Sensationsfund

„Außenhülle intakt“: Nazi-U-Boot mit 45 Toten in der Ostsee entdeckt

Sonarbilder zeigen das von Fischernetzen bedeckte Wrack in rund 70 Metern Tiefe. Vor Griechenland identifizierten Taucher zudem ein seltenes deutsches Schnellboot.

5 Min
Eine bathymetrische Aufnahme zeigt das Wrack von U‑583 östlich von Bornholm auf dem Grund der Ostsee.

Eine bathymetrische Aufnahme zeigt das Wrack von U‑583 östlich von Bornholm auf dem Grund der Ostsee.

© Kriegsgräberfürsorge/dpa

Am 15. November 1941 kollidierte das deutsche U-Boot U‑583 während einer Ausbildungsfahrt in der Ostsee mit einem anderen U-Boot. Das schwer beschädigte Boot sank, alle 45 Männer an Bord kamen ums Leben. Wo genau das Wrack lag, blieb fast 85 Jahre lang unbekannt.

Nun hat ein polnisch geführtes Forscherteam U‑583 auf dem Meeresboden lokalisiert. Eine zweite Entdeckung gelang Tauchern im Ionischen Meer: Vor der griechischen Küste identifizierten sie das weitgehend erhaltene Schnellboot LS 6. Nach den bisher ausgewerteten historischen Unterlagen könnte es das weltweit letzte erhaltene Exemplar seiner Klasse sein.

Sonartechnik führt Forscher zu U‑583

Das Wrack von U‑583 wurde am 15. Juli etwa 50 Seemeilen, rund 93 Kilometer, nördlich der polnischen Hafenstadt Ustka gefunden. Es liegt in ungefähr 70 Metern Tiefe. Das teilten der Verein Stowarzyszenie Wyprawy Wrakowe und das beteiligte Vermessungsunternehmen Geoings Polska mit.

Die Forscher hatten historische Dokumente ausgewertet und mehrere Expeditionen unternommen. Die darin überlieferte Position des U-Bootes erwies sich offenbar als ungenau. Mithilfe eines Mehrstrahlsonars und weiterer Messgeräte gelang es dem Team schließlich, das Wrack aufzuspüren.

„Erste Scans zeigen, dass die Außenhülle weitgehend intakt ist“, erklärte Expeditionsleiter Peter Wytykowski in einer Mitteilung der Shipwreck Expeditions Association. Teile des Bootes seien allerdings von Fischernetzen bedeckt. Auch das an der Suche beteiligte Unternehmen Geoings Polska bestätigte den Fund und veröffentlichte Sonarbilder.

Die von der Kriegsgräberfürsorge zur Verfügung gestellte Unterwasseraufnahme zeigt Teile des gesunkenen U-Boots U-583 östlich der Insel Bornholm in der Wirtschaftszone Polens.

Die von der Kriegsgräberfürsorge zur Verfügung gestellte Unterwasseraufnahme zeigt Teile des gesunkenen U-Boots U-583 östlich der Insel Bornholm in der Wirtschaftszone Polens.

© Kriegsgräberfürsorge/dpa

U‑583 erreichte nie einen Kriegseinsatz

U‑583 war bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut und am 14. August 1941 in Dienst gestellt worden. Das U-Boot gehörte zur 5. U-Boot-Flottille und wurde für die Ausbildung eingesetzt. Einen Kriegseinsatz absolvierte es nicht.

Bereits drei Monate nach der Indienststellung kollidierte U‑583 mit dem deutschen U-Boot U‑153. Der Kommandant Heinrich Ratsch und die 44 weiteren Männer an Bord starben.

Weil die gesamte Besatzung mit dem Boot unterging, bezeichnen die Entdecker das Wrack als Seekriegsgrab. Der Verein und Geoings Polska kündigten an, mit den zuständigen Seebehörden zusammenzuarbeiten, um die Fundstelle zu schützen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Jumo-Motoren führen zu seltenem Schnellboot LS 6

Vor der Küste Westgriechenlands konnten Taucher das zweite Wrack aus unmittelbarer Nähe untersuchen. Marinos Giourgas und Vasilis Spyropoulos vom Team AegeanTec stiegen mit Kreislauftauchgeräten bis auf 96 Meter Tiefe hinab. Dort fanden sie LS 6 aufrecht auf dem sandigen Meeresboden, den Bug nach Nordwesten gerichtet.

Die Suche hatte bereits 2013 mit einem Hinweis aus deutschen Militärarchiven begonnen. Der Historiker George Karelas wertete Dokumente und historische Karten aus. Am 1. August 2026 konnte das Team das Wrack nach eigenen Angaben eindeutig als LS 6 identifizieren.

Durch eine offene Luke filmten die Taucher die charakteristischen Junkers-Motoren im Maschinenraum. Auch die nur 12,5 Meter lange Aluminiumhülle, eine Vorrichtung zum Abwurf von Wasserbomben und das noch immer am Bug liegende Schleppseil stützten die Identifizierung. Das geht aus den Berichten des Expeditionsteams und des Griechischen Instituts für Marinegeschichte hervor.

LS 6 war für die Jagd auf U-Boote ausgerüstet worden. Weil das dafür benötigte Ortungsschiff ins Schwarze Meer verlegt wurde, kam das Konzept nach Darstellung der Forscher jedoch nie zum Einsatz. LS 6 diente stattdessen vor allem als schnelles Transport- und Verbindungsboot.

Am 24. September 1943 wurde das Boot bei einem Luftangriff nahe Igoumenitsa schwer beschädigt. Nach der wahrscheinlichsten Rekonstruktion der Forscher griffen sechs italienische Jagdbomber an. Beim anschließenden Schleppversuch nach Piräus weiteten sich Risse in der Aluminiumhülle. Am 29. September sank LS 6 vor Preveza.

U‑649 wurde bereits 2020 gefunden

Christian Lübcke, Beauftragter für Seekriegsgräberangelegenheiten beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, sagte Bild, ihm seien in der vergangenen Woche die Funde von U‑583 und U‑649 gemeldet worden. Beide Wracks seien Seekriegsgräber.

Bei U‑649 handelt es sich allerdings nicht um eine aktuelle Entdeckung. Polnische Taucher fanden das Wrack bereits am 2. August 2020 nördlich von Łeba in etwa 72 Metern Tiefe. Das Fachportal Divers24 berichtete noch im selben Monat darüber.

Anhand charakteristischer Öffnungen an der Steuerbordseite und der Form des Bugs identifizierte das damalige Team das stark beschädigte Wrack mit hoher Wahrscheinlichkeit als U‑649. Das Ausbildungsboot war am 24. Februar 1943 mit U‑232 kollidiert. Von den 46 Männern an Bord überlebten elf, 35 kamen ums Leben.

Warum der Volksbund offenbar erst jetzt über diesen Fund informiert wurde, ist nicht bekannt. Lübcke warnte gegenüber Bild vor „massiven Plünderungen deutscher Seekriegsgräber weltweit und auch in der Ostsee“. Der Volksbund wolle die beiden U-Boot-Wracks und die dort ruhenden Toten unberührt lassen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner