Energie

Trotz Angriffen: Golfstaaten exportieren inzwischen mehr Öl als vor dem Krieg

Tanker pendeln durch die Straße von Hormus, Pipelines umgehen die Gefahrenzone. Das hält die Exporte hoch – warum es für Verbraucher dennoch nicht günstiger wird.

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Der Öltanker Eneos Dream bei der Einfahrt in die Bucht von Tokio. Umladungen zwischen Schiffen helfen, Öl trotz der Gefahren an der Straße von Hormus zu den Abnehmern zu bringen.

Der Öltanker Eneos Dream bei der Einfahrt in die Bucht von Tokio. Umladungen zwischen Schiffen helfen, Öl trotz der Gefahren an der Straße von Hormus zu den Abnehmern zu bringen.

© David Mareuil/imago

Die Ölausfuhren der Golfproduzenten ohne Iran haben trotz anhaltender Angriffe auf Tanker das Niveau vor dem Irankrieg übertroffen. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf den Schiffsdatendienst Kpler berichtet, flossen in der Woche bis zum 18. Oktober täglich mehr als 24 Millionen Barrel über die Straße von Hormus und alternative Routen aus der Region. Vor dem Krieg waren es im Schnitt 23,3 Millionen Barrel.

Die Erholung bedeutet allerdings keine Rückkehr zur normalen Schifffahrt. Durch Hormus selbst und über die anschließenden Umladeplätze im Golf von Oman wurden laut vorläufigen Kpler-Zahlen rund 14 Millionen Barrel täglich transportiert. Das entspricht etwa 82 Prozent des Vorkriegsniveaus. Warum lagen die Gesamtausfuhren trotzdem höher als vor dem Kriegsbeginn?

Tanker pendeln durch die Gefahrenzone

Vor dem Krieg fuhr ein Tanker üblicherweise vom Verladehafen im Persischen Golf bis zum Käufer, etwa nach China. Heute teilen Reedereien die Reise häufig auf: Ein Schiff nimmt Öl im Golf auf, durchquert Hormus und übergibt die Ladung außerhalb der Meerenge an einen anderen Tanker. Anschließend fährt es zurück, um neues Öl zu holen.

So müssen die Schiffe, deren Betreiber das hohe Risiko akzeptieren, keine wochenlangen Reisen nach Asien unternehmen. Sie können stattdessen mehrfach durch die Gefahrenzone pendeln. Andere Tanker übernehmen den längeren Weitertransport. Nach Darstellung des WSJ bietet amerikanische Luftüberwachung entlang der omanischen Küste derzeit einen gewissen Schutz.

Hinzu kommen Pipelines durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie bringen Öl zu Häfen am Roten Meer oder außerhalb der Meerenge. Laut Kpler umgingen im September rund 40 Prozent des aus der Golfregion exportierten nicht-iranischen Rohöls die Straße von Hormus. Vor dem Krieg waren es 17 Prozent.

Bereits Anfang Oktober hatte Kpler beschrieben, wie diese Ausweichrouten die regionalen Rohölexporte wieder auf das Vorkriegsniveau hoben. Entscheidend ist deshalb die Unterscheidung: Insgesamt verlässt wieder viel Öl die Region, obwohl durch Hormus weiterhin weniger transportiert wird.

Hohe Gewinne machen riskante Fahrten attraktiv

Dass sich genügend Betreiber auf die gefährlichen Fahrten einlassen, hat auch wirtschaftliche Gründe. Nach einer im WSJ zitierten Schätzung von Kpler können Händler beim Weiterverkauf irakischen Öls etwa 20 Dollar je Barrel mehr verdienen als vor dem Krieg. Bei einer Supertankerladung wären das rund 40 Millionen Dollar zusätzlich.

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Auch Seeleuten werden hohe Zuschläge angeboten. Das WSJ berichtet von einem chinesischen Personalvermittler, der bis zu 25.000 Dollar für eine Hin- und Rückfahrt in den Golf angeboten habe. Für die Besatzungen bleibt das Risiko erheblich. Die Zeitung zählte für Oktober auf Grundlage von Sicherheitsmeldungen rund 30 Angriffe auf Schiffe.

Dass die Exporte wieder steigen, bestätigt auch die Financial Times. Sie nennt für die Woche bis zum 18. Oktober täglich 24,6 Millionen Barrel aus den Golfproduzenten ohne Iran. Auch diese Angaben beruhen auf Kpler-Daten.

Mehr Öl bedeutet nicht automatisch niedrigere Preise

Das neue Transportsystem benötigt viele Schiffe. Ein Teil der weltweiten Tankerflotte ist durch die Pendelfahrten und Umladungen gebunden. Zugleich verteuern Angriffsrisiken die Versicherungen. Die höheren Ausfuhren werden dadurch mit deutlich höheren Transportkosten erkauft.

Nach einem Bericht von Reuters reagieren asiatische Raffinerien bereits auf die gestiegenen Frachtkosten. Sie nutzen kleinere Tanker oder kaufen Öl einschließlich Lieferung, um die Transportorganisation den Verkäufern zu überlassen.

Der Iran kann die Ausfuhren seiner Nachbarn damit offenbar weniger wirksam begrenzen. Gefahrlos oder günstig ist der Transport jedoch nicht geworden. Zudem bleibt die Erholung anfällig: Weitere Angriffe können Fahrten verzögern, Umladungen erschweren und die Kosten erneut erhöhen. Hohe Exportmengen allein garantieren deshalb noch keine Entlastung an den Tankstellen.

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