UPDATE

Weißes Haus

Nach Pannen und Spott aus China: Trump feuert Pressesprecherin nach nur fünf Tagen

Katie Zacharia sorgte mit ihrem Debüt und fragwürdigen Angaben zu ihrer Karriere für Schlagzeilen. Nun entlässt Trump die Frau, die er selbst für das Amt ausgewählt hatte.

5 Min
Katie Zacharia wurde nach nur fünf Tagen als Pressesprecherin des Weißen Hauses entlassen.

Katie Zacharia wurde nach nur fünf Tagen als Pressesprecherin des Weißen Hauses entlassen.

© Julia Demaree Nikhinson/AP

Nach nur fünf Tagen im Amt hat US-Präsident Donald Trump seine neue Pressesprecherin Katie Zacharia entlassen. Das berichten die New York Times und CNN unter Berufung auf mehrere mit der Entscheidung vertraute Personen. Auch die Nachrichtenagentur Reuters erhielt von einem Vertreter des Weißen Hauses die Bestätigung, dass Zacharia ihren Posten unfreiwillig verloren hat.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump seiner persönlich ausgewählten Sprecherin öffentlich geraten, ihre berufliche Zukunft zu überdenken. Sie sei von den Medien unfair behandelt worden, erklärte der Präsident vor Journalisten. Auf die Frage, ob er Zacharia bereits entlassen habe, antwortete er zunächst mit Nein.

Die 41-Jährige hatte ihre Tätigkeit erst am Montag aufgenommen. Bereits ihr erstes Pressebriefing am Tag darauf sorgte für Spott und Kritik. Hinzu kamen Fragen zu ihrer juristischen Qualifikation sowie eine abfällige Bemerkung über chinesische Toiletten, auf die inzwischen sogar das Außenministerium in Peking reagierte.

Nur 14 Minuten am Rednerpult: Zacharias Debüt löst Spott aus

Zacharia hatte am Dienstag erstmals die Presseunterrichtung im Weißen Haus übernommen. Der Auftritt dauerte nur rund 14 Minuten. Den größten Teil der Zeit las die 41-Jährige vorbereitete Aussagen über Erfolge der Trump-Regierung vor. Anschließend ließ sie lediglich drei Fragen zu, unter anderem von Reportern von Fox News und Breitbart.

Ihre langsame Vortragsweise, häufige Blicke auf ihre Notizen und das abrupte Ende der Pressekonferenz sorgten für Kritik. Der Guardian veröffentlichte eine spöttische Rezension unter dem Titel „Enter the Zachbot“, in der Zacharias Auftritt mit dem eines künstlichen Avatars verglichen wurde.

Hinzu kam ein Versprecher: Als Zacharia über ihren Ehemann sprach, bezeichnete sie ihn versehentlich als „meinen Präsidenten“, bevor sie sich korrigierte. Nach Informationen von CNN bewerteten mehrere Regierungsmitarbeiter den Auftritt intern kritisch. Einer bezeichnete ihn als „brutal“. Andere zweifelten daran, ob Zacharia den Anforderungen des Amtes gewachsen sei.

Für weitere Schlagzeilen sorgte ein Interview mit dem rechtsgerichteten Kommentator Jack Posobiec. Zacharia erinnerte sich darin an ihre Zeit in China und die damaligen Prognosen über den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes. Sie habe sich gefragt, wie China zur nächsten Weltmacht aufsteigen solle: „Die haben nicht einmal vernünftige Toiletten.“

Die Bemerkung rief sogar das chinesische Außenministerium auf den Plan. Auf eine Frage der Nachrichtenagentur AFP reagierte Sprecherin Mao Ning am Freitag mit einer knappen Einladung: „Sie ist herzlich willkommen, sich bei Gelegenheit China anzusehen.“

Fragen zur Anwaltszulassung bringen Zacharia zusätzlich unter Druck

Neben ihrem Auftritt sorgten Zacharias Angaben zu ihrer juristischen Ausbildung für Schlagzeilen. Trump hatte sie bei ihrer Ernennung als Anwältin vorgestellt. Die neue Pressesprecherin besitzt zwar einen juristischen Abschluss der Pepperdine University in Kalifornien, hat jedoch die Anwaltsprüfung des Bundesstaates nicht bestanden.

Wie die Washington Post berichtete, hatte Zacharia in der Vergangenheit mehrfach Bezeichnungen verwendet, die Zweifel an ihrer tatsächlichen Zulassung als Anwältin aufwarfen.

Am Donnerstag räumte sie in Interviews mit konservativen Medien ein, die kalifornische Anwaltsprüfung nicht bestanden zu haben. Sie erklärte, das Ergebnis sei für ihre damaligen beruflichen Pläne kaum von Bedeutung gewesen, weil sie anschließend mit ihrem Ehemann nach China gezogen sei.

Den Vorwurf, ihre Qualifikation bewusst falsch dargestellt zu haben, wies sie zurück. Sie habe sich nie als offiziell zugelassene Anwältin ausgegeben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Auch der Trump nahestehende Fox-News-Moderator Sean Hannity befragte die Sprecherin zu ihrer Ausbildung und ihrem kurzen ersten Briefing. Zacharia räumte dabei ein, dass es möglicherweise besser gewesen wäre, sich zunächst nur kurz vorzustellen, statt unvorbereitet Fragen zu beantworten.

Trump hatte Zacharia persönlich für das Amt ausgewählt

Besonders bemerkenswert ist Trumps Kehrtwende, weil er Zacharia selbst für den Posten gewonnen hatte. Sie arbeitete zuvor als Kommunikationsberaterin für Trump Media & Technology Group, das Unternehmen hinter der Plattform Truth Social, und trat regelmäßig als politische Kommentatorin im Fernsehen auf.

Gegenüber AP schilderte Zacharia, dass Trump sie am 7. Oktober persönlich angerufen habe. Zwei Tage später nahm sie das Angebot nach einem Treffen im Weißen Haus an. Sie folgte auf Karoline Leavitt, die die Regierung im August verlassen hatte.

Auch ihre Vorbereitung auf den ersten Auftritt verlief nach eigener Darstellung ungewöhnlich kurzfristig. Die Unterlagen habe sie erst am Montagabend erhalten. Am Dienstagmorgen sei sie bereits um drei Uhr aufgestanden, um sich vorzubereiten. Eine vollständige interne Vorbereitungssitzung habe es nicht gegeben.

Zacharia verteidigte zudem die Kürze ihres Auftritts: Sie habe bewusst Zeit für Trump lassen wollen, der anschließend selbst Fragen von Journalisten beantworten sollte.

Noch am Dienstag hatte das Weiße Haus Zacharias Debüt in einer offiziellen Mitteilung ausdrücklich gelobt und von einem überzeugenden ersten Auftritt gesprochen. Nach Informationen von CNN hatte Trump den Auftritt zunächst weniger kritisch bewertet als einige seiner Berater. Erst die anschließenden Fernsehinterviews der Sprecherin, insbesondere ihr Gespräch mit Fox-News-Moderator Sean Hannity am Donnerstag, sollen seine Zweifel an ihrer Eignung verstärkt haben.

In Gesprächen mit Vertrauten soll Trump schließlich zu der Einschätzung gekommen sein, Zacharia sei für die Aufgabe möglicherweise noch nicht bereit. Am Freitag verlor die erst wenige Tage zuvor von ihm persönlich ausgewählte Pressesprecherin ihren Posten. Trump hatte zuvor öffentlich bestritten, sie entlassen zu haben.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner