US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach Informationen der Financial Times aufgefordert, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Trump habe bei einem Telefonat am Sonntag vor allem vor einer Verschärfung der weltweiten Dieselknappheit und weiter steigenden Preisen gewarnt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei hochrangige ukrainische Regierungsvertreter.
„Diesel, Diesel … Diesel“ sei Trumps wichtigste Botschaft gewesen, sagte ein Teilnehmer des Gesprächs der Financial Times. Nach Angaben eines weiteren Beamten will der US-Präsident sicherstellen, dass russische Kraftstoffe weiterhin auf den Weltmarkt gelangen können. Das Weiße Haus äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.
Das ukrainische Präsidialamt bestätigte das Telefonat, erwähnte eine Aufforderung zum Ende der Raffinerieangriffe jedoch nicht. Selenskyj bezeichnete das Gespräch als wichtig. Ein geplantes Treffen mit Trump am Dienstag am Rande der UN-Generalversammlung in New York könne „viel verändern“, erklärte er. Es gebe „diplomatischen Schwung“.
Angriffe treffen russische Dieselproduktion
Das Telefonat folgte auf einen groß angelegten ukrainischen Drohnenangriff auf Moskau und das Umland. Dabei geriet erneut eine Raffinerie in Brand. Nach russischen Angaben wurden Hunderte Drohnen abgefangen. Die Angaben zum Umfang des Angriffs und zu den Opferzahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Russlands Energieindustrie in den vergangenen Monaten verstärkt. Nach Berechnungen von Reuters mussten im September drei der sechs größten russischen Dieselproduzenten ihre Verarbeitung wegen Schäden deutlich verringern oder vollständig einstellen. Russland beschränkte daraufhin die Ausfuhr von Diesel und anderen Kraftstoffen.
Kiew betrachtet die Raffinerien als legitime Ziele, weil der russische Energiesektor den Krieg finanziert und die Streitkräfte mit Treibstoff versorgt. Selenskyj erklärte vor seiner Reise nach New York, die ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffe seien Teil eines Drucks, der tatsächlich wirke. Diplomatische Bemühungen müssten parallel dazu fortgesetzt werden.
Diesel wird weltweit knapp
Die weltweite Dieselknappheit könnte nach Einschätzung von Marktteilnehmern bis in das Jahr 2027 anhalten. Reuters berichtet von historisch niedrigen Vorräten und Rekordpreisen. Neben den ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien haben vor allem der Irankrieg und die dadurch gestörten Lieferungen aus dem Nahen Osten das Angebot verringert.
Diesel ist in den USA zu einem innenpolitischen Problem für Trump geworden. Der Kraftstoff wird unter anderem für Lastwagen, Züge und landwirtschaftliche Maschinen benötigt. Steigende Preise verteuern deshalb nicht nur das Tanken, sondern auch den Transport von Waren und die Lebensmittelproduktion. Im November stehen in den Vereinigten Staaten die Kongresswahlen an.
Wie groß der Einfluss der ukrainischen Angriffe auf die Weltmarktpreise tatsächlich ist, bleibt umstritten. Das KSE Institute in Kiew kommt zu dem Ergebnis, dass der Iran-Krieg die globalen Energieflüsse wesentlich stärker beeinträchtigt habe. Die Angriffe hätten zwar Russlands Exporte und Einnahmen verringert, aber keinen klar erkennbaren Einfluss auf die Weltmarktpreise gehabt.
Keine bestätigte Energie-Waffenruhe
Trump hatte wenige Tage zuvor erklärt, Russland und die Ukraine hätten vereinbart, ihre gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen einzustellen. Ukrainische Regierungsvertreter widersprachen und erklärten, eine solche Waffenruhe sei nicht vereinbart worden.
Selenskyj stellte anschließend klar, sein Land sei zu einem wechselseitigen Stopp bereit, wenn die USA und andere Partner gewährleisten könnten, dass sich auch Russland daran halte. Ob Trump den Kreml ebenfalls zum Ende der Angriffe auf ukrainische Energieanlagen aufgefordert hat, ist nicht bekannt. Moskau hat sich zu den neuen Bemühungen um eine Energie-Waffenruhe bislang nicht öffentlich geäußert.
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