Noch vor einer Woche stand ein neuer Militärschlag im Raum, jetzt gibt sich US-Präsident Donald Trump betont gelassen. In einem Telefoninterview mit dem Nachrichtenportal Axios verzichtete er am Sonntag auf jede neue Drohung und beschrieb seinen Kurs mit einem knappen Satz: „Wir halten es klein.“
Statt auf Bomben setzt Trump nun demnach auf die wirtschaftliche Notlage des Landes. Er zeigte dem Portal zufolge weder Wut noch Ungeduld darüber, dass Teheran eine Einigung über die Öffnung der Straße von Hormus blockiert.
Warum der Präsident den Iran vorerst gewähren lässt und was hinter dieser Strategie stecken könnte, lässt sich anhand seiner Aussagen und der Einschätzung von US-Vertretern nachzeichnen.
„Wir halten es klein“: Trumps Botschaft an Teheran
Die zentrale Aussage fiel in einem kurzen Telefonat mit Axios am Sonntag. Trump machte deutlich, dass er den Konflikt bewusst herunterfährt. „Wir halten es klein“, sagte Trump. „Wir verhandeln nur halb mit ihnen. Wir beobachten den Iran einfach mit seiner riesigen Inflation und der Tatsache, dass er kein Geld hat.“
Nach seiner Einschätzung befindet sich der Iran wirtschaftlich am Boden. Das Land habe kein Geld, um seine Truppen zu bezahlen, sagte Trump. Die US-Seeblockade habe die ohnehin tiefe Wirtschaftskrise des Regimes zusätzlich verschärft.
Zugleich verwies Trump auf die Lage der US-Verbraucher. Bei einem Ölpreis von etwas über 75 Dollar je Barrel spürten diese weniger vom Krieg, sagte Trump gegenüber Axios.
Vom Kriegsdrohen zum Abwarten
Die neue Gelassenheit steht in scharfem Kontrast zur Vorwoche. Nach Angaben von US-Vertretern stand Trump kurz davor, größere Kampfhandlungen gegen den Iran wieder verstärkt aufzunehmen. Erst in letzter Minute ließ er sich von einer Deeskalation überzeugen.
Ein US-Vertreter nannte laut Axios dafür folgendes Argument: Der Krieg selbst habe dem Regime geholfen. Solange gekämpft werde, könne Teheran die Folgen des Konflikts, die zerstörte Infrastruktur und die Wirtschaftskrise verdrängen.
Ohne Krieg jedoch stehe die Führung vor einer trostlosen Realität ohne echte Lösungen, so der US-Vertreter. Genau darauf zielt offenbar Trumps derzeitiger Ansatz: Druck durch wirtschaftliches Ausbluten statt durch militärische Gewalt.
Der Streit um die Straße von Hormus
Unterdessen geht das Ringen um die Straße von Hormus weiter. Ein Abkommen über den Schiffsverkehr wurde zwischen Iran, Oman und den USA ausgehandelt und steht seit Tagen auf der Kippe. Der Iran erhielte damit erstmals eine Teilkontrolle über den Verkehr durch die Meerenge – was das Land vor dem Krieg nicht hatte.
Vermittler aus Katar und Pakistan hatten mit einer Verkündung des Deals bereits am Mittwoch gerechnet. Seitdem sind die Aussichten laut Axios gesunken. Am Samstag legte Teheran stattdessen eine neue Liste mit Bedingungen vor – etwa ein dauerhaftes Kriegsende, die Aufhebung aller Sanktionen und volle Entschädigung für Kriegsschäden.
Trump zeigte sich davon unbeeindruckt. „Es wird sich klären. Es klärt sich immer. Es ist wie eine Schachpartie“, sagte er über das Hin und Her mit dem Iran.
Machtkampf in Teheran als Kalkül
Ein weiterer möglicher Grund für Trumps Abwarten sind die mutmaßlichen inneren Konflikte des Regimes. US-Vertreter berichten laut Axios von wachsenden Spannungen in der iranischen Führung.
Ein Lager um Präsident Massud Peseschkian fürchte den wirtschaftlichen Kollaps und dränge auf eine Einigung mit den USA. Ein anderes, angeführt vom Kommandeur der Revolutionsgarden, lehne jedes Zugeständnis ab.
Auch ein Diplomat eines der Vermittlerländer wertete die jüngste Forderungsliste als Ausdruck dieses Machtkampfs. Je länger Trump wartet, desto stärker könnte der wirtschaftliche Druck dieses Lager der Kompromissbereiten stärken.
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Öl fließt trotz Blockade
Bemerkenswert ist ein Detail, das ein US-Vertreter gegenüber Axios nannte: Trotz der Blockade fließe weiter Öl aus dem Golf. Rund acht Millionen Barrel verließen jede Nacht über die südliche Fahrrinne der Straße von Hormus – in Abstimmung mit dem US-Militär.
Die USA wollten diese Menge sogar noch erhöhen, solange kein Abkommen zustande komme, hieß es.
Vizepräsident JD Vance dämpfte auf Fox News dennoch die Erwartungen. Man sei „mitten im Spiel“ und setze diplomatische, wirtschaftliche und militärische Mittel ein, um das beste Ergebnis für die Amerikaner zu erzielen.
Was der Ölmarkt am Montag zeigte
Trumps Gelassenheit steht derweil auch im Kontrast zur Bewegung am Ölmarkt. Zu Wochenbeginn zog der Preis wieder an: Die Nordseesorte Brent stieg laut Reuters um 1,09 Prozent auf 84,46 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI legte um 0,78 Prozent auf 78,79 Dollar zu.
Grund war die anhaltende Unsicherheit über eine baldige Öffnung der Straße von Hormus. In der Vorwoche waren beide Sorten um mehr als sieben Prozent gefallen – aus Hoffnung auf einen raschen Deal zwischen Iran und Oman. Diese Hoffnung hat sich vorerst nicht erfüllt.
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