US-Präsident Donald Trump hat neue Zölle auf Medikamente angekündigt. Wie er in seinem Onlinedienst Truth Social schrieb, sollen importierte Generika – also Nachahmerprodukte bekannter Arzneimittel – ab dem 1. August zunächst zwei Jahre lang mit einem Zollsatz von null Prozent belegt bleiben.
Danach steige der Satz für ein Jahr auf 100 Prozent und anschließend auf 200 Prozent. Die Trump-Zölle auf Medikamente zielen nach Darstellung des Präsidenten darauf ab, die Produktion günstiger Arzneimittel in die USA zurückzuholen. Für Patienten in den USA und für Zulieferländer wie Indien steht viel auf dem Spiel.
Der gestaffelte Zeitplan solle Hersteller dazu bewegen, ihre Produktion in die USA zu verlagern. Die Eskalation bezeichnete Trump als Strafe für Firmen, die innerhalb der Frist keine Anlagen in den USA bauen. Zölle auf patentierte, markenrechtlich geschützte oder innovative Arzneimittel blieben unverändert.
Warum das für Verbraucher und Versorgung wichtig ist
Generika sind ein Massengeschäft. Nach Angaben der US-Arzneimittelbehörde FDA sind mehr als 90 Prozent der in den USA verkauften Medikamente Nachahmerprodukte. CNBC berichtet, dass nahezu alle Verschreibungen in den USA mit Generika bedient werden.
Fachleute halten eine Verlagerung der Produktion für schwierig. Deborah Elms von der Hinrich Foundation sagte laut CNBC, der Aufbau einer Pharmaproduktion in den USA sei komplex und teuer – und nahezu alle Vorprodukte kämen weiterhin aus dem Ausland.
Sie fügte hinzu, sie sei nicht sicher, ob selbst ein möglicher Zoll von 200 Prozent an dieser grundlegenden Rechnung etwas ändere.
Direkte Auswirkungen auf die Preise in Deutschland werden zunächst nicht erwartet. Fachleute schließen laut Reuters jedoch nicht aus, dass eine Verlagerung der Produktion in die USA oder Veränderungen globaler Lieferketten langfristig Lieferengpässe und bei einzelnen Generika auch höheren Preisdruck in Europa verursachen könnten
Was die Zölle für Indien bedeuten
Für Indien geht es hingegen um viel. Laut CNBC liefern indische Pharmaunternehmen fast die Hälfte aller in den USA verbrauchten Generika. Die USA machen demnach rund ein Drittel der indischen Pharmaexporte aus – überwiegend günstigere Versionen bekannter Medikamente.
Arpit Chaturvedi, Südasien-Berater bei Teneo, erklärte laut CNBC, die Ankündigung erhöhe das langfristige Risiko für indische Hersteller erheblich – trotz der zweijährigen Atempause. Eine vollständige Umsetzung wäre ein schwerer Schlag für Indiens Handelsbilanz.
Zugleich biete die Frist New Delhi ein wichtiges Verhandlungsfenster, so Chaturvedi. Da die Zölle erst 2028 greifen sollen – einem Wahljahr in den USA – hoffe New Delhi, dass die Regel nicht umgesetzt werde.
Einordnung in Trumps bisherige Pharma-Politik
Die Ankündigung reiht sich in Trumps bisherige Handels- und Preispolitik ein. Über seine „Most-Favored-Nation“-Politik drängt er Hersteller, US-Patienten keine höheren Preise für Medikamente zu berechnen als Patienten in anderen wohlhabenden Ländern.
Im April 2026 hatte Trump per Dekret einen Zoll von 100 Prozent auf patentierte Arzneimittel verhängt – es sei denn, Hersteller sagen inländische Produktion zu oder schließen Preisvereinbarungen. Generika, Biosimilars und zugehörige Wirkstoffe waren davon zunächst ausgenommen.
Mehr als ein Dutzend großer Hersteller, darunter Eli Lilly, Pfizer und Novo Nordisk, haben laut CNBC Vereinbarungen mit Trump geschlossen. Diese Abkommen befreien die Unternehmen für drei Jahre von Zöllen.
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