Sobald der Sommer sich dem Ende zuneigt, setzt bei mir jedes Jahr ein großes Heulen und Zähneklappern ein – spätestens im Oktober, wenn die ersten Blätter fallen und ich mir vorstelle, dass der triste Berliner Winter gerade erst beginnt und frisches Blattgrün nicht vor April zu erwarten ist. Ein verdammtes halbes Jahr lang: von der Arbeit im Dunkeln nach Hause kommen, beim Radfahren frieren, kalter Nieselregen, trüb-grauer Winterhimmel. Dazu ab Neujahr Tannengestrüpp, Rollsplitt und Silvesterdreck in der ganzen Stadt – ich will das alles nicht! In dieser Stimmung ist jeder Sonnentag „der letzte schöne Tag des Jahres“ und der erste Nachtfrost nichts weniger als ein Vorbote der Apokalypse.
Hauptstadt der Trübsal
Die schönste aller traurigen Wochen
Zwischen Volkstrauertag und Totensonntag liegt die wehmütigste Woche des Jahres. Warum jammern Berliner so gern über den Winter, und kann Melancholie nicht auch schön sein?
4 Min
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Morgenfrost am Fenster
© Harald Dostal/imago
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