US-Präsident Donald Trump hat Großbritannien mit hohen Zöllen gedroht, sollte die Regierung von Premierminister Keir Starmer die britische Digitalsteuer nicht abschaffen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag unter Berufung auf ein Interview Trumps mit der britischen Zeitung The Telegraph.
Trump sagte dem Telegraph, er werde „einen hohen Zoll auf das Vereinigte Königreich legen“, wenn London die Abgabe nicht streiche. Diese ziele unfair auf US-Technologiekonzerne. „Es gefällt mir nicht, wenn sie amerikanische Unternehmen ins Visier nehmen“, zitiert Reuters den Präsidenten.
Drohung im Oval Office bekräftigt
Gegenüber Reportern im Oval Office äußerte Trump nach einem Bericht des Guardian dieselbe Drohung. Auf die Frage nach der Höhe eines möglichen Zolls sagte er, dieser werde „höher als das ausfallen, was sie einnehmen“. Washington werde „etwas Gleiches oder Größeres“ verhängen, als die britische Abgabe einbringe. Großbritannien habe versucht, „schnelles Geld zu machen“, so Trump laut Guardian.
Die britische Digital Services Tax, eine Sonderabgabe auf bestimmte Online-Umsätze, gilt nach Angaben der britischen Steuerbehörde HMRC seit dem 1. April 2020. Sie erhebt zwei Prozent auf Erlöse großer Digitalunternehmen aus Suchmaschinen, sozialen Netzwerken und Online-Marktplätzen, wenn deren weltweite Umsätze aus diesen Diensten 500 Millionen Pfund übersteigen und mehr als 25 Millionen Pfund auf britische Nutzer entfallen. Betroffen sind laut Reuters und Guardian Konzerne wie Apple, Googles Mutter Alphabet, Meta und Amazon.
Linie aus dem Weißen Haus
Die jetzige Drohung knüpft an eine bereits festgelegte Linie der US-Regierung an. In einem Memorandum vom 21. Februar 2025 wies Trump das Büro des US-Handelsbeauftragten und weitere Ressorts an, gegen ausländische Digitalsteuern und Regulierungen vorzugehen, die nach Auffassung Washingtons US-Unternehmen benachteiligen. Das Memorandum nennt unter anderem Frankreich, Österreich, Italien, Spanien, die Türkei und Großbritannien und kündigt Zölle und andere Gegenmaßnahmen an.
Wie wirksam diese Drohkulisse sein kann, zeigt der Fall Kanada. Nach Angaben des kanadischen Finanzministeriums vom 29. Juni 2025 zog Ottawa seine eigene Digitalsteuer kurz vor Inkrafttreten der ersten Zahlung zurück, um die Handelsgespräche mit den USA fortzusetzen.
Die Drohung gegen London fällt laut Guardian in eine Phase wachsender Spannungen zwischen beiden Regierungen. Starmer hatte eine britische Beteiligung am US-Einsatz gegen den Iran ausgeschlossen. Trump hatte zudem Mitte April in einem Interview mit Sky News erklärt, das im Vorjahr geschlossene Handelsabkommen mit Großbritannien lasse sich „jederzeit ändern“. Die jüngsten Äußerungen kommen laut Reuters kurz vor einem Besuch des britischen Königs Charles in den USA.
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