Über die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis

Guten Morgen, ihr Schönen!

Anke Westphal
3 Min

Am Rand soll man nicht sitzen. "Das sieht komisch aus, wenn zwischendurch ein Platz frei ist", sagt die Aufnahmeleiterin vom ZDF. Sehr beschäftigt aussehende Menschen mit Headsets und Kameras wuseln durch das Kino Babylon in Mitte. "Gäste aus Saarbrücken, Dortmund und Berlin" füllen die Reihen, etliche im Fernsehshow-belebenden Jugendalter. Auf ein Zeichen hin klatschen sie. Im Babylon findet am Freitag Morgen der wohl früheste Festakt der deutschen Filmgeschichte statt: Senta Berger, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, und Kulturstaatsminister Bernd Neumann verkünden die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis 2007 schon um 8 Uhr dreißig, weil es live im Frühstücksfernsehen übertragen wird.Das mit Neumann, Berger und dem Frühstücksfernsehen ist nicht neu; das mit dem symbolisch gewählten Ort - es ist eben kein Multiplex- sondern ein traditionsreiches Programmkino - schon. Und neu ist auch, dass im Anschluss an die Bekanntgabe der Nominierten Fragen an die Vertreter der Filmakademie gestellt werden dürfen. Das war nicht immer so, was für Kritik sorgte, denn immerhin ist der Deutsche Filmpreis steuerfinanziert und mit rund drei Millionen Euro zudem der höchstdotierte nationale Kulturpreis. Die Preisträger werden seit 2005 in einem Stufenverfahren von den inzwischen rund 1000 Mitgliedern der Filmakademie gewählt; das Geld kommt aus dem Hause Neumann, und dienen soll es der deutschen Filmförderung. Schon die Nominierungen für den deutschen Filmpreis sind mit einer Prämie von insgesamt 1,95 Millionen Euro verbunden. Das alles ist mehr als Grund genug, Fragen zu stellen.Geduldig, charmant und klug antwortet Senta Berger. Sie ist zum Niederknien. Natürlich weiß die Akademie, was sie an der Frau hat. Eine Lola für die beste Öffentlichkeitsarbeit - die hätte Berger mindestens verdient. Von Filmpreisgeld mag sie nicht reden, es handele sich vielmehr um die Auszeichnung für eine Arbeit. Bernd Neumann wehrt sich dagegen, nur als Geldgeber dabei zu sein: "Ich bin auch Filmliebhaber!" Die Filmakademie lernt, sich mehr zu öffnen; das ist erfreulich. Und sie muss und wird noch mehr lernen. Warum zum Beispiel gibt es für den Besten Spielfilm gleich drei Auszeichnungen: Gold, Silber und Bronze? Das entwertet diese Kategorie nur; man ist ja nicht bei einem Sportwettkampf.Und warum gibt es sechs Nominierungen in der Kategorie Spielfilm, aber immer noch nur zwei für den Dokumentarfilm, der sich längst das Publikum zurückerobert hat? Der 79-jährige Produzent Günter Rohrbach ("Das Boot"), gegenwärtig berühmt wegen seiner Angriffe auf die Filmkritik und unabhängige Kinokunst, stimmt einmal mehr das Lob des Kassenhits an. Es gibt eben immer was tun.------------------------------Die wichtigsten NominierungenBester Spielfilm (Nominierungsprämie je 250 000 Euro): "Kirschblüten" von Doris Dörrie, "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin, "Die Welle" von Dennis Gansel, "Yella" von Christian Petzold, "Am Ende kommen Touristen" von Robert Thalheim, "Shoppen" von Ralf WesthoffBester Kinder- und Jugendfilm (je 125 000 Euro): "Leroy" von Armin Völckers, "Max Minsky und ich" von Anna JusticeBester Dokumentarfim (je 100 000 Euro): "Am Limit" von Pepe Danquart, "Prinzessinnenbad" von Bettina BlümnerBeste weibliche Hauptrolle: Nina Hoss ("Yella"), Carice van Houten ("Black Book"), Valerie Koch ("Die Anruferin"), Victoria Trauttmansdorff ("Gegenüber")Beste männliche Hauptrolle: Elmar Wepper ("Kirschblüten"), Matthias Brandt ("Gegenüber"), Ulrich Noethen ("Ein fliehendes Pferd")Beste weibliche Nebenrolle: Hannelore Elsner ("Kirschblüten"), Hanna Schygulla ("Auf der anderen Seite"), Christine Schorn ("Frei nach Plan")Beste männliche Nebenrolle: Herbert Knaup ("Du bist nicht allein"), Frederick Lau ("Die Welle"), Justus von Dohnßnyi ("Bis zum Ellenbogen")Beste Regie: Doris Dörrie ("Kirschblüten"), Fatih Akin ("Auf der anderen Seite"), Christian Petzold ("Yella")Bestes Drehbuch: Doris Dörrie ("Kirschblüten"), Fatih Akin ("Auf der anderen Seite"), Ralf Westhoff ("Shoppen")Weitere Nominierungen in den Kategorien Kostümbild, Kamera, Schnitt, Szenenbild, Musik und Tongestaltung unter www.deutsche-filmakademie.de

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