Die Zahl der Länder, die sich an der tschechisch geführten Munitionsinitiative für die Ukraine beteiligen, hat sich seit der Rückkehr von Ministerpräsident Andrej Babis ins Amt im Dezember halbiert. Das sagte der tschechische Präsident Petr Pavel der Financial Times. Derzeit finanzieren demnach nur noch neun Staaten das Programm, nach bis zu 18 im vergangenen Jahr.
„Die Initiative funktioniert weiterhin, aber die neue Schwierigkeit besteht darin, dass nur etwa neun Mitgliedstaaten finanziell beitragen“, sagte Pavel der Zeitung. Das Programm habe bislang bis zu 50 Prozent der großkalibrigen Munition für die Ukraine geliefert und sei daher nicht leicht zu ersetzen. Welche Länder sich zurückgezogen haben, gab Pavels Büro laut Financial Times nicht bekannt. Ein westlicher Militärvertreter sagte der Zeitung, Deutschland und einige nordische Staaten gehörten weiterhin zu den Teilnehmern.
Babis will Geld lieber für tschechische Bürger einsetzen
Babis selbst erklärte gegenüber der Financial Times, seine Regierung wolle begrenzte öffentliche Mittel vorrangig für tschechische Bürger einsetzen. „Wir haben kein Geld, also erhalten wir Geld von anderen Ländern und liefern dann die Munition“, sagte er. Im Wahlkampf des vergangenen Jahres hatte Babis mit einem Ende der Initiative gedroht und mangelnde Transparenz kritisiert.
Nach Angaben des tschechischen Verteidigungsministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sind derweil für 2026 bereits Lieferverträge über rund eine Million großkalibriger Geschosse abgeschlossen. Seit Jahresbeginn seien etwa 500.000 Schuss ausgeliefert worden. Die Finanzierung belaufe sich bislang auf knapp eine Milliarde Euro. Im Jahr 2024 waren laut Ministerium rund 1,5 Millionen Schuss geliefert worden, im vergangenen Jahr etwa 1,8 Millionen.
Michal Strnad, Eigentümer und Vorstandschef des tschechischen Rüstungskonzerns Czechoslovak Group, sagte der Financial Times, einige Geberstaaten kauften inzwischen direkt bei seinem Unternehmen oder anderen Anbietern. Die Initiative sei „nicht tot, sie funktioniert noch, aber es geht etwas langsamer“.
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