Uferpromenade am Schiffbauerdamm wegen Schäden in der Kaimauer gesperrt / Wirte sind sauer

Das Sommergeschäft fällt ins Wasser

Iris Brennberger
3 Min

MITTE. "Es ist eine Katastrophe." Wenn Hubert Hirschfeld an das rot-weiße Flatterband vor seinem Lokal "Berliner Republik" denkt, fällt ihm kein anderes Wort ein. Der breite Gehweg am Schiffbauerdamm, auf den Hirschfeld bei Sonnenschein Tische und Stühle stellt, wurde vom Bezirksamt Mitte bis auf weiteres gesperrt. Denn er führt direkt an der Spree entlang und die Mauern darunter seien vom Wasser unterspült, heißt es. Für die Wirte an der Promenade fällt das Sommergeschäft wohl ins Wasser."Für uns ist das existenzgefährdend", sagt Hirschfeld. Rund 30 000 Euro habe er in die 80 Terrassen-Plätze investiert. Nachbar Harald Grunert von der Ständigen Vertretung kommt auf 40 000 Euro. Gerade zur WM spekulierten die Gastronomen auf gute Geschäfte. Doch es sieht nicht so aus, als würde die Sperrung bis dahin aufgehoben.Die rund hundert Jahre alte Ufermauer zwischen Weidendammer Brücke und Stadtbahn-Viadukt sei ausgehöhlt, sagt Bettina Kummerlöw vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA). "Auskolkungen" nennen das die Fachleute. Die Behörde betreut die Bundeswasserstraßen. Die Schäden wurden bei Routinekontrollen im vergangenen Jahr festgestellt. "Es ist nicht auszuschließen, dass es zu Absackungen in dem Bereich kommt", sagt Bettina Kummerlöw. Ihr Amt habe daher die "dringende Empfehlung" ausgesprochen, den Gehweg zu sperren. "Und wir empfehlen dringend, ihn auch gesperrt zu lassen." Wie lange, kann sie nicht sagen. Es seien noch viele Fragen offen, etwa, ob die Mauer saniert oder neu gebaut wird. Dann müsse der Bauauftrag öffentlich ausgeschrieben werden. "Wir sind am Urbeginn der Dinge", sagt die Vize-Amtsleiterin.Bisher kam die Angelegenheit kaum voran, unter anderem weil nicht klar war, wer für die Uferpromenade zuständig ist: das Wasser- und Schifffahrtsamt oder das Land Berlin. Die Eigentümerverhältnisse entlang der Spree glichen einem Flickenteppich, sagt Kummerlöw. Im September 2005 habe ihr Amt die Senatsbauverwaltung über den Zustand der Ufermauer informiert. Die begann mit den Planungen, so Sprecherin Petra Roland. Aus den Akten sei jedoch hervorgegangen, dass dem Bund die Fläche gehört. Die Sache ging zurück zum WSA.In der vergangenen Woche wandte sich das Bundesamt an den Bezirk Mitte. Der sperrte am Freitag den Gehweg, ohne die Anwohner zu informieren. "Ich habe erst gedacht, die wollen die Straße kehren", sagt Gastwirt Grunert. Auch im Bezirk kann ihm niemand sagen, wie lange die Sperrung gilt. Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) hat vom WSA ein Gutachten zu den Schäden angefordert: "Das kann dauern."Bleibt der Gehweg über Monate gesperrt, müssen die Wirte mit enormen Einbußen rechnen. Ohne Plätze im Freien sei im Sommer kein Geschäft zu machen, sagt Grunert. Er hat knapp 40 Mitarbeiter, "und die Kosten laufen weiter". Hirschfeld hat für die WM Großbildschirme zur Übertragung von Spielen gekauft. Das wird sich kaum auszahlen. Was beide Wirte besonders ärgert: Die Uferpromenade wurde erst 2003/2004 mit 120 000 Euro Fördermitteln neu gestaltet - nach fünfjähriger Planung. Warum habe da niemand nach dem Zustand der Kaimauern gefragt? Offenbar, so Hirschfeld, fehle es an der Koordination zwischen den Behörden: "Jeder wurstelt vor sich hin."------------------------------"Für uns ist das ein schwerer Schlag." Harald Grunert, StäV-Gastwirt------------------------------Foto: Die Uferpromenade am Schiffbauerdamm: Wo sich die Lokale aneinander reihen, ist alles frisch renoviert, davor hat die Spree die Mauern unterspült.

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