UPDATE

Russische Invasion

Militärexperten: Ukrainischer Rückzug aus Bachmut möglich

Wie lange ist das seit Monaten umkämpfte Bachmut von ukrainischen Truppen noch zu halten? Zuletzt häuften sich Indizien und Berichte über einen geplanten Rückzug.

Team News dpa/AFP
3 Min
Ein gepanzerter Mannschaftstransportwagen fährt bei Bachmut an die Front Bachmut. 

Ein gepanzerter Mannschaftstransportwagen fährt bei Bachmut an die Front Bachmut. 

© dpa/Evgeniy Maloletka

Eine offizielle Bestätigung für den Abzug gab es vom ukrainischen Militär bislang nicht. Auf den Lagekarten sind die Gebiete östlich des Bachmutka-Flusses allerdings inzwischen als russisch oder sogenannte Grauzone eingezeichnet. Der ukrainische Generalstab berichtete am Montagmorgen in seinem Lagebericht über anhaltende Kämpfe in dem Raum. Beschossen worden seien sowohl die Stadt selbst als auch etliche Vororte von russischer Seite.

Ukrainische Armee will Stellungen in umkämpfter Stadt Bachmut verstärken

Trotz fast vollständiger Einkesselung will die ukrainische Führung weiter um Bachmut kämpfen. Nach den Spekulationen über einen Abzug aus der Stadt erklärte das ukrainische Präsidialamt am Montag, die Armeespitze wolle die Stellungen in Bachmut sogar verstärken. Der Chef der am Kampf um Bachmut maßgeblich beteiligten russischen Söldnertruppe Wagner beschwerte sich unterdessen erneut über eine mangelnde Belieferung seiner Kämpfer mit Munition.

Der Konflikt zwischen der Söldnertruppe und dem russischen Verteidigungsministerium hatte sich zuletzt verschärft. Bei den am Montag aufgetauchten Berichten über eine angebliche Drohung von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, seine vor Bachmut kämpfende Einheit abzuziehen und damit einen Zusammenbruch der Front zu provozieren, handelt es sich wohl um eine ältere Äußerung des Oligarchen. Sie soll auf dem Höhepunkt des Konflikts vor ein paar Wochen gefallen sein, als sich die Söldner über unzureichende Munitionsversorgung durch das Ministerium beschwerten.

Wagner-Chef Prigoschin wird Zugang zum Stab der Heeresgruppe verwehrt

Dass es weiter Streit gibt, bestätigte Prigoschin allerdings am Montag auf dem Telegram-Kanal seines Pressedienstes. Seinem Vertreter sei mit Montagmorgen der Zugang zum Stab der Heeresgruppe verwehrt worden, klagte er. Von einem Rückzug seiner Einheiten sprach er allerdings nicht. „Wir werden weiterhin die ukrainischen Streitkräfte bei Bachmut vernichten“, sagte er.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Seit Monaten wird um Bachmut, wo vor dem Krieg etwa 74.000 Einwohner lebten, gekämpft. Die Stadt, in deren Ruinen nach offiziellen Angaben noch etwa 5000 Zivilisten ausharren, wurde dabei praktisch komplett zerstört. Der strategische Wert Bachmuts ist nach der Vertreibung der russischen Truppen aus dem Gebiet Charkiw gering, da nun nach dem Fall keine Einkesselung des Ballungsraums zwischen Slowjansk und Kramatorsk droht. Für die russische Militärführung hat die Einnahme hingegen große Symbolkraft, da sie Erfolge vorweisen muss.

Bachmut ist von drei Seiten eingekreist

Die ukrainische Seite hielt Bachmut lange, da die gut ausgebauten Stellungen in der Stadt es ermöglichten, den Angreifern hohe Verluste bei ihrem langsamen Vormarsch zuzufügen. Trotzdem häuften sich zuletzt Indizien und Berichte über einen geplanten Truppenabzug, nachdem die Russen Bachmut inzwischen von drei Seiten einkreisten und in Richtung der letzten Zufahrtsstraße aus dem Hinterland zur Versorgung der ukrainischen Einheiten vorrücken.

Nach einer Lagebesprechung am Montag zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj, Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj und dem Chef der Landstreitkräfte, Olexander Syrskyj, wurde nach Angaben Kiews beschlossen, Bachmut zumindest vorerst weiter zu halten. Der Präsident habe Saluschnyj und Syrskyj nach der Zweckmäßigkeit der Verteidigung befragt, heißt es auf der Seite des Präsidialamts. „Sie haben sich für die Fortsetzung der Verteidigungsoperation und die weitere Stärkung unserer Positionen in Bachmut ausgesprochen“, heißt es weiter. Der Bericht könnte Beobachtern zufolge eine Reaktion sein auf unter anderem von der Bild-Zeitung veröffentlichte Gerüchte über ein Zerwürfnis zwischen Selenskyj und Saluschnyj über das Vorgehen in Bachmut.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

weltbune Banner