Atomkraft

Trauma Tschernobyl: Die Strahlen sind im Kopf gefährlicher als in der Sperrzone

40 Jahre nach dem Reaktorunglück sitzt die Angst tiefer als die Fakten. Die Panikmache nach dem GAU hat das Land ganz ohne Atomkraft verstrahlt.

14 Min
Vor dem Sarkophag: Ein Mahnmal erinnert an die Opfer der Katastrophe sowie an die Leistung der Liquidatoren.

Vor dem Sarkophag: Ein Mahnmal erinnert an die Opfer der Katastrophe sowie an die Leistung der Liquidatoren.

© Okla Michal/imago

Die drei Männer stehen bis zur Hüfte im radioaktiv verseuchten Wasser. Um sie herum Dunkelheit, über ihnen der havarierte Block 4, unter ihnen das Rauschen einer Pumpe, die sie nicht sehen können. Der Schieber sitzt fest. Einer greift zu – sein Helmlicht erlischt. Schneller und schneller ticken ihre Dosimeter wie nervöse Herzen. Nur wenige Meter über ihren Köpfen, getrennt durch einen Betonboden, glüht eine Kernschmelze aus Brennstoff, Stahl und Grafit bei knapp 2000 Grad. Trifft sie auf das Wasser, in dem die drei stehen, verdampft es schlagartig und reißt den Reaktorbau auseinander.

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