Gipfeltreffen

Der Westen an Chinas Leine: Warum Trumps Xi-Gipfel für Deutschland ein Desaster ist

Trumps Xi-Gipfel zeigt: China diktiert, die USA schwächeln. Für Deutschland bedeutet das ein Rekorddefizit und keinen Platz am Tisch. Teil unserer Serie „China verstehen“.

Alicia García-Herrero
Alicia García-Herrero
5 Min
Trump rollt den roten Teppich aus, Peking diktiert und Berlin darf zahlen.

Trump rollt den roten Teppich aus, Peking diktiert und Berlin darf zahlen.

© Joey Sussman/imago

Donald Trump hätte sich kaum eine ungünstigere Woche aussuchen können, um Xi Jinping zu empfangen. Als der chinesische Staatschef landete, erreichten die Renditen von US-Staatsanleihen Rekordhöhen, was die Finanzierung des hohen Haushaltsdefizits zusätzlich erschwert. Die erhöhte Inflation, ausgelöst durch einen Konflikt im Nahen Osten, den die USA offenbar nicht beenden können, treibt die Finanzierungskosten weiter nach oben. In China dagegen bleiben sie angesichts des Deflationsdrucks infolge allgegenwärtiger Überkapazitäten hartnäckig niedrig.

Trumps pompöser Empfang für Xi ist ein weiteres Zeichen für eine zunehmend unausgewogene Beziehung. Das zeigt sich an der Vielzahl von Ankündigungen, mit denen Finanzminister Scott Bessent vor dem Gipfel die Märkte zu beruhigen versuchte. Dazu gehört die Verlängerung des Waffenstillstands im Handelskonflikt zwischen China und den USA um zwei Monate, die Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden ebenso betrifft wie die von den USA geplanten Zollerhöhungen. Diese Verlängerung fällt allerdings deutlich kürzer aus als die einjährige, die beim vorangegangenen Gipfel im südkoreanischen Busan im vergangenen November vereinbart worden war. Auch das zeigt, wie fragil die Beziehung ist.

Wer jedoch erwartet hatte, dass ein fragiler Gipfel der beiden größten Weltmächte den Rest der Welt stärken würde, sieht sich getäuscht. Die globale Macht der USA schwindet, was sich an Chinas wachsendem Druckpotenzial bei diesen bilateralen Gipfeln ablesen lässt. Für die Verbündeten der USA, darunter Europa und auch Deutschland, ist das keineswegs eine gute Nachricht.

Europa sitzt am Katzentisch

Während Trump und Xi sich treffen, sitzen die Europäer bei der UN-Generalversammlung mit dem deutlichen Gefühl, dass die Welt zu einem G2-Spiel geworden ist. Schlimmer noch: Die „konstruktive strategische Stabilität“, auf die sich die beiden Großmächte im vergangenen November in Busan verständigt hatten, wird zunehmend instabil und brüchig.

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Der Grund: Die USA schießen sich selbst ins Knie. Sie verlieren die Kontrolle über genau jene Zölle, die sie einseitig verhängt haben, und haben sich in einen Krieg im Nahen Osten verstrickt, aus dem sie nicht herausfinden. Je stärker die Glaubwürdigkeit der USA sinkt, desto mehr Druckmittel kann China anhäufen, um strategische Zugeständnisse zu erzwingen.

Wichtig ist: Ein immer kürzerer Waffenstillstand ist keine Brücke zu einem Abkommen. Er ist eine Leine, und Peking hält sie an vielen Fronten in der Hand, auch bei den Seltenen Erden. Für uns Europäer kommt es darauf an, zu verstehen, dass Chinas straffere Leine gegenüber den USA auch eine straffere Leine für uns bedeutet, nicht etwa das Gegenteil. Denn unsere Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden und von vielen anderen Vorprodukten ist noch größer als die der USA.

Was das für Deutschland bedeutet, wird deutlicher, wenn man Takaichis gescheiterten Versuch betrachtet, Trump vor dem Gipfel mit Xi zu beeinflussen. Tokio hat alles getan, was Washington verlangt hat. Japan treibt die größte Aufrüstung seit dem Zweiten Weltkrieg voran, sagt Investitionen in den amerikanischen Schiffbau zu und nimmt chinesischen Druck in Kauf, nachdem Takaichi sich zu einem möglichen Taiwan-Konfliktfall geäußert hatte. Trump hat dafür keine Gegenleistung geboten, sondern Bloßstellung und Druck beim Kauf amerikanischer Staatsanleihen. Berlin ist einem ähnlichen Drehbuch gefolgt: Es hat die Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen und sich dem neuen Nato-Ausgabenziel verpflichtet. Eine Belohnung sollte es nicht erwarten.

Für Trump zählt nur China

Die Lehre ist unmissverständlich: Für Trump zählt nur China wirklich. Verbündete zählen nicht. Sie sind nützlich für Kaufzusagen und Verteidigungsbudgets, aber abwesend, wenn die Bedingungen der G2 festgelegt werden. Für Deutschland sind die Kosten bereits in den Zahlen sichtbar. China hat die USA 2025 wieder als größten Handelspartner Deutschlands überholt, doch die Beziehung wird zunehmend zur Einbahnstraße.

Das bilaterale Defizit erreichte einen Rekordwert von rund 90 Milliarden Euro; Deutschland importiert mehr als doppelt so viel aus China, wie es dorthin exportiert. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die deutschen Exporte nach China um mehr als zwölf Prozent auf unter 37 Milliarden Euro, während die Importe um fast neun Prozent zulegten. Das Halbjahresdefizit stieg damit auf rund 55 Milliarden Euro. Chinas Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar, dem der US-Markt teilweise verschlossen ist, fließt weiter nach Europa, wo deutsche Autos, Maschinen und Chemieprodukte am stärksten der chinesischen Konkurrenz ausgesetzt sind.

Und China ist nicht einmal bereit, das Problem anzuerkennen, wie seine Weigerung zeigt, die G20-Erklärung zu übermäßigen Außenhandelsüberschüssen zu unterzeichnen. Die Entlastung bei den Seltenen Erden, auf die deutsche Auto- und Maschinenbauer angewiesen sind, ist ein Nebenprodukt eines Waffenstillstands, den Deutschland nicht selbst ausgehandelt hat. Der Zeitplan dafür wird in Washington und Peking festgelegt, und er reicht nun nur noch bis Januar.

Die zentrale Lehre dieses Gipfels für Deutschland lautet: Es muss sich Einfluss auf China aus eigener Kraft erarbeiten, ohne sich auf die USA zu verlassen. Das heißt, den Reflex abzulegen, die Position seiner Autobauer in China auf Kosten der EU-Handelsschutzinstrumente abzuschirmen, wie Berlin es tat, als es gegen die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos stimmte. Stattdessen sollte es sein Gewicht für eine europäische Antwort auf Chinas Überschüsse einsetzen. Ein Deutschland, das weiter darauf wartet, dass Washington Peking Zugeständnisse abringt, wird feststellen, dass es in der G2 nicht einmal auf der Speisekarte steht.

Dieser Text ist Teil unserer Serie „China verstehen“. Hier lesen Sie unseren Auftakttext sowie hier ein Stück über die aufstrebende chinesische Provinz Changchun.

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