Die USA wollen ihre Nato-Verbündeten einem Medienbericht zufolge zu weiteren Zahlungen für amerikanische Waffenlieferungen an die Ukraine auffordern. Ein entsprechender Vorstoß könnte noch im November erfolgen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf mit den Beratungen vertraute Personen. Für bereits genehmigte Waffenpakete im Rahmen des Programms PURL fehlten demnach rund zwei Milliarden Dollar (etwa 1,8 Milliarden Euro).
Washington habe einigen Verbündeten bereits signalisiert, dass es zusätzliche Mittel verlangen werde. Wie hoch die Forderung ausfallen soll, ist laut dem Bericht noch unklar. Die USA hätten Waffen auch dann weitergeliefert, wenn die dafür vorgesehenen Zahlungen der Partner noch nicht eingegangen seien. Sollten weitere Lieferungen genehmigt werden, könnte die Finanzierungslücke wachsen. Pentagon und US-Außenministerium äußerten sich auf Bloomberg-Anfrage zunächst nicht.
Wie die Verbündeten amerikanische Waffen bezahlen
PURL steht für „Prioritized Ukraine Requirements List“, eine Liste vorrangig benötigter Rüstungsgüter. Der Mechanismus funktioniert nach Angaben der Nato so: Der militärische Oberbefehlshaber des Bündnisses in Europa ermittelt regelmäßig, welche Waffen und Munition die Ukraine dringend braucht und welche die USA bereitstellen können. Einzelne Partnerstaaten oder Gruppen von Ländern erklären sich anschließend bereit, die Kosten eines Pakets zu übernehmen. Die Nato koordiniert die Lieferung an die Ukraine.
Die Partner finanzieren damit amerikanische Waffen für Kiew. Nach den von Bloomberg beschriebenen Fällen erfolgen Lieferung und Bezahlung allerdings nicht immer in dieser Reihenfolge: Die USA geben Material bereits ab, während Beiträge der Verbündeten noch ausstehen. Auf diese Weise sind dem Bericht zufolge auch für schon genehmigte Pakete offene Beträge aufgelaufen.
Über PURL erhält die Ukraine unter anderem dringend benötigte Ausrüstung zur Luftverteidigung. Das Programm wurde im Juli 2025 gestartet. Nach Angaben der Nato haben inzwischen mehr als zwei Drittel der Bündnismitglieder sowie Australien und Neuseeland Beiträge zugesagt.
Waffenlieferungen trotz politischer Spannungen
Derzeit ist das Verhältnis zwischen Washington und Kiew von erheblichen Spannungen geprägt. US-Präsident Donald Trump und SpaceX-Chef Elon Musk hatten Selenskyj kürzlich zum Rücktritt aufgefordert. Der ukrainische Präsident warf den USA seinerseits Verzögerungen bei Patriot-Lieferungen und eine Drosselung des für sein Militär wichtigen Satelliteninternets Starlink vor.
Laut Bloomberg drohten die USA im Oktober zudem damit, PURL-Lieferungen wegen ukrainischer Angriffe auf russische Energieanlagen auszusetzen. Die Drohung sei jedoch nicht umgesetzt worden. Der Widerspruch zwischen Trumps Äußerungen und der fortgesetzten militärischen Unterstützung habe bei Verbündeten Verwirrung ausgelöst und die Suche nach weiteren Finanzierungszusagen erschwert.
Unabhängig von PURL genehmigte das US-Außenministerium am Freitag einen möglichen Verkauf von 500 Patriot-Abfangraketen an die Ukraine für geschätzt 2,1 Milliarden Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro), wie Reuters berichtete. Die Genehmigung bedeutet allerdings noch keine kurzfristige Lieferung.
Selenskyj begrüßte die Entscheidung, warnte aber vor einer Wartezeit von mehreren Jahren. Er forderte, der Ukraine jetzt Raketen aus bestehenden Beständen zu überlassen und diese später mit den neu bestellten Geschossen aufzufüllen. Kiew brauche die Abfangraketen bereits in diesem Winter, berichtete der Kyiv Independent.
Selenskyj zu Gesprächen in Berlin
Unterdessen kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag Gespräche mit Selenskyj in Berlin an. „Er wird gleich über Mittag wieder bei mir sein“, sagte Merz laut dpa am Morgen bei der Industrie- und Handelskammer Berlin. Der Besuch bei einer geplanten Konferenz mit hochrangigen Vertretern aus Europas Politik, Streitkräften und Sicherheitsbehörden war aus Sicherheitsgründen zuvor nicht angekündigt worden.
Das Treffen findet vor neuen Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine statt. US-Sondergesandter Steve Witkoff kündigte diese für den 10. und 11. November in Abu Dhabi an. Dabei soll es laut der Financial Times unter anderem um Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation und humanitäre Fragen gehen.
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