Krieg

Ukraine-Kriegswinter: Berlin müsste jeden Flüchtling aufnehmen – trotz knapper Quartiere

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko empfiehlt seinen Bürgern, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen. Was käme auf Berlin zu?

3 Min
Die Container am Columbiadamm auf dem Tempelhofer Feld sind Unterkünfte für Geflüchtete.

Die Container am Columbiadamm auf dem Tempelhofer Feld sind Unterkünfte für Geflüchtete.

© Lena Lachnit

Eigentlich sind in diesem und im vergangenen Jahr die Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen zurückgegangen. Doch dieser Trend könnte sich umkehren. Denn Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko rät Bewohnern der Stadt, im bevorstehenden Winter anderswo Schutz vor Bomben und Kälte zu suchen. Millionen könnten nach Deutschland strömen.

Von den insgesamt 37.833 Unterbringungsplätzen, die das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung (LFU) hat, sind nach Angaben eines Behördensprechers 4115 Plätze nicht belegt. Das entspricht einer Auslastung von knapp 90 Prozent.

Allerdings: Diese 4115 freien Plätze können nicht automatisch mit neu aufgenommenen Flüchtlingen belegt werden. Denn viele dieser Plätze sind nach Angaben des Sprechers temporären Notunterkünften wie Hotels oder Hostels zuzuordnen, die bei Bedarf angemietet werden.

Auch die Notunterkunft in den Hangars im ehemaligen Flughafen Tempelhof ist derzeit nicht voll belegt. Vor allem Ukrainer sind dort untergebracht. In den Hangars sind Wohncontainer aufgestellt, in denen jeweils Platz für vier Menschen ist. Wegen der angespannten Situation dort, aber auch, weil viele Bewohner unmittelbar aus Kriegsgebieten gekommen sind, sind in den Containern jeweils nur drei Bewohner untergebracht.

Behörde ist jetzt auch noch für Wohnungslose zuständig

Diese Regelung kann bei Bedarf wieder gekippt werden. Und auch weitere Notunterkünfte in Hotels und Hostels können zur Not wieder angemietet werden, auch wenn das eine wesentlich teurere Angelegenheit ist.

„Grundsätzlich ist es so, dass das LFU gesetzlich verpflichtet ist, Ukrainegeflüchtete unterzubringen, wenn sie einen Unterbringungsbedarf haben“, sagt der LFU-Sprecher. „Daher wird, wenn große Fluchtbewegungen auftreten sollten, immer dafür gesorgt werden, dass Obdachlosigkeit verhindert wird, auch wenn das bedeutet, temporäre Notunterbringungen errichten oder anmieten zu müssen.“

Das LFU hat bis September dieses Jahres 4003 Ukraine-Flüchtlinge neu im Land Berlin aufgenommen. Wie viele Ukraine-Flüchtlinge bereits in Berlin leben, wird im LFU nicht statistisch erfasst und ist laut Behörde ständigen Schwankungen unterworfen.

Mit der Umbenennung des vormaligen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten in Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung erfuhr die Behörde auch eine Zuständigkeitserweiterung. Schritt für Schritt soll sie auch für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen zuständig sein. Das betreffe in Berlin viele Menschen, erklärt der Sprecher. „Unser Unterbringungsportfolio muss auch auf sie ausgerichtet werden. Dies ist vor dem Hintergrund der freien Unterbringungskapazitäten stets zu berücksichtigen.“

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