Trainer Jörg Berger soll im letzten Saisonspiel Arminia Bielefeld vor dem Abstieg retten

Auf der Titanic

BLZ Markus Bark
3 Min

BIELEFELD. Im Berufsstand der Fußballlehrer gibt es die Untergruppen der Meistermacher, die Motivationskünstler, und es gibt auch die Feuerwehrmänner. Jörg Berger ist der Prototyp des Feuerwehrmannes. Er wehrte sich lange Zeit gegen die Kategorisierung und sagte: "Die Feuerwehr kommt, löscht und verschwindet wieder." Er aber habe einige seiner vielen Mannschaften nicht nur vor dem Abstieg bewahrt, sondern sie auch später noch in den Uefa-Cup geführt.Am Dienstag jedoch hatte er keine Probleme damit, von seinem neuen Verein Arminia Bielefeld als vermeintlich bester aller Feuerwehrmänner vorgestellt zu werden. "Er hat bewiesen, dass er mit solchen schweren Situationen umgehen kann", sagte Arminias Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch, "ich glaube, dass wir die richtige Lösung gefunden haben."Reizvoll und lösbarJörg Berger, 64, nickte zustimmend. Allerdings habe auch er noch nie zuvor einen Job angetreten, der auf ein Spiel beschränkt sein könnte. Ein Feuerwehrmann aber lässt solch dunkle Gedanken gar nicht an sich heran. "Die Aufgabe ist reizvoll und lösbar", sagte Berger, der jegliche Bedenken zerstreute: "Ich bin immer ins Risiko gegangen, so war mein Leben geprägt, so war auch meine Karriere geprägt." Berger ist davon überzeugt, dass die Arminia am Sonnabend gegen Hannover 96 gewinnt und er die Relegationsspiele gegen den Tabellendritten der zweiten Liga erreichen wird. Detlev Dammeier sieht das genauso. "Wir haben einen erfahrenen Mann gesucht, und wir gehen davon aus, dass wir ihn nicht für ein Spiel verpflichtet haben, sondern für drei", meinte Arminias Sportchef. Wer dann der Gegner sein würde, ist Dammeier egal: "Die Relegation ist kein Wunschkonzert. Wenn es ein Wunschkonzert gäbe, dann würden wir am Samstag gewinnen und den Klassenerhalt direkt schaffen." Was nach einer möglichen Rettung sein wird, "haben beide Seiten bewusst offen gelassen", sagte Berger. Er wirkte nicht so, als würde er sich einem weiteren Engagement verschließen. "Ich bin hoch motiviert, fit und positiv eingestellt." Er lächelte. Die Krebserkrankung, die 2002 diagnostiziert worden war, sei überwunden. Zweimal hatte er sich Operationen unterziehen müssen. Berger trug sein Haar kurz und wirkte erholt.Arminia Bielefeld ist die 14. Trainerstation Bergers in Deutschland seit der Flucht aus der DDR 1979. Legendär ist seine Mission bei Eintracht Frankfurt 1999. Am letzten Spieltag gelang der Klassenerhalt durch einen sensationellen 5:1-Sieg im Waldstadion gegen den 1. FC Kaiserslautern. Der Frankfurter Spieler Jan-Age Fjörtoft adelte seinen Trainer mit einem ebenso legendären Spruch: "Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet."Die heikle Mission in Bielefeld begann am Dienstagnachmittag mit der ersten Übungseinheit. "Es geht hier jetzt nicht um Training oder Taktik", sagte Berger, bevor er die Strategie eines Feuerwehrmannes vorstellte: Einzel- und Gruppengespräche, Köpfe freibekommen, nicht auf die Konkurrenz schauen, sich an die guten Spiele erinnern und - positiv denken. Das 0:6 bei Borussia Dortmund am vergangenen Sonnabend, das Vorgänger Michael Frontzeck die Entlassung eingebracht hatte, soll nun gar keine Rolle mehr spielen. "90 Prozent spielt sich im Kopf ab", sagte Berger, "das Wichtigste ist der Glaube. Es ist wichtig, das Unmögliche zu erwarten, um das Mögliche zu erreichen. Resignation ist das Alibi der Schwachen." Das waren beinahe philosophische Worte.Am Mittwoch wird Jörg Berger, der viel Optimismus verbreitet, mit der Mannschaft ein Trainingslager im nahe gelegenen Marienfelde beziehen. Unmittelbar vor dem Spiel steht allerdings noch ein Umzug an, denn ausgerechnet die Hannoveraner hatten das Quartier schon lange vorher gebucht. "Wir sind dann schon weg, wenn die kommen", sagte Dammeier. (mit BLZ)------------------------------Foto: Auch Feuerwehrmänner haben Spaß: Trainer Jörg Berger bei seiner Vorstellung am Dienstagmittag in Bielefeld.

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