Gewaltverbrechen

Mord an Fabian aus Güstrow: Überraschende Wendung im Prozess

Der Achtjährige war mit sechs Messerstichen getötet worden. Die Ergebnisse der Befragung von Fabians Vater haben nun viele sicher so nicht erwartet.

4 Min
Der Tod des achtjährigen Fabian hat ganz Güstrow aufgewühlt.

Der Tod des achtjährigen Fabian hat ganz Güstrow aufgewühlt.

© Bernd Wüstneck

Der Fall des achtjährigen Fabian hielt im Oktober 2025 ganz Güstrow in Atem. Erst wurde der Junge als vermisst gemeldet und mit einem Großaufgebot der Polizei gesucht. Dann kam am 14. Oktober die traurige Gewissheit: der Grundschüler ist tot und wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Seine Leiche wurde an einem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl gefunden, 15 Kilometer weit von seinem Zuhause in der Kreisstadt entfernt. Daraufhin meldete die Ex-Freundin von Fabians Vater den Fund der Leiche. Sie habe den toten Jungen zufällig beim Spazierengehen entdeckt, erklärte Gina H. damals der Polizei. Der Fundort liegt zwölf Kilometer von ihrem Wohnort entfernt.

Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass Fabian mit sechs Messerstichen getötet und dann angezündet wurde - offenbar um Spuren zu verwischen. Der Fall erregte deutschlandweit Aufsehen. Anfang November wurde Gina H. wegen dringenden Mordverdachtes an Fabian verhaftet. Seitdem sitzt sie in der JVA Bützow in Untersuchungshaft.

Fabians Vater glaubt an die Unschuld von Gina H.

Am 28. April hatte nun der Prozess gegen die 30-Jährige begonnen und wühlt die Menschen in Güstrow und Umgebung erneut auf. In dieser Woche wurde die Verhandlung fortgesetzt. Am dritten Prozesstag wurde Fabians Vater befragt. Er lebt von der Mutter des Jungen seit etwa sechs Jahren getrennt und hatte mehrere Jahre eine Beziehung zu der Angeklagten. Den Ermittlungen der Polizei im Vorfeld des Prozesses  zufolge soll sich der Mann jedoch von der Frau im August 2025 getrennt haben, es gab viel Streit. Allerdings sollen die beiden Anfang Oktober noch einmal zwei Tage miteinander verbracht haben.

Was die Befragung von Fabians Vater vor dem Landgericht Rostock am 5. Mai ergab, dürfte für viele, die den Fall verfolgen, schwer zu verarbeiten sein. Denn wie sich herausstellte, führt er seit Januar 2026 wieder eine Beziehung mit der Frau, die verdächtigt wird, seinen Sohn ermordet zu haben. Er glaube an ihre Unschuld, sagte er vor Gericht. Anderslautende Aussagen kurz nach der Tat schob er auf seinen Alkoholkonsum und Missverständnisse.

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Oberstaatsanwalt: „Wir haben das nicht zu bewerten“

„Wenn man ein paar Jahre Strafrecht macht, erlebt man so einiges. Wir haben das nicht zu bewerten“, sagt Oberstaatsanwalt Harald Nowack dazu. „Wir haben es ja hier mit einigen psychischen Auffälligkeiten zu tun.“ Viele Dinge seien nicht logisch. „Die Tatsache, dass Fabians Vater erneut eine Beziehung mit der Mordverdächtigen führt, ändert aber nichts an den Beweisergebnissen.“

Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass Fabian mit sechs Messerstichen getötet und dann angezündet wurde.

Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass Fabian mit sechs Messerstichen getötet und dann angezündet wurde.

© Philip Dulian

Nach  Bildern von Überwachungskameras sowie Protokollen von Chatverläufen und Aktivitäten auf den Handys der Beteiligten zu urteilen, soll Gina H. Fabian, der an diesem Tag wegen Unwohlseins zu Hause geblieben war, bereits am 10. Oktober vormittags aus seiner Wohnung gelockt, mit ihm zu dem Tümpel gefahren und ihn dort ermordet haben. Belastend für die Angeklagte, die bisher jede Aussage verweigert, sind Nachweise der Polizei.  Demnach suchte sie bereits bevor sie von Fabians Vater erfuhr, dass sein Sohn vermisst wird, im Internet nach einem Einsatz wegen einer vermissten Person und auch, ob Wildschweine tote Menschen fressen.

War Wiederaufnahme der Beziehung das Mordmotiv?

Als Mordmotiv nannte die Staatsanwaltschaft in der Anklage, dass Gina H. wieder eine Beziehung zum Vater herstellen wollte, dieser stand Fabian anscheinend im Weg. Auf die Frage der OAZ, ob es die Pause in der Beziehung überhaupt wirklich gegeben habe, antwortet Harald Nowack: „Das ist relativ gut beweisbar durch Protokolle der Chatverläufe auf den Handys.“ Auch das Alibi des Vaters habe den Überprüfungen der Ermittler standgehalten.

Offen bleibt die Frage, wie Gina H. davon erfuhr, dass Fabian an diesem 10. Oktober zu Hause blieb. Bis zu einer Urteilsverkündung besteht die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am 13. Mai fortgesetzt. Dann sollen Fabians Klassenlehrerin, zwei seiner Freunde, die Mutter eines Freundes von Fabian und ein Bürger, der Beobachtungen zu einem orangen Pickup machte, vernommen werden.

„Ich möchte eigentlich am 13. Mai zu Prozessbeginn eine Erklärung zu den bisherigen Entwicklungen abgeben“, kündigt Harald Nowack an. Allerdings stehe noch nicht endgültig fest, ob die Öffentlichkeit überhaupt zugelassen werde, weil Kinder vernommen werden. Es sei jedoch angeregt worden, die Kinder in einem Nebenraum zu befragen.

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