht eine solide Zwischenbilanz. Doch der erhoffte Klima-Effekt bleibt aus.

4 Min
Jedes zweite Tourismus-Unternehmen in MV ist mit dem bisherigen Verlauf der Urlaubssaison zufrieden.

Jedes zweite Tourismus-Unternehmen in MV ist mit dem bisherigen Verlauf der Urlaubssaison zufrieden.

© Philip Dulian/dpa

Die Hitze in Südeuropa hat bislang kaum zusätzliche Urlauber an die Ostsee getrieben. Zwar haben Hitzewellen und Waldbrände in beliebten Reiseländern das Fernweh vieler Deutscher gedämpft. Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern profitiert davon nach Einschätzung der Branche aber bisher nur wenig.

Trotzdem hat die landeseigene MV Tourismus GmbH eine überwiegend positive Zwischenbilanz der laufenden Hauptsaison gezogen. Laut einer noch nicht abgeschlossenen Branchenumfrage zeigt sich jedes zweite Unternehmen zufrieden oder sehr zufrieden.

Für Betriebe wie für Gäste heißt das: Die Saison läuft solide. Zugleich bremsen die Inflation und das wechselhafte Wetter im Norden die wirtschaftlichen Erwartungen vieler Unternehmen.

Wie fällt die Zwischenbilanz für den Tourismus in MV aus?

Die MV Tourismus GmbH bewertet die bisherige Hauptsaison überwiegend positiv. Grundlage ist eine Branchenumfrage, die derzeit noch läuft.

„Laut unserer derzeit noch laufenden Branchenumfrage mit aktuell 140 Teilnehmern, darunter Beherbergungsbetriebe, gastronomische Einrichtungen sowie Freizeit- und Erlebnisanbieter, ist ein erstes Stimmungsbild ablesbar“, sagte Geschäftsführer Peter Kranz.

Befragt wurden also nicht nur Hotels und Pensionen, sondern auch Gastronomie sowie Freizeit- und Erlebnisanbieter. Das Meinungsbild fällt gemischt aus.

„Jedes zweite Unternehmen zeigt sich damit zufrieden oder sehr zufrieden, ein Viertel verhält sich neutral, ein Viertel bewertet die Hauptsaison eher negativ“, so Kranz.

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Warum viele Gäste im MV-Urlaub aufs Geld schauen

Kritischer sehen die Unternehmen ihre eigene wirtschaftliche Lage. Sowohl die Einschätzung der Geschäftslage als auch die Umsatz- und Ertragsentwicklung fielen in der Tendenz zurückhaltend aus, berichtete MV Tourismus.

Ein wesentlicher Grund dafür ist die Inflation. Nach Angaben von Kranz achten viele Gäste inzwischen stärker auf ihr Geld – das dämpft die Ausgaben vor Ort.

„Solides Ergebnis“: Was der Dehoga-Präsident sagt

Auch der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, ordnet die Entwicklung ein. Er spricht bislang von einem „soliden Ergebnis“.

Rundum zufrieden ist er mit dem Jahresverlauf allerdings nicht. „Das erste Halbjahr war schleppend“, sagte Schwarz. Vor allem das wechselhafte Wetter zu Ostern habe viele Hoteliers getroffen. Damit ordnet der Verband die Lage etwas vorsichtiger ein als die Landestourismusgesellschaft.

Hilft der Klimawandel dem Tourismus an der Ostsee?

Die Hoffnung, dass Hitze und Waldbrände im Süden Europas dauerhaft mehr Urlauber in den Norden lenken, teilt Schwarz nicht.

„Dass der Klimawandel uns hilft, ist eine Wunschvorstellung seit Jahren, die sich aber bislang nicht verwirklicht hat“, sagte er.

Sonniges Wetter lasse sich in Norddeutschland nun einmal nicht garantieren. Deshalb kehrten sich die Touristenströme auch nicht vollständig um, so der Dehoga-Präsident.

Einen Trend beobachtet Schwarz dennoch: Urlauber buchten spontaner und entschieden je nach Wetterlage kurzfristiger, wohin die Reise geht.

Übernachtungen in MV bis Mai: Plus von 2,8 Prozent

Belastbare Buchungszahlen für den Sommer liegen noch nicht vor. Die offiziellen Daten reichen bislang nur bis Mai.

Bei der Bewertung dieses Zeitraums widerspricht MV Tourismus dem Dehoga. Die ersten fünf Monate seien gut verlaufen, sagte Kranz unter Berufung auf das Statistische Bundesamt.

Die Zahl der Übernachtungen stieg demnach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent. Einen Teil des Zuwachses erklärt allerdings der Kalender: Die Pfingstfeiertage fielen in diesem Jahr in den Mai und waren für viele Menschen Anlass für eine Kurzreise.

Camping als Wachstumstreiber

Besonders deutlich legten die Campingplätze zu. Das Plus betrug laut Campingwirtschaft-Verband 17,6 Prozent.

„Im Camping-Segment wurden in den ersten fünf Monaten erstmals mehr als eine Million Übernachtungen verzeichnet“, sagte Kranz.

Wie die Sommermonate tatsächlich gelaufen sind, zeigt sich erst mit den nächsten amtlichen Übernachtungszahlen. Bis dahin bleibt die Zwischenbilanz für den Tourismus in MV eine Momentaufnahme – mit soliden Rückmeldungen aus den Betrieben, aber deutlichen wirtschaftlichen Vorbehalten.

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