Wie es ist, infrage gestellt zu werden, weiß Thomas Stamm noch aus der vergangenen Saison. Mit Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga aufgestiegen, legte der Schweizer mit seiner Mannschaft einen Fehlstart in die Saison hin. Nach 17 Spieltagen hatten die Sachsen gerade einmal 13 Punkte gesammelt, verbrachten die Weihnachtsfeiertage mit der roten Laterne unter dem Tannenbaum. Aufstiegseuphorie hatte Dynamo nicht mitnehmen können und auch Stamm vermochte es in dieser Zeit nicht, die Wende herbeizuführen.
Die kam schließlich in der Rückrunde. Einige Neuzugänge halfen dabei, Dresden zum viertbesten Rückrundenteam zu machen. Mit Stamm als Trainer. Klar, dass die Erwartungen im Sommer in die Höhe schossen. Als einer der möglichen Geheimfavoriten auf den Aufstieg wurde die Mannschaft gar gehandelt. Da fiel scheinbar selbst der Abgang von Schlüsselspieler Kofi Amoako zum Hamburger SV nicht weiter ins Gewicht.
Aufatmen in Dresden: Dynamo gewinnt Elbklassiker gegen Magdeburg
Die Realität sah bis zum Wochenende allerdings ganz anders aus. Mit nur fünf Punkten aus den ersten sieben Partien stand Dynamo auf dem Relegationsplatz, eine Trainerdiskussion wäre mit einer weiteren Niederlage im Ostduell gegen den 1. FC Magdeburg wohl unvermeidlich gewesen. Dresden aber lieferte, siegte verdient mit 2:0 (1:0) und setzte damit auch hinter die Position des Trainers ein ganz dickes Ausrufezeichen.
Zukowski schießt vorbei und bleibt harmlos
Niklas Hauptmann (9./Foulelfmeter) und Simon Straudi (50.) erzielten zu Beginn beider Halbzeiten die Treffer für bissige Hausherren. Magdeburg agierte insbesondere in der Offensive ungewohnt zahnlos. Wer weiß, wie die Partie gelaufen wäre, hätte Mateusz Zukowski den Ball nach 20 Sekunden nicht vorbei, sondern ins Tor geschossen. Der Top-Stürmer der Vorsaison ist in diesen Tagen aber noch auf der Suche nach seiner Bestform. Drei Tore hat er in den ersten acht Partien zwar erzielt, insgesamt hatte die Dynamo-Defensive allerdings wenig Mühe, den Polen zu verteidigen.
Enttäuscht nach Abpfiff: Petrik Sander fuhr mit dem 1. FC Magdeburg aus Dresden ohne Punkte zurück in die sportliche Heimat.
© IMAGO/Michael Taeger
Magdeburg-Trainer Petrik Sander sprach hinterher von einem „verdienten Sieg“ der Gastgeber. Nach dem Elfmeter sind wir der Musik hinterhergelaufen. Der 65-Jährige bemängelte das insgesamt „zu langsame Spiel“ seiner Mannschaft. „Wir sind einfach nicht zu einhundert Prozent an unser Level gekommen.“
Stamm imponiert der Mut seiner Mannschaft
Im Gegensatz zu den Vorwochen, in denen der FCM spielerisch vollständig überzeugte, blieben auch Emmanuel Iyoha und Baris Atik im Angriff fast über die gesamte Spieldauer blass. Zehn Minuten vor Schluss hätte Letzterer die Begegnung noch einmal spannend machen können, schoss den Ball bei freier Schussbahn aber rechts am Tor vorbei. „Ich bin sehr zufrieden, wie meine Mannschaft heute defensiv gearbeitet hat“, resümierte Stamm. Auch der Mut seiner Mannschaft, noch in der Schlussphase vermeintlich komplizierte Situationen spielerisch zu lösen, hatte ihm imponiert.
Mit einem weiteren Dreier am Sonntag (13.30 Uhr) bei Tabellenschlusslicht Holstein Kiel könnten die Sachsen ihre Position in der Tabelle weiter verbessern und womöglich zu einer Aufholjagd im Klassement ansetzen. Helfen würden dabei auch Tore von Vincent Vermeij. Der Routinier hatte 2025/26 in 24 Liga-Spielen noch elfmal getroffen. Auch gegen Magdeburg gelang dem 32-Jährigen trotz zweier Topchancen nicht sein zweiter Saisontreffer. „Das wird sich alles ergeben. Wir werden ihm und allen anderen Stürmern Zeit geben. Am Ende“, so Stamm, „ist es egal, wer die Tore schießt“.
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