Italien

„Trumps Punchingball“: US-Präsident verspottet erneut Meloni

Kurz vor dem Nato-Gipfel nimmt Trump auf Truth Social erneut Italiens Ministerpräsidentin aufs Korn. Die Regierung will das nicht kommentieren, aus der Opposition kommt Kritik.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Donald Trump und Giorgia Meloni bei einem Treffen im Weißen Haus: Die Italienerin galt lange als enge europäische Partnerin des US-Präsidenten.

Donald Trump und Giorgia Meloni bei einem Treffen im Weißen Haus: Die Italienerin galt lange als enge europäische Partnerin des US-Präsidenten.

© Andrew Leyden/imago

Italiens Regierung hat entschieden, auf einen neuen persönlichen Angriff von US-Präsident Donald Trump gegen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nicht zu reagieren. Meloni und Außenminister Antonio Tajani berieten sich in der Nacht zu Montag und beschlossen, den Post zu ignorieren, wie die italienische Tageszeitung Corriere della Sera berichtete. Man wolle sich stattdessen auf die inhaltlichen Themen des am 7. und 8. Juli in Ankara beginnenden Nato-Gipfels konzentrieren.

Trump hatte am späten Sonntagabend auf seiner Plattform Truth Social ein Bild veröffentlicht, das Meloni zu ihm aufblickend zeigt, versehen mit der Zeile „Restraining order needed“ („Einstweilige Verfügung erforderlich“). Bei dem Gipfel in Ankara will Trump nach Angaben des Corriere della Sera von den Bündnispartnern höhere Militärausgaben einfordern. Zudem soll über die künftige Ausrichtung der Nato beraten werden.

Vorgeschichte reicht bis zum G7-Gipfel

Bereits im Juni hatte Trump in einem Interview mit dem italienischen Sender La7 behauptet, Meloni habe ihn am Rande eines G7-Treffens um ein gemeinsames Foto „angefleht". Meloni wies das damals in einem Video zurück: „Ich und Italien betteln nie.“

Trump legte danach auf Truth Social nach und warf Meloni vor, sie stehe „in der Beliebtheitsskala schlecht da“. Sie habe die USA im Iran-Krieg „zurückgewiesen“ und Washington nicht erlaubt, italienische Landebahnen zu nutzen – eine „große logistische Unannehmlichkeit“. Außenminister Tajani nannte Trumps Aussagen laut der Nachrichtenagentur Ansa eine Beleidigung „ganz Italiens“ und sagte einen für den 21. und 22. Juni geplanten USA-Besuch ab.

Regierung setzt auf Zurückhaltung

Verteidigungsminister Guido Crosetto sagte dem Sender Sky TG24, er habe auf Trumps aktuellen Post nicht reagiert. Entscheidend sei, die Beziehungen zu einem grundlegenden Verbündeten wie den USA aufrechtzuerhalten. „Menschen kommen und gehen, aber die Beziehungen bleiben“, sagte Crosetto laut Reuters.

Außenminister Tajani erklärte, die transatlantischen Beziehungen gingen weit über einzelne Äußerungen hinaus. Italien sei ein Freund der USA, die ein strategischer Partner seien. Auch der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini wollte sich laut Corriere nicht äußern: „Ich kommentiere diese Dinge nicht mehr.“

Deutliche Worte aus der Opposition

Aus der Opposition kam dagegen scharfe Kritik an Trump. Der Vorsitzende der Kleinpartei Azione, Carlo Calenda, schrieb auf der Plattform X: „Trump ist ein verabscheuungswürdiger, billiger Rüpel.“ Senatspräsident Ignazio La Russa sprach Meloni seine Solidarität aus und nannte den Angriff „unverständlich“. Der Fraktionsvorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung im Senat, Luca Pirondini, warf Meloni laut Il Fatto Quotidiano vor, sie habe zwei Jahre lang stets Ja zu Washington gesagt und sei nun vom „Fan Nummer eins zum Punchingball“ Trumps geworden.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Streit um US-Militäreinsätze aus Italien

Belastet ist das Verhältnis zwischen Rom und Washington seit Wochen. Ende Juni geriet die Regierung Meloni in Erklärungsnot, nachdem Nato-Generalsekretär Mark Rutte dem Sender Fox News gesagt hatte, von US-Basen in Italien seien 500 Flugzeuge zur Unterstützung der amerikanischen Operation „Epic Fury“ gegen den Iran gestartet.

Verteidigungsminister Crosetto hatte dies zurückgewiesen: Rom habe nur technische und logistische Einsätze ohne Waffeneinsatz genehmigt. Das italienische Verteidigungsministerium nannte Ruttes Darstellung „völlig irreführend“. Meloni hatte dem Parlament zuvor versichert, Italien habe die Militäroperation gegen den Iran „weder unterstützt noch sich daran beteiligt“. In Italien befinden sich rund 120 US-Militäreinrichtungen, darunter die Luftwaffenbasis Aviano und der Stützpunkt Sigonella auf Sizilien.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner