Trotz westlicher Sanktionen und Selbstverpflichtungen der Autohersteller gelangten im vergangenen Jahr offenbar Zehntausende Fahrzeuge europäischer und japanischer Marken über China nach Russland. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eigene Auswertungen des russischen Marktforschungsunternehmens Autostat.
Im vergangenen Jahr verzeichnete Autostat dem Bericht zufolge fast 47.000 Neuzulassungen von deutschen Unternehmen wie BMW, Mercedes oder VW-Marken, darunter Audi und Porsche. Mehr als 20.000 davon seien in China gefertigt worden, wo viele internationale Marken gemeinsam mit lokalen Partnern produzieren. Zudem wurden im vergangenen Jahr in Russland mehr als 30.000 Toyotas verkauft, hieß es.
Die Zahl der in China produzierten Fahrzeuge von Herstellern aus Ländern mit Russland-Sanktionen, die in Russland registriert wurden, habe sich laut den Autostat-Daten seit 2023 mehr als verdoppelt, hieß es. Seit Kriegsbeginn wurden dem Bericht zufolge mehr als 700.000 solcher Fahrzeuge in Russland verkauft.
Umgehung von Sanktionen durch „Zero-Mileage“-Gebrauchtwagen
Oft werden die Autos von russischen Händlern über chinesische Vermittler bestellt, erklärten fünf an den Handelsvorgängen beteiligte Personen gegenüber Reuters. Ein wachsender Anteil der Fahrzeuge entfalle dabei auf „Zero-Mileage“-Gebrauchtwagen, die als verkauft zugelassen und dann als gebraucht reklassifiziert werden.
Dadurch entfalle die Notwendigkeit, die Genehmigung der Autohersteller für einen Verkauf nach Russland einzuholen. In einigen Branchenstatistiken tauchen diese Fahrzeuge dem Bericht zufolge nicht als Neuwagenverkäufe auf. In China werden solche Fahrzeuge oft reduziert verkauft, sie sollen jedoch in Russland ähnlich hohe Preise wie Neuwagen erzielen.
Toyota erklärte laut Reuters, es habe den Export nach Russland im Jahr 2022 eingestellt. Mercedes-Benz betonte, es verbiete Verkäufe nach Russland, Untersuchungen seien jedoch „zeitaufwendig und komplex“. BMW teilte mit, dass mögliche Importe nach Russland „außerhalb unseres Einflussbereichs – und auch ausdrücklich gegen unseren Willen“ geschehen würden. Das Unternehmen habe seinen chinesischen Einzelhandelsbetrieb angewiesen, „sich strikt gegen jeden potenziellen Fahrzeugexport nach Russland zu stellen“.
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