Demo am Sonnabend

Trotz Verbots Aufrufe zur Demonstration – 5000 weitere Anmeldungen

Zu dem in Berlin verhängten Verbot einiger Demonstrationen am Sonnabend werden jetzt mit Spannung die ausstehenden Gerichtsurteile erwartet. Die Veranstalter interessiert der Ausgang der Rechtsprechung aber offenbar weniger.

BLZ/dpa
3 Min
Die Kundgebung mit dem Motto „Berlin invites Europe! – Berlin lädt Europa ein“ soll der Auftakt für die am Mittwoch verbotene Demonstration gegen Corona-Beschränkungen am Sonnabend sein.

Die Kundgebung mit dem Motto „Berlin invites Europe! – Berlin lädt Europa ein“ soll der Auftakt für die am Mittwoch verbotene Demonstration gegen Corona-Beschränkungen am Sonnabend sein.

© dpa/Christoph Soeder

Zu solchen Anmeldungen als Ersatz für die verbotene Demonstration kursierten im Internet zahlreiche Aufrufe. Demonstrationen lassen sich formlos und schnell über die Internetseite der Versammlungsbehörde der Berliner Polizei anmelden. Die Organisatoren von „Querdenken“ schrieben dazu: „Es ist unmöglich, alle diese Demos pauschal abzusagen.“ Berlin sei daher immer eine Reise wert.

Die Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts über das von der Polizei verhängte Verbot der Demonstration fällt am (heutigen) Freitag. Sowohl die Veranstalter als auch die Polizei wollen allerdings im Fall einer Niederlage vor das Oberverwaltungsgericht ziehen.

Als Grund für das Verbot hatte die Polizei angeführt, dass durch die Ansammlung Zehntausender Menschen – oft ohne Maske und Abstand – ein zu hohes Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung entstehe. Das habe bereits die Demonstration gegen die Corona-Politik am 1. August in Berlin gezeigt, bei der die meisten Demonstranten bewusst Hygieneregeln ignoriert hätten.

Senat und Polizei stehen wegen des Verbots und viel Kritik daran unter Druck. Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte die Entscheidung in zahlreichen Interviews und Stellungnahmen. Zuletzt sprach er in der Süddeutschen Zeitung von ursprünglich 50.000 erwarteten Demonstranten. Darunter seien „viele aus dem rechtsextremistischen Spektrum mit einem erheblichen Aggressionspotenzial“.

Es gebe erhebliche Gewaltandrohungen, sagte Geisel weiter. „Das macht uns ernsthafte Sorgen. Aber wir haben Tausende Polizisten auch aus anderen Bundesländern und vom Bund zusammengezogen, um die Sicherheit gewährleisten zu können.“ Auch seine Behörde und er würden angegangen. „Die Drohungen, die seit dem Verbot hier eingegangen sind, sind zu massiv. Das übersteigt in Menge und Aggressivität alles, was ich bisher erlebt habe.“

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik wollte am Freitagmittag (12 Uhr) über die Versammlungsverbote und über Maßnahmen der Polizei informieren. Zahlreiche Absperrgitter hatte die Polizei bereits ab Donnerstag im Regierungsviertel bereitgestellt.

Linke Gruppen und Initiativen wollen am Sonnabend gegen die geplanten Corona-Demonstration protestieren. Ab 9.30 Uhr ruft das Berliner Bündnis gegen rechts zu einer Kundgebung am Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma am Brandenburger Tor auf. Motto: „Kein Platz für Nazis“. Unter dem Titel „Tätervolk sucht Opferrolle?“ organisiert die Bergpartei ab 10 Uhr eine Kundgebung am Bahnhof Friedrichstraße. Um 12 Uhr soll dann von dort ein Fahrradkorso starten.

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