Sprich: Sollten in einer Situation mit zu wenig verfügbaren Intensivplätzen etwa bei einer neuen Pandemiewelle zwei Patienten ähnlichen Gesundheitszustandes und gleichen Alters schwer an Covid-19 erkranken, solle das begehrte Bett automatisch der Geimpfte und nicht der Ungeimpfte erhalten, so oder ähnlich stellt sich das der Verhaltensökonom vor.
Zwar mag man an der Logik zweifeln, denn Schreibers Überlegungen missachten, dass die Impfung den Träger eh vor schweren Krankheitsverläufen schützen soll, genau dazu ist sie ja angetan. Bräuchte also nicht vielmehr der Ungeimpfte das Bett medizinisch gesehen deutlich dringender?
Die Triage in der Medizin soll Grundlage für Behandlungsprioritäten bei zu vielen Patienten sein und wird schon lange in Notaufnahmen deutscher Kliniken eingesetzt: Sie bedeutet die Einordnung nach Dringlichkeit. Von „Lebensgefahr“ bis „nicht dringend“ werden Patienten in fünf Kategorien eingeteilt, die nacheinander behandelt werden sollen, was nicht immer ganz einwandfrei klappt. Sie soll nicht allein die Überlebenschancen der Patienten steigern, sondern auch Überforderung der Helfer vermeiden und sinnvollen Einsatz der Mittel ermöglichen, um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern.
Unfreiwillig ungeimpft: Wie eine Autoimmunerkrankte verzweifelt
Seit Corona ist es vor allem das Ziel, den Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern, dem fast sämtliche Maßnahmen zugrunde liegen. Das muss man sich immer wieder klarmachen: Es geht meist nicht um den einzelnen Patienten oder Bürger und seine Rechte, sondern darum, das ohnehin zusammengesparte System zu erhalten und nicht weiter zu überfordern. Nur so sind auch Forderungen wie die Triage für Ungeimpfte zu verstehen.
Es ist trotzdem unentschuldbar, nunmehr so starken Druck auf Menschen ohne Impfung ausüben zu wollen, dass ihnen sogar indirekt mit dem Tode gedroht wird, beziehungsweise mit dem Verwehren medizinischer Leistungen. Oder werden auch Mörder triagiert, haben die es auch nicht „verdient“, im Notfall gerettet zu werden? Wo fängt man da an, wo hört es auf? Und schaffen wir dann auch die Krankenversicherungen ab, denen das Solidaritätsprinzip zugrunde liegt?
Es gibt triftige Gründe gegen die Impfpflicht
Man kann es nicht oft genug betonen: Ungeimpfte sind nicht automatisch Impfverweigerer, manche können sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen, nicht alle können dies nachweisen, und viele haben einfach Angst vor der Impfung. Die vergleichsweise wenigen verbliebenen Ungeimpften nun durch immer größeren Druck zu einer Impfung bewegen zu wollen, wird nicht funktionieren, wie auch eine aktuelle Studie betont: Trotz gehört mittlerweile zu den Hauptgründen, sich nicht impfen zu lassen. Als Abwehrreaktion auf einen Impfzwang durch die Hintertür, den es doch laut Politik hierzulande nie geben sollte.
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