Solche Sätze aus dem Berliner Wirtschaftsleben hört man selten: "Mit den letzten neun Monaten können wir zufrieden sein". Gesagt hat diese Worte der Präsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes (Hoga), Willy Weiland, der gestern die Entwicklung der Branche seit Jahresbeginn darlegte. Fazit: Der Tourismusboom hält ungebrochen an, die Zahl der Übernachtungen steigt weiter. Waren es 2004 noch 13,3 Millionen, werden bis Ende diesen Jahres 14 bis 15 Millionen erwartet.Zu verdanken ist der Zuwachs wesentlich der Billigfliegerei. 41 Prozent der Flüge von und nach Berlin gehören mittlerweile in diesen Bereich, 2004 waren es 31 Prozent. Auch die neuen Flugverbindungen in die USA schaufeln mehr Besucher als erwartet in die Stadt. Weitere Direktverbindungen sollen künftig Gäste aus Katar und aus China nach Berlin bringen. "Im Gespräch sind Flüge von und nach Peking und Shanghai", sagte Weiland. Der Verband glaubt, die Zahl der Übernachtungen bis 2010 auf 20 Millionen steigern zu können. Das sei auch notwendig, um die steigende Zahl der Betten zu füllen.Allerdings ist der Branche klar, dass bei steigenden Kerosinpreisen schnell auch eine Stagnation eintreten kann. Deshalb setzt man nicht nur auf Groß-Events wie die Fußball-WM 2006 oder den "Winterzauber", der ab 29.Oktober mit allerlei Attraktionen Shoppingkunden in die Stadt locken soll, sondern vor allem auf zahlungskräftige Kongressbesucher. Leider verunsichere der Senat diese international begehrte Klientel durch die Debatte über die Zukunft des ICC, monierte Weiland.Insgesamt, so das gestrige Fazit, sei die "Hardware" der Stadt gut, aber die "Software" - gemeint sind die Berliner - müsse noch besser werden. "Die Berliner müssen ihre Stadt mehr lieben und noch internationaler, dienstleistungsorientierter und freundlicher werden."An besserer "Software" arbeitet derzeit der Händlerzusammenschluss von Kudamm und Seitenstraßen - die AG City. Im April hatte der Vorstandsvorsitzende Kurt Lehrke eine "Großoffensive" für mehr Internationalität angekündigt - und nun ist klar, wie die erreicht werden soll. "Wir wollen den Händlern spezielle CDs zur Verfügung stellen, damit sie Fremdsprachen lernen", sagte Lehrke. Allerdings sollte sich der Unterricht auf jene Begriffe konzentrieren, die in der Branche gebraucht werden. "Die CDs sind bereits in Arbeit", sagte Jennifer Bollow, Geschäftsstellenleiterin der AG City. Angedacht seien Englisch, Spanisch und Französisch. Wann die Lehr-CD kommt, steht allerdings noch nicht fest.Kurt Lehrke, zugleich auch Chef des Hotels Palace Berlin, beschäftigt noch eine weitere Fremdsprache: Chinesisch. Derzeit kämen nur acht Prozent aller nach Deutschland reisenden Chinesen in die Hauptstadt. Mit einem Direktflug nach Berlin werde sich das ändern. Aus diesem Grund sollten sich Hotelbetreiber schon jetzt Wissen über China aneignen. Die AG City plant deshalb, gezielte Info-Abende zum Thema China anzubieten.------------------------------Foto: Bitte merken: "Berlin" auf Chinesisch.
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