Donald Trump ist am Samstagmorgen zu einem knapp zweitägigen Besuch in Irland eingetroffen. Nach politischen Gesprächen in Dublin reist der US-Präsident an die Westküste. Dort besucht er die Irish Open, die ausgerechnet auf dem Golfplatz seines eigenen Unternehmens ausgetragen werden.
Nicht alle Iren freuen sich über den prominenten Gast. „Die Welt ist in Aufruhr, und dieser Kerl spielt Golf“, sagte der Dubliner Taxifahrer Christopher Fox der Nachrichtenagentur AP. Trump verursache in der Hauptstadt ein Verkehrschaos, nur weil er nach Doonbeg fahren wolle.
Der Besuch ist keine offizielle Staatsvisite. Trump verbindet politische Termine mit einer Veranstaltung, von der das Unternehmen seiner Familie wirtschaftlich profitieren dürfte. Die Trump Organization besitzt das Golfresort in Doonbeg seit 2014.
Trump trifft seine frühere Gegnerin Catherine Connolly
Am Flughafen von Dublin wurde Trump vom stellvertretenden Regierungschef Simon Harris und Außenministerin Helen McEntee empfangen. Der US-Präsident reiste gemeinsam mit seinem Sohn Donald Trump Jr. und dessen Familie an.
Die irische Präsidentin Catherine Connolly begrüßen nach US-Präsident Donald Trump (r) dessen Familie, Donald Trump Jr. (M) und seine Frau Bettina 2.v.l) im Aras an Uachtarain.
© Kin Cheung/AP
Anschließend begrüßte ihn die irische Präsidentin Catherine Connolly mit militärischen Ehren in ihrer Residenz Áras an Uachtaráin. Connolly gilt als langjährige Kritikerin Trumps. Bei dessen erstem Besuch als US-Präsident im Jahr 2019 hatte sie noch vor dem Flughafen Shannon gegen ihn demonstriert.
Die Begegnung verlief vor den Kameras freundlich. Connolly, die dem US-Präsidenten in der Vergangenheit vorgeworfen hatte, sich „wie ein Tyrann“ zu benehmen, bat Trump, sich in das Gästebuch einzutragen. Sie überreichte ihm eine Gedichtsammlung des Belfaster Dichters Michael Longley mit dem Titel „Waffenstillstand“.
Nach dem Treffen äußerte sich Trump nur knapp gegenüber Journalisten. Auf die Lage an der Straße von Hormus angesprochen, sagte er laut dem Livebericht der Irish Times: „Alles wird gut werden.“
Die Frage nach den hohen Heizölpreisen in Irland beantwortete Trump mit einem Verweis auf britische Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee. Würden diese erschlossen, gingen die Preise deutlich zurück, erklärte er. Zu seinem Gespräch mit Connolly äußerte er sich nicht.
Danach traf Trump den irischen Regierungschef Micheál Martin im Gästehaus Farmleigh. Themen waren nach Angaben beider Regierungen die wirtschaftlichen Beziehungen und außenpolitische Fragen. Irland befürchtet Folgen des amerikanischen Handelsstreits und des Iran-Kriegs. US-Unternehmen beschäftigen nach Angaben von Reuters rund zehn Prozent der Arbeitnehmer im Land.
Trump würde laut eigener Aussage „sehr gerne“ eine Wiedervereinigung von Irland und Nordirland sehen. „Ich habe Freunde auf beiden Seiten, es sind großartige Menschen. Es sind Iren, wie könnte das etwas Schlechtes sein“, sagte Trump nach dem Treffen mit dem irischen Regierungschef Martin.
US-Präsident Donald Trump wird von Irlands Premierminister Micheál Martin im Farmleigh House zu einem Treffen begrüßt.
© Ben Birchall/PA Wire/dpa
Protestmarsch gegen Trump in Dublin
Für Samstagmittag riefen linke Oppositionsparteien, Friedensgruppen, Gewerkschafter und propalästinensische Organisationen zu einem Protestmarsch durch Dublin auf. Unter dem Motto „Kein Willkommen für Kriegstreiber Trump“ wollen die Teilnehmer vom Garden of Remembrance zum irischen Parlament ziehen.
Auch in der Umgebung von Doonbeg und am Flughafen Shannon wurden Proteste angekündigt. Die Veranstalter kritisieren unter anderem den Krieg gegen den Iran, Trumps Unterstützung für Israel sowie seine Migrationspolitik.
Eine Demonstrantin fordert am Vorabend von Donald Trumps Besuch in Dublin ein Ende des Verkaufs israelischer Kriegsanleihen durch die irische Zentralbank.
© Artur Widak/imago
Irland gehört innerhalb der Europäischen Union zu den schärfsten Kritikern der israelischen Regierung. Im Juli beschloss das Land Beschränkungen für den Handel mit israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland. Amerikanische Politiker und der US-Botschafter in Dublin hatten das Gesetz kritisiert.
Laut einer Umfrage des Instituts Ireland Thinks für den Sunday Independent lehnen 69 Prozent der Befragten Trumps Besuch ab. Die Irish Times bezeichnete ihn in einem Leitartikel als „wenig willkommenen Gast“. Die Zeitung schrieb, Trump sei „wahrscheinlich der schlechteste Präsident, den die Amerikaner je gewählt haben“.
Die irische Polizei stufte die Reise wegen des Umfangs der Sicherheitsmaßnahmen als „außergewöhnliches Ereignis“ ein. Tausende Polizisten und Soldaten sind im Einsatz. Teile des Phoenix Parks wurden gesperrt, Spezialkräfte, Drohnenabwehr und Wasserwerfer stehen bereit.
Doonbeg setzt auf Trump und die Irish Open
Rund um Trumps Resort an der Atlantikküste fällt die Reaktion deutlich freundlicher aus. Viele Einwohner von Doonbeg verbinden mit dem Golfturnier zusätzliche Einnahmen und langfristig mehr Touristen.
„Wir sind nicht mit allem einverstanden, was er in der Welt tut, aber er hält unser Dorf am Leben“, sagte die Gastwirtin Caroline Kennedy der Irish Times. Das Resort beschäftige rund 300 Menschen und bringe zahlungskräftige Gäste in die örtlichen Gaststätten, Geschäfte und Unterkünfte.
Auch Trumps Sohn Eric verteidigte das Familienunternehmen. Das Resort sei der größte Arbeitgeber der Gegend, sagte er dem irischen Sender RTÉ. Kritiker werfen Trump dagegen vor, das Präsidentenamt erneut mit den geschäftlichen Interessen seiner Familie zu vermischen.
Trump will am Sonntag die Schlussrunde der Irish Open verfolgen und an der Übergabe der Trophäe teilnehmen. Danach soll er Irland wieder verlassen.
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