Ukraine-Krieg

Kreml will neue Ukraine-Gespräche – und sieht Trumps Druck auf Selenskyj gescheitert

Abu Dhabi gilt als möglicher Ort für die nächste Verhandlungsrunde. Putins außenpolitischer Berater erklärt, warum Europas Regierungen für eine Einigung entscheidend sein könnten.

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Russlands Präsident Wladimir Putin (rechts) empfängt den US-Sondergesandten Steve Witkoff am 21. Oktober 2026 in St. Petersburg.

Russlands Präsident Wladimir Putin (rechts) empfängt den US-Sondergesandten Steve Witkoff am 21. Oktober 2026 in St. Petersburg.

© Kremlin Press Office/imago

Russland hat seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen mit der Ukraine und den USA bekräftigt. Nach Angaben des Kremls könnten die Gespräche nach dem 4. November wieder aufgenommen werden. Zugleich äußerte sich ein enger Berater von Präsident Wladimir Putin ungewöhnlich deutlich über die bisherigen Vermittlungsbemühungen von US-Präsident Donald Trump. Washington sei es bislang nicht gelungen, die ukrainische Führung zur Annahme einer Friedensvereinbarung zu bewegen.

Der außenpolitische Kremlberater Juri Uschakow erklärte am Sonntag im russischen Staatsfernsehen, Russland sei nach dem 4. November wieder zu Gesprächen im Dreierformat bereit. An diesem Tag begeht Russland den Tag der nationalen Einheit.

„Der nächste Stichtag ist nun der 4. November, unser großer Feiertag. Danach werden wir bereit sein, die Verhandlungen wieder aufzunehmen“, sagte Uschakow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Ein verbindlicher Termin ist damit noch nicht vereinbart. Zuletzt war die erste Novemberhälfte für ein mögliches Treffen genannt worden. Als Verhandlungsort ist insbesondere Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, im Gespräch.

Kremlberater: Trumps Druck auf Selenskyj hat nicht funktioniert

Besonders bemerkenswert waren Uschakows Aussagen über die bisherigen Bemühungen der amerikanischen Regierung, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Zugeständnissen zu bewegen.

Nach dem Gipfeltreffen von Trump und Putin im August 2025 in Anchorage, Alaska, habe es den Eindruck gegeben, Washington könne die ukrainische Führung zur Annahme bestimmter Bedingungen zwingen.

„Damals schien es nach Anchorage, als könnte die US-Regierung etwas diktieren und Kiew zur Umsetzung zwingen. Aber bislang hat das nicht wirklich funktioniert“, sagte Uschakow laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Als einen entscheidenden Grund nannte der Kremlberater die Unterstützung der europäischen Regierungen für die Ukraine.

„Es reicht nicht, nur mit Kiew zu sprechen. Wir müssen mit ganz Europa sprechen, das Kiew vollständig unterstützt“, erklärte Uschakow.

Die Position der europäischen Staaten könne bei einer Friedensvereinbarung eine Schlüsselrolle spielen. Darüber berichtete auch die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Damit macht ein enger Putin-Vertrauter deutlich, dass Moskau eine Verständigung mit Washington allein nicht für ausreichend hält. Russland will offenbar auch mit den europäischen Unterstützern der Ukraine über die Bedingungen eines möglichen Kriegsendes sprechen.

Russland will mit Europa verhandeln – aber zunächst nur im Dreierformat

Die Äußerungen bedeuten allerdings nicht, dass europäische Vertreter bereits an der nächsten Verhandlungsrunde teilnehmen sollen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte am Freitag ausdrücklich erklärt, die geplanten Gespräche würden zunächst im Dreierformat zwischen Russland, der Ukraine und den USA stattfinden.

Eine spätere Beteiligung europäischer Vertreter schloss er nicht aus. Die Sicherheitsordnung in Europa lasse sich auf Dauer nicht ohne weitere Staaten verhandeln, sagte Peskow laut Interfax.

Auch für das nächste Treffen dämpft Moskau die Erwartungen. Uschakow bezeichnete die erste Verhandlungsrunde nach der längeren Unterbrechung als voraussichtlich sondierend.

„Bei der ersten Begegnung lässt sich auch nicht viel lösen“, sagte er. An einer Friedensvereinbarung müsse weiter gearbeitet werden.

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Zuletzt hatten Vertreter der drei Staaten im Januar und Februar miteinander verhandelt. Weitere geplante Gesprächsrunden kamen nicht zustande. Vor allem die russischen Gebietsansprüche verhindern bislang eine Einigung.

Moskau verlangt unter anderem die Kontrolle über den gesamten Donbas, einschließlich ukrainischer Gebiete, die russische Truppen bislang nicht erobert haben. Selenskyj lehnt es ab, diese Territorien an Russland abzutreten.

Selenskyj hofft auf Treffen mit Trump und Putin

Der ukrainische Präsident hatte bereits am Freitag eine Wiederaufnahme der Verhandlungen für die erste Novemberhälfte angekündigt.

Bei einer Videoveranstaltung der amerikanischen Denkfabrik Hudson Institute erklärte Selenskyj, Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA hätten sich grundsätzlich auf neue Gespräche auf technischer Ebene verständigt.

„Der Plan ist, sich in der ersten Novemberhälfte zu treffen, und natürlich so früh wie möglich“, sagte Selenskyj nach Angaben von Reuters.

Ob das Treffen tatsächlich zustande komme, hänge vor allem von Russland ab. Bereits für Oktober seien Gespräche erwartet worden, die dann nicht stattgefunden hätten.

Selenskyj hofft, dass auf eine neue Verhandlungsrunde ein Treffen der Staatschefs folgen könnte. Die besonders schwierigen politischen Fragen, darunter die Zukunft der von Russland beanspruchten ukrainischen Gebiete, müssten auf höchster Ebene geklärt werden.

Für eine Friedensvereinbarung fordert der ukrainische Präsident verbindliche Sicherheitsgarantien. Dazu zählt er auch eine langfristige Finanzierung der ukrainischen Streitkräfte für mindestens zehn Jahre.

Die Ukraine sei zu Gesprächen über eine umfassende Waffenruhe bereit. Falls Russland dies ablehne, könnten zunächst begrenzte Vereinbarungen über Angriffe auf Energieanlagen oder militärische Aktivitäten auf See getroffen werden, erklärte Selenskyj.

Putin und Trumps Gesandter Witkoff sprachen drei Stunden miteinander

Die neuerlichen Verhandlungssignale folgen auf intensive diplomatische Kontakte in den vergangenen Tagen.

Am 20. Oktober traf Trumps Sondergesandter Steve Witkoff in Oslo mit Selenskyj sowie europäischen Regierungsvertretern zusammen. Einen Tag später reiste er nach St. Petersburg und sprach dort rund drei Stunden mit Putin.

Nach dem Treffen erklärte Uschakow, der russische Präsident habe Witkoff seine grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme der trilateralen Gespräche übermittelt.

Im Mittelpunkt solle nach russischen Vorstellungen die Ausgestaltung einer Sicherheitsordnung für Russland und die Ukraine nach einem möglichen Kriegsende stehen. Die von Witkoff übermittelten neuen ukrainischen und europäischen Vorschläge bewertete der Kreml jedoch zurückhaltend.

Die Gespräche sollen nach monatelanger Unterbrechung wieder beginnen, während die russischen Angriffe auf die Ukraine weitergehen. Auch am Sonntag meldeten ukrainische Behörden Tote und Verletzte durch russische Luftangriffe.

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