Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat vorgeschlagen, Russland an der Organisation der Turkstaaten (OTS) zu beteiligen. Moskau solle entweder in das Kooperationsformat OTS+ aufgenommen werden oder Beobachterstatus in der Organisation erhalten. Das sagte Tokajew am Freitag auf dem 13. Gipfeltreffen der Turkstaaten in der türkischen Hauptstadt Ankara, wie aus seiner vom kasachischen Präsidialamt veröffentlichten Rede hervorgeht.
Tokajew begründete den Vorstoß mit den historischen Verbindungen Russlands zu den turksprachigen Völkern. Auf russischem Staatsgebiet lebten seit Jahrhunderten Angehörige zahlreicher dieser Völker. Eine Beteiligung Moskaus könne nach seiner Darstellung die Zusammenarbeit innerhalb der Organisation stärken. Eine Entscheidung über den Vorschlag wurde zunächst nicht bekannt.
Der 2009 gegründeten Organisation der Turkstaaten gehören die Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan an. Beobachterstatus haben Ungarn, Turkmenistan und die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Nach Angaben der Organisation mit Sitz in Istanbul soll die politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit gestärkt werden.
Tokajew lehnt ein Militärbündnis ab
Zugleich bekräftigte der kasachische Präsident, dass die Organisation der Turkstaaten kein Militärbündnis sei und auch künftig keines werden dürfe. Damit wiederholte er eine Position, die Kasachstan bereits bei einem Treffen im Mai vertreten hatte.
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Kasachstan zwischen USA, China und Russland: Grenzen einer flexiblen Außenpolitik
Kasachstan ist politisch und wirtschaftlich eng mit Russland verbunden, verfolgt gegenüber Moskau aber einen eigenständigen Kurs. Beide Staaten gehören der Eurasischen Wirtschaftsunion an, Russland zählt zu den wichtigsten Handelspartnern Kasachstans.
Der zentralasiatische Binnenstaat liegt zwischen Russland, China und dem Kaspischen Meer. Mit rund 20,6 Millionen Einwohnern ist er flächenmäßig das neuntgrößte Land der Erde. Seit seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 ist Kasachstan eine Präsidialrepublik. Tokajew steht seit 2019 an ihrer Spitze.
Handel und Transportwege über das Kaspische Meer
Tokajew sprach sich außerdem für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit der Turkstaaten aus. Der Handel Kasachstans mit den Mitgliedstaaten der Organisation habe in diesem Jahr einen Umfang von nahezu zehn Milliarden US-Dollar erreicht, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Er forderte, die gemeinsame Strategie für die Jahre 2027–2031 zügig zu verabschieden und stärker auf konkrete Projekte auszurichten.
Die kasachische Wirtschaft stützt sich stark auf die Förderung und den Export von Rohstoffen. Das Land verfügt über große Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Uran, Kupfer und Chrom.
Eine besondere Rolle misst Kasachstan der sogenannten Mittleren Route bei. Diese Transportverbindung führt über das Kaspische Meer und verbindet Zentralasien mit westlich gelegenen Märkten. Nach Tokajews Angaben stieg das Frachtaufkommen auf der Route in den ersten neun Monaten des Jahres um 30 Prozent, der Transitverkehr sogar um 90 Prozent.
Kasachstan wolle seine Verkehrsinfrastruktur und die Häfen entlang der Verbindung weiter ausbauen. Tokajew warb zudem für eine engere Zusammenarbeit bei digitalen Technologien und Cybersicherheit.
Innerhalb der Organisation plädierte der Präsident für klarere Zuständigkeiten. Ihre Arbeit umfasse inzwischen rund 60 Bereiche, teilweise überschnitten sich die Aufgaben. Er erneuerte deshalb seinen Vorschlag, einen Rat ständiger Vertreter einzurichten.
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