Trotz Rücktrittsforderungen möchte der Leiter des "Hauses am Checkpoint Charlie" weitermachen

Hildebrandt will bleiben

Marijke Engel
3 Min

Rainer Hildebrandt, Leiter des Museums Haus am Checkpoint Charlie, will weiterhin Vorsitzender des Trägervereins Arbeitsgemeinschaft 13. August (Arge) bleiben. Das erklärte der 84jährige am Montag vor Journalisten. Wie berichtet war der Führungsstil Hildebrandts in jüngster Zeit in die Kritik geraten. In einem umfangreichen Dokument, dessen Verfasser der "Berliner Zeitung" bekannt sind, wurde ihm vorgeworfen, über Jahre hinweg Geld der Arge für private Zwecke genutzt zu haben und Gelder der Stiftung Klassenlotterie zweckentfremdet zu haben. Rainer Hildebrandt wies die Vorwürfe am Montag immer wieder lautstark als eine Denunziation der "Feinde des Museums" zurück. Das Geld, das zusätzlich zu seinem Gehalt über ein Verrechnungskonto an ihn floß, sei die Entlohnung für seine Autorentätigkeit gewesen. Die von ihm verfaßten Publikationen hätten dem Museum rund 7 Millionen Mark Gewinn eingebracht, sagte Hildebrandt. Die Frage, warum er nicht früher einen verbindlichen Vertrag mit der Arge geschlossen habe, der die Autorenrechte regelt, antwortete Hildebrandt: "Ich wollte für die Arge Geld sparen." Gleichwohl läßt der Vorstand den Sachverhalt jetzt prüfen, allerdings vereinsintern. Der Vorsitzende der Prüfungskommission ist Hauke Jessen, der in seiner Rolle als Vorstandsmitglied durch die aufgetauchten Dokumente selbst belastet wird. "Starker Mann" als NachfolgerZu Rücktrittsforderungen, wie sie von Wolfgang Templin, gegen den ein Vereinsausschlußverfahren läuft, laut wurden, nahm Hildebrandt keine Stellung. Bis zur Jahresmitgliederversammlung im kommenden Jahr möchte der 84jährige "einen starken Mann aufbauen", der nach ihm die Geschäfte im Haus führen soll. Nach dem Willen des Museumsleiters soll dieser Nachfolger dann von seiner Ehefrau, Alexandra Hildebrandt, unterstützt werden. Hildebrandt fügte hinzu, daß die Mitglieder über die Zukunft zu entscheiden haben, man müsse "den demokratischen Entwicklungen ihren Lauf lassen".Am heutigen Dienstag treffen sich die Mitglieder der Arge zur diesjährigen Hauptversammlung. Der Verein hat einer Liste von 1997 zufolge 32 Mitglieder. Die Arge, so bestätigen Mitglieder, sei ein Verein, dem man nur mit Zustimmung des Vorstands beitreten könne. Obwohl die Mehrheit sich auf Anfrage der "Berliner Zeitung" hinter den amtierenden Vorsitzenden stellte, kündigten andere Mitglieder an, einen Abwahlantrag zu stellen. Unter ihnen auch der ehemalige Fluchthelfer Rainer Schubert. Günter Irrgang, Mitglied im dreiköpfigen Vorstand der Arge, kündigte an, auf der Versammlung "Konsequenzen zu ziehen". Worin diese im einzelnen bestehen, ließ er offen. Sicher sei jedoch, daß er einer Erweiterung des Vorstandes nicht zustimmen werde. Rainer Hildebrandt hatte angekündigt, seine Frau Alexandra und den ehemaligen CDU-Abgeordneten Daniel Dormann mit in den Vorstand aufnehmen zu wollen. Konsequenzen forderte auch Gert Behrens, seit Anfang der siebziger Jahre Vereinsmitglied und langjähriger Steuerberater der Arge. Er will, daß ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer die Vorwürfe untersucht. "Alles andere wäre absurd", so Behrens. "Man kann doch nicht einen Angeklagten zum Richter machen." Zukunft als StiftungDer Prüfer solle die Vorwürfe lükkenlos "nach vereins-, zivil- und steuerrechtlichen Gesichtspunkten" untersuchen. Behrens erinnerte an die Verdienste Rainer Hildebrandts. Jetzt seien die Politiker gefordert, das Lebenswerk und Hildebrandts Ruf zu retten. Die Zukunft der Arge sieht der ehemalige Steuerberater in einer Stiftung, die sei ein "solides Gebilde, nicht so anfällig wie ein Verein".Die Politiker jedoch schweigen. CDU-Fraktionschef Klaus-Rüdiger Landowsky, selbst Kuratoriumsmitglied der Arge und des Stiftungsrats der Klassenlotterie, will sich nicht zu den Vorgängen äußern. Auch der Sprecher der Kulturverwaltung Axel Wallrabenstein sagte, daß man "grundsätzlich gesprächsbereit" sei, sich aber in die Interna der Arge nicht einmischen wolle.

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