Die Ukraine hat nach russischen Behördenangaben in der Nacht zum Samstag Industrieanlagen in der südrussischen Millionenstadt Wolgograd mit Marschflugkörpern angegriffen. Gouverneur Andrej Botscharow erklärte auf Telegram, mindestens zehn Menschen seien verletzt worden. Zudem seien „Produktionsanlagen“ eines Unternehmens beschädigt worden. Mehrere Brände seien inzwischen gelöscht. Wohnhäuser seien nach seinen Angaben nicht betroffen.
Botscharow sprach von „Flugobjekten mit Hochgeschwindigkeit“, nannte das betroffene Unternehmen jedoch nicht. Ukrainische Behörden äußerten sich zunächst nicht zu dem Angriff.
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Rüstungsfabrik für russische Raketensysteme getroffen
Mehrere unabhängige Medien berichten jedoch, dass der Angriff der Rüstungsfabrik Titan-Barrikady gegolten habe. Das russische Portal Astra veröffentlichte Videos mit Rauch über dem Werksgelände und erklärte nach einer Geolokalisierung des Materials, der Rauch steige aus dem Fabrikkomplex auf. Auch der Kyiv Independent verweist auf diese Auswertung.
Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Nach Angaben von Astra und des Kyiv Independent befindet sich die Fabrik jedoch genau in dem Stadtbezirk, den Gouverneur Botscharow als Angriffsziel nannte.
Fabrik produziert Komponenten für Iskander und Sarmat
Titan-Barrikady zählt zu den wichtigsten Unternehmen der russischen Rüstungsindustrie. Die Fabrik entwickelt und produziert nach Angaben des Kyiv Independent unter anderem Startsysteme für die strategischen Raketen Jars, Topol-M und Sarmat sowie Abschussvorrichtungen für die ballistischen Kurzstreckenraketen Iskander-M. Darüber hinaus werden dort schwere Artilleriesysteme sowie Küstenraketenanlagen gefertigt.
Das Werk gehört nach Medienberichten zum russischen Staatskonzern Roskosmos und steht wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf den Sanktionslisten der Europäischen Union, der USA, Kanadas, Japans und weiterer Staaten.
Neue ukrainische Marschflugkörper im Einsatz?
Nach Auswertungen des russischen Portals Astra und ukrainischer Beobachter könnte die Ukraine bei dem Angriff erstmals erneut Marschflugkörper des Typs Flamingo eingesetzt haben. Astra stützt sich dabei auf die Analyse öffentlich verfügbarer Videos und spricht von einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Geschosse aus ukrainischer Produktion stammen. Eine offizielle Bestätigung aus Kiew gibt es bislang nicht.
Der ukrainische Unternehmer Denys Schtilerman, Mitgründer des Rüstungsunternehmens Fire Point, veröffentlichte Videos der Explosionen und schrieb auf Telegram: „Wolgograd begrüßt die saisonale Migration der Flamingos aus der Ukraine.“ Seine Äußerung gilt als indirekter Hinweis auf den mutmaßlichen Einsatz des neuen Waffensystems, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.
Ukraine greift verstärkt russische Rüstungsindustrie an
Die Ukraine greift seit Monaten zunehmend Ziele tief im russischen Hinterland an. Im Mittelpunkt stehen dabei immer häufiger Rüstungsbetriebe, Munitionslager, Raffinerien und Militärflugplätze. Kiew verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, Russlands Fähigkeit zur Waffenproduktion und Versorgung seiner Streitkräfte zu schwächen. Angaben beider Kriegsparteien lassen sich häufig nicht unabhängig überprüfen.
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