Seit elf Nächten greifen die USA erneut Ziele im Iran an. Der Krieg verschlingt Milliarden, hat wichtige Munitionsbestände ausgedünnt und stößt selbst in Trumps eigener Partei auf wachsende Kritik. Trotzdem prüft die Regierung von Präsident Donald Trump nach Informationen der Washington Post die nächste militärische Front: Angriffe im westafrikanischen Mali. Ziel wäre die mit Al-Qaida verbundene Organisation Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin, kurz JNIM.
Sollte Trump den Einsatz genehmigen, wäre Mali bereits das achte Land, das die USA seit Beginn seiner zweiten Amtszeit militärisch angegriffen haben. Zuvor ordnete der Präsident Militäraktionen im Jemen, in Somalia, Syrien, dem Iran, dem Irak, Nigeria und Venezuela an. Dabei hatte Trump seine Rückkehr ins Weiße Haus mit dem Versprechen verbunden, Kriege zu beenden und amerikanische Mittel stärker im eigenen Land einzusetzen.
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Trump-Berater Gorka drängt auf Angriffe in Mali
Innerhalb der Regierung ist ein Einsatz in Mali dem Bericht zufolge nicht beschlossen. Hochrangige Beamte seien uneinig, ob die USA JNIM direkt angreifen sollten. Zu den entschiedensten Befürwortern zählt demnach Sebastian Gorka, der im Nationalen Sicherheitsrat für Terrorismusbekämpfung zuständig ist.
Das Pentagon wollte die möglichen Planungen nicht kommentieren. Auch die Regierung in Bamako reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der Zeitung. Das US-Außenministerium verurteilte zwar die Anschläge von JNIM, ließ aber offen, ob Außenminister Marco Rubio einen amerikanischen Militäreinsatz unterstützt.
USA könnten in Mali auf russische Kräfte treffen
Ein Angriff wäre auch geopolitisch riskant. Mali wird von einer Militärjunta regiert, die sich nach zwei Staatsstreichen weitgehend von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt hat. Bei der Bekämpfung bewaffneter Gruppen setzt die Regierung inzwischen auf russische Kräfte. Auf die Wagner-Gruppe folgte das enger an Moskaus Verteidigungsministerium angebundene Africa Corps.
Damit könnten amerikanische und russische Einheiten erstmals in diesem Umfang im selben westafrikanischen Einsatzgebiet operieren. Nach Einschätzung der Washington Post wären Absprachen nötig, um unbeabsichtigte Zusammenstöße zu verhindern. Vergleichbare Mechanismen gab es während des syrischen Bürgerkriegs zwischen den USA und Russland.
Das Weiße Haus macht vor allem Russland für die militärischen Rückschläge der malischen Regierung verantwortlich. Moskau habe sich als wirkungsloser Sicherheitspartner erwiesen, erklärte ein Regierungsvertreter. Zugleich forderte er Staaten in Afrika und Nato-Partner auf, Mali, Burkina Faso und Niger im Kampf gegen JNIM und den IS zu unterstützen.
JNIM setzt Malis Junta immer stärker unter Druck
JNIM gehört inzwischen zu den schlagkräftigsten bewaffneten Organisationen im Sahel. Die Gruppe operiert nicht nur in Mali, sondern auch in Burkina Faso und Niger. Ihre Angriffe reichen zunehmend bis in die Küstenstaaten Westafrikas. Die US-Regierung warnt etwa für den Norden der Elfenbeinküste ausdrücklich vor Anschlägen der Organisation.
Im April griffen JNIM und Tuareg-Separatisten zeitgleich Ziele in Bamako, Kati, Gao, Mopti und weiteren Teilen des Landes an. Dabei wurde Malis Verteidigungsminister Sadio Camara getötet. Anfang Juli folgten neue koordinierte Angriffe auf Militärstellungen im Norden, im Zentrum und im Süden Malis. Die Aufständischen erklärten, mehrere Stützpunkte eingenommen zu haben. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht.
Am vergangenen Wochenende geriet zudem ein malischer Militärkonvoi im Norden des Landes in einen Hinterhalt. JNIM und die separatistische Azawad Liberation Front reklamierten den Angriff gemeinsam für sich. Die malische Armee sprach anschließend von Gegenangriffen und eigenen Präzisionsschlägen.
Frankreich kämpfte zehn Jahre – Russland stoppte JNIM ebenfalls nicht
Experten bezweifeln, dass amerikanische Luftangriffe den Konflikt entscheiden könnten. Frankreich begann 2013 auf Bitten der damaligen malischen Regierung mit einer Militärintervention. Französische Truppen vertrieben bewaffnete Gruppen zunächst aus mehreren Städten und töteten später zahlreiche ihrer Anführer. Den Aufstand konnten sie jedoch nicht beenden. Nach wachsendem Widerstand gegen Paris zog Präsident Emmanuel Macron die Truppen ab.
Auch der anschließende Einsatz russischer Kämpfer brachte der malischen Regierung keine Kontrolle über das Land. Das britische Forschungsinstitut Chatham House kommt nach den jüngsten Angriffen zu dem Schluss, dass Sicherheit in Mali nicht allein mit militärischen Mitteln hergestellt werden könne. Nötig seien politische Verhandlungen auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene.
Der Sahel-Experte Wassim Nasr warnte in der Washington Post, Frankreich habe den militärischen Ansatz zehn Jahre lang verfolgt, Russland seit etwa fünf Jahren. Die Sicherheitslage habe sich dennoch weiter verschlechtert. Er hält Gespräche zwischen der Junta, JNIM und politischen Gegnern für erfolgversprechender als eine neue Serie von Luftangriffen.
Angriffe könnten ausgerechnet den IS stärken
Ein Einsatz birgt noch ein weiteres Risiko. JNIM steht in Mali in Konkurrenz zum sogenannten Islamischen Staat in der Sahelzone. Wird die Al-Qaida-nahe Organisation durch amerikanische Angriffe geschwächt, könnte der IS die entstehenden Lücken nutzen und sein Gebiet ausweiten.
JNIM hat sich in einigen kontrollierten Regionen zuletzt zudem stärker als lokale Regierungsgewalt präsentiert. Bewohner berichteten Reuters von weniger willkürlicher Gewalt, der Schlichtung von Landkonflikten und der Verteilung von Hilfsgütern. Daneben existieren weiterhin Zwang, Einschüchterung und schwere Übergriffe. Die veränderte Strategie erschwert jedoch eine rein militärische Bekämpfung und verschafft der Gruppe in einzelnen Gebieten Akzeptanz.
Die unabhängige Sahel-Expertin Corinne Dufka warnt außerdem, amerikanische Angriffe könnten JNIM dazu bringen, erstmals gezielt US-Bürger oder amerikanische Einrichtungen in der Region anzugreifen. Bislang konzentriert die Organisation ihre Ziele vor allem auf Mali und die Nachbarstaaten.
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Der Iran-Krieg bindet bereits Milliarden und Soldaten
Die Beratungen über Mali kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Iran-Krieg Washington bereits erheblich belastet. Nach einer Reuters-Berechnung sind seit Beginn der Kämpfe 18 amerikanische Soldaten getötet und rund 430 verwundet worden. Die bisherigen Kosten beziffert das Pentagon demnach auf etwa 37,5 Milliarden US-Dollar. Zugleich fordert die Regierung fast 90 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Mitteln.
US-Geheimdienste sehen laut einem weiteren Bericht der Washington Post trotz der Angriffe kaum Anzeichen dafür, dass Teheran seine Verhandlungsposition aufgeben wird. Die Einschätzung deutet vielmehr auf eine längere Pattsituation zwischen Washington und dem Iran hin.
Ein Militärschlag in Mali wäre damit keine isolierte Antiterroroperation. Trump müsste amerikanische Kräfte und Aufklärungskapazitäten auf einen weiteren Konfliktraum verteilen, mit russischen Einheiten vor Ort, zwei miteinander konkurrierenden Dschihadistengruppen und einer Junta, deren eigene Truppen und russische Partner für massive Gewalt gegen Zivilisten verantwortlich gemacht werden.
Nach Daten von ACLED töteten Malis Streitkräfte und ihre russischen Verbündeten im vergangenen Jahr 925 Zivilisten. JNIM und der IS wurden demnach für 232 zivile Todesopfer verantwortlich gemacht. Die Zahlen lassen sich in dem schwer zugänglichen Konfliktgebiet nicht vollständig unabhängig überprüfen, zeigen aber die Risiken einer amerikanischen Zusammenarbeit mit der Junta.
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