Nach Angaben des Oberbefehlshabers der ukrainischen Truppe, Oleksandr Syrskyj, hat Russlands neue Frühjahrsoffensive gegen die Nordostukraine „tatsächlich bereits begonnen“. Der Armeechef fügte in dem Interview mit dem Onlineportal lb.ua hinzu: „Wir beobachten bereits fast eine Woche nahezu eine Verdopplung der Angriffe des Gegners an allen Hauptabschnitten“.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor gewarnt, Russland ziehe Kräfte für eine neue Offensive gegen die Oblaste Charkiw und Sumy im Frühjahr zusammen. „Ich kann sagen, der Präsident hat absolut recht“, sagte Syrskyj. Die russische Seite erhöht Syrskyj zufolge ihre Präsenz entlang der Frontlinie trotz Verlusten jeden Monat um 8.000 bis 9.000 Soldaten. Putin hatte im vergangenen Jahr das russische Truppenkontingent entlang der Frontlinie mit knapp 700.000 angegeben.
Ukraine: Putin will seine Position in möglichen Friedensgesprächen stärken
Ende März berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) unter Berufung auf ukrainische Analysten und anonyme diplomatische Quellen aus den G7-Staaten, dass der russische Präsident Wladimir Putin eine neue Offensive in der Ukraine vorbereitet, um seine Position in möglichen Friedensgesprächen zu stärken. Ukrainische Beamte teilten dem Kyiv Independent nun mit, dass sich die neue Offensive wohl gegen die beiden nordöstlichen Regionen richtet.
Diese Entwicklung folgt auf Russlands Rückeroberungen in der Oblast Kursk, einer russischen Grenzregion, die Kiew im vergangenen Jahr angegriffen hatte, um Pläne für eine Offensive gegen die Oblast Sumy zu vereiteln.
Russland erobert in Kursk immer mehr Gebiete zurück
Die Oblaste Sumy und Charkiw, beide im Nordosten der Ukraine gelegen und an Russland grenzend, spielen seit Beginn der umfassenden Invasion eine Schlüsselrolle in der ukrainischen Verteidigung. Moskau startete im vergangenen Mai eine zweigleisige Offensive gegen die Oblast Charkiw. Am 8. Juni erklärte Selenskyj, Russlands Offensive sei „gescheitert“. In Erwartung einer weiteren Offensive in der Oblast Sumy startete die Ukraine im August 2024 ihren eigenen Einmarsch in die russische Oblast Kursk, um die russischen Pläne zu durchkreuzen. Ukrainische Streitkräfte eroberten zunächst rund 1300 Quadratkilometer russischen Territoriums, verloren jedoch nach der Gegenoffensive Moskaus Anfang des vergangenen Monats einen Großteil ihrer Stellungen.
Moskau hatte eine vollständige 30-tägige Waffenruhe, den die USA und die Ukraine am 11. März in Dschidda vereinbart hatten, abgelehnt und lediglich einem teilweisen Waffenstillstand bei Angriffen auf Energieanlagen und im Schwarzen Meer zugestimmt. Beide Seiten werfen sich jedoch immer wieder Verstöße gegen diese Vereinbarung vor.
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