Seit Jahren geht der Treuhänderische Entwicklungsträger (TET) der Wasserstadt Oberhavel davon aus, daß die Fluglärmzone auf dem Ostufer der Havel geändert wird. Jetzt gibt es aus dem Umweltbundesamt andere Signale. Ist nun das gesamte Wohnungsbauprojekt in Gefahr?Haselhorst am Ostufer der Havel liegt in einem Bereich, der von startenden und landenden Maschinen besonders häufig überflogen wird. Zur Zeit erstreckt sich deswegen die Luftlärmschutzzone 2 bis über den Fluß. Innerhalb dieser Zone dürfen keine Schulen und Kindertagesstätten ohne erheblichen Schutzaufwand gebaut werden. TET-Geschäftsführer Jürgen Nottmeyer argumentierte gegenüber den Bezirksverordneten und der Öffentlichkeit bislang damit, daß die Luftlärmschutzzone sich verschiebe. Kein Ändern der Zonen In seiner Planung arbeitete er immer mit einer Studie der Technischen Universität: "Wir haben die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz erhalten. Darin hieß es immer, daß die Zonen sich ändern, weil die Routen sich ändern", so Nottmeyer.Heinz-Dieter Marohn vom Umweltbundesamt, das gemeinsam mit dem Verkehrsministerium und den Ämtern für Flug- und für Reaktorsicherheit die Zonen zuschneidet, wundert sich: "Die Zahlen hat uns die zuständige Berliner Flughafengesellschaft erst Ende 1994 zukommen lassen. Aus ihnen erstellen wir eine Prognose der Flugbewegungen bis zum Jahr 2002 und entwerfen daraus die verschiedenen Zonen." Marohn hält es für unwahrscheinlich, daß die Schutzzone 2, wie es in dem TU-Gutachten heißt, deutlich anders aussehen wird, als bisher: "Es muß eine Veränderung von vier Dezibel A - dB(A) - an Lärm geben. Das ist eine Veränderung um 100 Prozent." Das heißt, die Zonen werden nur neu zugeschnitten, wenn es an bestimmten Meßstellen entweder doppelt oder halb so laut ist, wie zum vorherigen Forschungszeitpunkt."Die modernen Flugzeuge sind zwar erheblich leiser, als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig hat aber der Flugverkehr auch erheblich zugenommen. Nach meiner Schätzung heben sich beide Faktoren fast auf. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß es zu einer Abweichung von vier dB(A) kommt", so Marohn. Neubau "zu riskant" Sich bei Neubauten auf eine vermeintliche Veränderung zu verlassen, hält er für "zu riskant." "Das kann schnell ausgehebelt werden", so Marohn."Mir wurde bisher immer zugesagt, daß sich die Zonen verändern. Außerdem hat der Senat beschlossen, daß wir bei der Wasserstadt Oberhavel von verkleinerten Schutzzonen ausgehen sollen. Wenn das jetzt nicht mehr der Fall sein sollte, müssen wir neu nachdenken und verhandeln", so Nottmeyer. Verschiebung ohne Effekt Thomas Scheunemann (SPD), Vorsitzender der Wasserstadtausschusses der BVV, wohnt in Haselhorst: "Die Veränderung der Linienführung hat für Spandau keine Bedeutung. Die Piloten schwenken erst zwei Kilometer von Tegel entfernt auf andere, neue Routen ab." Über Haselhorst fliegen sie trotzdem. +++
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