Frankreichs Präsident Emmanuel Macron soll bei künftigen Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Beendigung des Ukrainekrieges die Rolle des Hauptvermittlers Europas übernehmen. Das berichtete die britische Tageszeitung The Telegraph am Freitagabend. Dem Bericht zufolge wollen einige Mitglieder der sogenannten „Koalition der Willigen“, dass ein europäischer Staats- oder Regierungschef das Ruder bei Verhandlungen mit Russland übernimmt, um die Ukraine zu unterstützen.
Der britische Premierminister Keir Starmer hatte Anfang März gemeinsam mit Macron die Koalition ins Leben gerufen. Dem Telegraph zufolge hat Starmer jedoch nicht vor, Gespräche mit Kremlchef Putin zu führen. Unter Berufung auf eine Quelle im Pariser Élysée-Palast berichtet die britische Zeitung, Macron sei bereit, die Rolle zu übernehmen – „wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist“.
Putin und Macron: Ein schwieriges Verhältnis
Anfang März hatten sich Macron und Putin ein Wortgefecht über Napoleon geliefert. Russlands Staatschef hatte gesagt, es sei bedauerlich, dass „es noch immer Menschen gibt, die in Napoleons Zeit zurückkehren wollen und dabei vergessen, wie das Ganze ausgegangen ist“. Macron hatte sich angesichts der Annäherung zwischen Moskau und Washington unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump verstärkt für die Aufrüstung Europas ausgesprochen. Putins Aussage war ein offensichtlicher Seitenhieb gegen den französischen Präsidenten.
ARCHIV - Emmanuel Macron (l), Präsident von Frankreich, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, sitzen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Pariser Élysée.
© AFP Pool/AP
Macron erwiderte Putins Napoleon-Vergleich mit scharfen Worten. „Die einzige imperiale Macht, die ich heute in Europa sehe, heißt Russland“, sagte der Präsident am Donnerstagabend am Rande des EU-Gipfels in Brüssel mit Blick auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Putin sei ein „Imperialist, der die Geschichte und die Identität der Völker verdreht“.
Macron war einer der letzten westlichen Staats- und Regierungschefs, die Putin im Kreml besuchten, bevor dieser im Februar 2022 in der Ukraine einmarschierte.
„Politisches Theater“: Militärs lehnen Ukraine-Koalition der Willigen ab – Bericht
Koalition der Willigen: Keine Einigung über europäische Soldaten in der Ukraine
Vor kaum zwei Wochen hatte die Koalition der Willigen mit Spitzenvertretern aus 31 Ländern zur Ukraine-Unterstützung beraten. Dabei gab es zur möglichen Entsendung europäischer Streitkräfte zur Absicherung einer möglichen Waffenruhe in der Ukraine keine Einigung. Der geschäftsführende Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich dazu zurückhaltend. Auch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet hat an dem Projekt seine Zweifel: „Im Moment fehlt mir die Fantasie, wie eine Friedenstruppe für die Ukraine ohne die Amerikaner aussehen soll.“
Zuvor hatten sich in der Koalition vor allem Paris und London zur Entsendung von Truppen in die Ukraine bereiterklärt. Russland lehnt eine Stationierung von Truppen aus Nato-Staaten in der Ukraine kategorisch ab und warnt vor einer Eskalation in dem Konflikt. (mit AFP, dpa)
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