Die erste Präsidentschaft von Donald Trump war von einer scharfen Auseinandersetzung mit Deutschland geprägt. Die Bundesregierung müsse mehr für die Landesverteidigung ausgeben, die deutsche Wirtschaft dürfe nicht länger von günstigen russischen Gasimporten profitieren und solle sich Zöllen gegen China anschließen. So lauteten die zentralen Forderungen der ersten Trump-Administration. Seither hat sich Europa und die deutsche Außenpolitik stark gewandelt. Der Ukrainekrieg, die Sprengung von Nord Stream 2 und die Zeitenwende-Politik hat den Kontinent und das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten verändert. Erich Vad, einst militärpolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, erläutert im Gespräch mit der Berliner Zeitung, vor welchen Herausforderungen Deutschland im Verhältnis zur neuen Trump-Regierung steht.
Herr Vad, Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen. Im Vorfeld hatte er erklärt, den Krieg in der Ukraine binnen 24 Stunden zu beenden. Ist morgen Frieden in Europa?
So schnell wird das nicht gehen. Trump wird erst im Januar im Amt sein. Vielleicht will er den Krieg für die USA beenden. Washington kann zum Beispiel darauf hinwirken, dass der Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland, der in der Ukraine geführt wird, von den Europäern gewissermaßen übernommen werden muss. Vielleicht entwickelt sich der Ukrainekrieg aber auch zu einem Frozen Conflict. Ob es tatsächlich zu einem Waffenstillstand mit Friedensverhandlungen kommt, muss man abwarten.
Aber die derzeit laufende Europäisierung des Krieges, bei gleichzeitiger weiterer Eskalation, das ist das Besorgniserregende aus europäischer Sicht. Wir haben nun nordkoreanische Soldaten in der Region. Dazu fordern westliche Politiker weitreichende Waffen für Kiew, die tief ins russische Hinterland schießen können. In dieser Situation müssen die Europäer aufpassen: Wir müssen unsere Interessen viel stärker in den Fokus nehmen – und die sind nicht unbedingt identisch mit denen der USA.
UPDATE
USA
Nach Trump-Sieg: Wird jetzt der Ukrainekrieg beendet, Herr Vad?
Erich Vad war Militärberater von Kanzlerin Angela Merkel. Die Bundesregierung wollte die Nato „Trump-sicher“ machen. Vor welchen Herausforderungen Deutschland jetzt steht, sagt Vad im Interview.
Simon Zeise
Interview: Simon Zeise
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Angespanntes deutsch-amerikanisches Verhältnis: Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump während des G7-Gipfels in Kanada, am 9. Juni 2018
© Jesco Denzel/German Federal Government/AP
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