Essay

Der Krieg und die Russen: Vielleicht ist das „Ossi-Denken“, gewachsen aus Lebensgeschichte

Unser Autor ist im Krieg aufgewachsen, in der DDR. Er schreibt über sein sich wandelndes Verhältnis zu den Russen und endet mit einem Appell.

Siegfried Wein
Siegfried Wein
15 Min
Die Kindheit unseres Autors war Kriegszeit.

Die Kindheit unseres Autors war Kriegszeit.

© Maria Jesus Contreras für Berliner Zeitung am Wochenende

Als ich zwei Jahre alt war, begann der Krieg. Meine Kindheit war eine Kriegszeit, meine Jugend bestimmte die Nachkriegszeit. Der Frieden lag in einer Vergangenheit, die ich nie kennengelernt hatte. Ein Leben ohne Krieg konnte ich mir nicht vorstellen. Der Krieg war alltäglich, der Frieden unbegreiflich. Friedensware war eine Kostbarkeit verflossener Jahre. Es gab nun Lebensmittelkarten, von denen meine Oma, ging sie „kondietern“, sorgfältig winzige Abschnitte trennte und sie gleichermaßen sorgfältig der Verkäuferin übergab. Fiel ihr einer der winzigen Abschnitte herunter, mahnte sie, wenn ich ihn aufhob: „Jungchen, bitte, sei vorsichtig, zerdrücke ihn nicht.“

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