Bei den unter 16-Jährigen sieht die politische Welt anders aus – das zeigen die nun veröffentlichten Wahlergebnisse der U16-Wahl, die vom 7. bis zum 11. September stattgefunden hat. Zwar ohne direkten politischen Einfluss, gibt diese Simulation doch wichtige Einblicke in Sorgen und Denken der künftigen Wählerschaft.
Klare Gewinnerin ist die Linke mit 32,8 Prozent, die mit den Grünen (20,9 Prozent) eine absolute Mehrheit im fiktiven U16-Parlament hätte. Auffällig ist, dass die Tierschutzpartei, die in den tatsächlichen Wahlen stets unter „Sonstige“ geführt wird, bei Kindern und Jugendlichen mit 7,7 Prozent fünftstärkste Kraft ist – noch vor der AfD (5,8 Prozent).
Endergebnis der U16-Wahl (AGH) im September 2026.
© Landeskompetenzzentrum für Beteiligung & Demokratiebildung in der Kinder- & Jugendhilfe
Eigentlich eine U18-Wahl
Ausgerichtet wird das Format vom Landeskompetenzzentrum für Beteiligung und Demokratiebildung. Es soll jungen Menschen, die normalerweise politisch noch keine Stimme haben, Partizipation ermöglichen und sie gleichzeitig an die offiziellen Wahlabläufe heranführen.
Da bei der diesjährigen Abgeordnetenhauswahl erstmals 16- und 17-Jährige wählen dürfen, wurde die eigentliche U18-Wahl somit zu einer U16-Wahl. Rund 40.000 Kinder und Jugendliche gaben in rund 300 Berliner Wahllokalen ihre Stimme ab. Anders als bei der offiziellen AGH-Wahl spielte die Staatsangehörigkeit keine Rolle.
Rechts oder Links, das wird für sie die Frage: Wie Jugendliche in MV wählen
Deutliche Unterschiede zwischen den Bezirken
Die höchste Wahlbeteiligung verzeichnet mit knapp über 6000 Stimmen Friedrichshain-Kreuzberg, das Schlusslicht mit nur rund 1500 Stimmen bildet Treptow-Köpenick. Auffällig ist auch der Bezirk Neukölln, der zwar mit rund 2700 Stimmen eher mittelmäßige Wahlbeteiligung verzeichnete, jedoch als einziger Bezirk einer Partei die absolute Mehrheit verschafft: Hier kommt die Linke auf 53,1 Prozent.
Die AfD, die bei der eigentlichen AGH-Wahl laut derzeitigen Umfragen mit 18 Prozent rechnen kann, scheitert in der Hälfte der Bezirke an der Fünf-Prozent-Hürde. Einzig in Marzahn-Hellersdorf wird sie mit 14,3 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der Linken. Einzelne Tendenzen der Erwachsenenwahl scheinen sich also weiterzuvererben: In Marzahn-Hellersdorf fuhr die AfD 2023 ihr berlinweit bestes Ergebnis ein, Friedrichshain-Kreuzberg gilt seit Jahrzehnten als links-grün dominiert.
Und doch ist das U16-Ergebnis keine Blaupause für die AGH-Wahl am kommenden Sonntag. Sie kann vielmehr als Stimmungsbarometer dienen, welche Themen jungen Menschen wichtig sind. Auch, wenn sie erst in mehreren Jahren mitbestimmen dürfen, ihre Meinungsbildung ist in vollem Gang.
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