US-Präsident Donald Trump soll den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu aufgefordert haben, mit dem Abzug israelischer Truppen aus Syrien zu beginnen. Auch im Libanon drängte Trump demnach auf weitere Rückzugsschritte. Das berichtete das US-Portal Axios unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter und israelische Regierungsvertreter.
Das Telefonat fand dem Bericht zufolge am vergangenen Donnerstag statt, einen Tag nach Trumps Treffen mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa beim Nato-Gipfel in Ankara. Die israelische Militärpräsenz in Syrien schaffe Spannungen und könne zu einer weiteren Eskalation führen, soll Trump in dem Gespräch erklärt haben.
„Sie wollen euch dort nicht. Ihr solltet eure Truppen verlegen“, zitierte Axios den US-Regierungsvertreter. Die Aufforderung habe Trump ausdrücklich auch auf den Libanon bezogen. Das Weiße Haus wollte den Inhalt des Telefonats nicht kommentieren, dementierte die Darstellung jedoch nicht. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten teilte Axios lediglich mit, Netanjahu habe in dem Gespräch die Notwendigkeit von Sicherheitszonen entlang der israelischen Grenzen angesprochen.
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Al-Scharaa: Israel verweigert Wort „Rückzug“
Brisante Einzelheiten über Trumps vorheriges Gespräch mit al-Scharaa veröffentlichte am Mittwoch die libanesische Zeitung Al-Akhbar. Das der Hisbollah nahestehende Blatt beruft sich dabei auf nicht namentlich genannte Quellen. Eine unabhängige Bestätigung der wiedergegebenen Aussagen liegt bislang nicht vor.
Al-Scharaa soll Trump demnach vorgeworfen haben, Israel verhindere eine politische Lösung im Süden Syriens. „Israel weigerte sich, das Wort ‚Rückzug‘ in irgendeine Vereinbarung aufzunehmen, und brach die Verhandlungen ab, als wir das Thema ansprachen“, zitierte ihn Al-Akhbar laut der israelischen Zeitung Jerusalem Post. Al-Scharaa soll hinzugefügt haben: „Solange Israel den Rückzug verweigert, warum sollten wir dann ein Abkommen unterzeichnen?“
Die syrische Regierung verlangt eine Rückkehr zum Truppenentflechtungsabkommen von 1974. Israel soll sich demnach aus jenen Gebieten zurückziehen, die seine Streitkräfte nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 eingenommen hatten.
Nach Angaben von Axios bemühte sich die Trump-Regierung monatelang um ein neues Sicherheitsabkommen zwischen Syrien und Israel. US-Regierungsvertreter seien schließlich zu der Einschätzung gelangt, dass Netanjahu nicht zu den geforderten Zugeständnissen bereit sei. Dazu habe ein schrittweiser Rückzug aus den zuletzt besetzten syrischen Gebieten gehört.
Erdogan soll Israel für Instabilität verantwortlich machen
Al-Scharaa soll im Gespräch mit Trump außerdem erklärt haben, die Hisbollah könne nicht entwaffnet werden, solange sich israelische Truppen im Libanon befänden. Der Versuch einer gewaltsamen Entwaffnung könne die Region ins Chaos stürzen.
Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe bei seinem Treffen mit Trump auf einen raschen israelischen Rückzug aus Syrien und dem Libanon gedrängt, berichtete Al-Akhbar. Erdogan soll Israel als Hauptursache der regionalen Instabilität bezeichnet und einen Abzug noch vor Jahresende verlangt haben. Eine öffentliche Bestätigung aus Ankara oder Washington gibt es dafür bislang nicht.
Parallel verhandeln Israel und der Libanon unter US-Vermittlung über die Umsetzung einer im Juni vereinbarten Rahmenregelung. Dabei geht es nach Angaben von Reuters zunächst um zwei Gebiete im Südlibanon, aus denen sich israelische Truppen zurückziehen und die libanesische Armee nachrücken soll.
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