Ölmarkt

Trotz Ausfällen am Golf: Ölkartell Opec+ will Förderquoten erneut anheben

Saudi-Arabien, Russland und fünf weitere Staaten planen den nächsten Quotenschritt. Wegen der blockierten Hormus-Route ist der praktische Effekt fraglich.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
2 Min
Die Opec+ will ihre Förderquoten trotz Lieferausfällen am Golf erneut anheben.

Die Opec+ will ihre Förderquoten trotz Lieferausfällen am Golf erneut anheben.

© Skata/imago

Die sieben Kernstaaten des Ölverbunds Opec+ steuern auf eine vierte monatliche Anhebung ihrer Förderziele in Folge zu. Bei einem Online-Treffen am Sonntag wollen Saudi-Arabien, Russland, der Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman die Zielmengen ab Juli um rund 188.000 Barrel pro Tag erhöhen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei Opec+-Quellen, die anonym bleiben wollten. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Quoten auf dem Papier, Ausfälle in der Praxis

Die geplante Erhöhung entspricht dem Schritt vom Juni. Zwischen April und Juni hatten die sieben Staaten ihre Quoten zusammen bereits um rund 600.000 Barrel pro Tag angehoben. Tatsächlich ist die Förderung der Gruppe nach Opec-Zahlen jedoch eingebrochen: von rund 42,77 Millionen Barrel pro Tag im Februar auf 33,19 Millionen Barrel im April.

Fachleute zweifeln am praktischen Effekt einer höheren Quote. Jorge Leon vom Beratungsunternehmen Rystad Energy rechnet zwar mit einem Plus von 188.000 Barrel pro Tag, verwies aber darauf, dass nur die sieben genannten Staaten überhaupt die Kapazität dazu hätten.

Ole Hansen von der Saxo Bank sagte AFP, angekündigte Produktionserhöhungen hätten „nur begrenzten praktischen Wert“. Homayoun Falakshahi vom Datendienst Kpler verwies zudem auf die  US-Blockade iranischer Häfen, welche die reale Fördermenge weiter drücke.

Hintergrund ist der Krieg der USA mit dem Iran. Seit Ende Februar ist die Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen läuft, faktisch gesperrt. Wichtige Golfstaaten können ihre Kunden seither nicht voll beliefern. Die Ölpreise sind nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP seit Kriegsbeginn stark gestiegen. Gleichzeitig schwächt der nach fast 60 Jahren am 1. Mai erfolgte Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate das Gewicht der von Saudi-Arabien geprägten Ölallianz.

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