BERLIN, 12. September. Der kanadische Verkehrstechnik-Konzern Bombardier erwartet für die geplante Übernahme des deutschen Schienentechnik-Unternehmens Adtranz "keine größeren Auflagen" der EU-Wettbewerbshüter. "Wir glauben, dass die geplante Transaktion in Bezug auf den europäischen Markt positiv gesehen wird", sagte der Chef der Bahntechnik-Sparte Bombardier Transportation, Jean-Yves Leblanc, am Dienstag auf der Schienenfahrzeugmesse InnoTrans. Die formelle Anmeldung der Fusion in Brüssel werde Ende September erfolgen. Bestenfalls könne die Übernahme in vier bis sechs Wochen vollzogen werden. Es sei aber auch ein Prüfzeitraum der EU von bis zu vier Monaten möglich. Bis dahin würden beide Unternehmen unabhängig voneinander auf dem Markt agieren.Starkes VerkehrswachstumBombardier und DaimlerChrysler hatten vor fünf Wochen vereinbart, dass der kanadische Konzern Adtranz für rund 1,6 Milliarden Mark (820 Millionen Euro) übernimmt. An der Sparte Signaltechnik, die Adtranz verkaufen wollte, werde nun voraussichtlich festgehalten, da der zu erzielende Preis zu gering sei.Mit der Akquisition von Adtranz entsteht der größte Bahntechnik-Konzern der Welt. Gemeinsam werde das Unternehmen 38 000 Mitarbeiter in 42 Betriebsstätten und 23 Ländern beschäftigen. Der Umsatz werde sich auf 8,4 Milliarden Kanadische Dollar (6,6 Milliarden Euro) belaufen - das entspreche etwa 40 Prozent des Geschäftsumsatzes des gesamten Bombardier-Konzerns, zu dem noch die Sparten Flugzeuge und Freizeitfahrzeuge gehören. Für Adtranz, das in den letzten Jahren jeweils dreistellige Millionenverluste eingefahren hat, geht Leblanc davon aus, dass im laufenden Geschäftsjahr im operativen Geschäft die Gewinnzone erreicht wird. 2001 sollen wieder Gewinne erzielt werden. Bombardier Transportation, das mit seinen 16 000 Mitarbeitern Produktionsstätten in den USA, Kanada, Mexiko und in sieben europäischen Ländern betreibt, setzte im letzten Jahr umgerechnet 2,7 Milliarden Euro (5,3 Milliarden Mark) um. Der Gewinn vor Rückstellungen und Steuern lag bei 136 Millionen Euro. "Mit der Fusion schaffen wir ein Unternehmen, das über die gesamte Produktpalette hinweg wettbewerbsfähig sein wird", sagte Leblanc. Der Konzern wolle auf "das Beste aus beiden Unternehmen bauen". Ob dadurch auch Standorte und Arbeitsplätze gefährdet sind, wollte Leblanc nicht sagen. Vorerst müssten beide ihre begonnenen Kostensenkungsprogramme weiterführen. Danach will Bombardier in Deutschland in diesem Jahr mehr als 1 000 Stellen abbauen. Adtranz hatte Ende 1999 das Programm Leap (Sprung) aufgelegt. Die Ziele: Abbau von 3 000 Stellen bis Ende 2002 und eine jährliche Kostensenkung von 300 Millionen Euro. Auch wenn sich der Markt derzeit nur langsam entwickle, rechnet Leblanc in den kommenden Jahren mit substanziellen Investitionen im Verkehrsbereich. "Tatsächlich gehen wir in den nächsten fünf Jahren von einem Wachstum zwischen 20 und 25 Prozent im öffentlichen Verkehr aus", sagte Leblanc.Innovationen auf der InnoTrans // Bombardier zeigt einen Doppelstock-Steuerwagen, der in Niedersachsen, Bremen und Berlin-Brandenburg fahren soll. Alstom entwickelt für die Bahn AG den Lirex, einen sechsteiliger Gliederzug mit dieselelektrischem Antrieb.Siemens Verkehrstechnik stellt gemeinsam mit Bombardier einen neuen dieselgetriebenen Zug aus der ICE-Reihe vor.AP/JAN BAUER Der Lirex von Alstom ist ein neuer Nahverkehrszug mit einem modernen Design.
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