Die Ukraine und Polen prüfen eine gemeinsame Bewerbung um eine Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Der ukrainische Jugend- und Sportminister Matwij Bidnyj bestätigte Politico das Interesse seines Landes. Auch in Polen werde über das Vorhaben gesprochen, berichtete das Magazin unter Berufung auf einen mit der Haltung der Regierung in Warschau vertrauten Beamten.
„Der nächste freie Termin für eine Weltmeisterschaft liegt irgendwann in den 2040er-Jahren. Deshalb müssen wir diese Perspektive schon jetzt einplanen“, sagte Bidnyj gegenüber Politico. Die Turniere im Jahr 2030 und im Jahr 2034 sind bereits an Spanien, Portugal und Marokko beziehungsweise Saudi-Arabien vergeben.
Eine offizielle Bewerbung gibt es bislang jedoch nicht. Nach Angaben von Politico wurde die Idee jedoch bei vertraulichen Gesprächen am Rande der Ukraine Recovery Conference in Danzig erörtert. Das polnische Sportministerium äußerte sich auf Anfrage des Magazins nicht.
Bidnyj verwies auf die von beiden Ländern ausgerichtete Europameisterschaft im Jahr 2012. „Es wäre sehr logisch, diesen erfolgreichen Fall zu wiederholen“, sagte er laut Politico. Eine gemeinsame Kandidatur könne zugleich internationale Investoren auf den Wiederaufbau der Ukraine aufmerksam machen. Eine formelle Initiative müsse allerdings von der Sportgemeinschaft oder den Fußballverbänden ausgehen.
Turnier soll Wiederaufbau unterstützen
Die möglichen Gastgeber stünden diesmal vor grundlegend anderen Bedingungen als im Jahr 2012. Die Kosten für Wiederaufbau und Erholung in der Ukraine werden in einer gemeinsamen Bewertung der Regierung in Kiew, der Weltbank, der EU-Kommission und der Vereinten Nationen auf fast 588 Milliarden Dollar innerhalb von zehn Jahren geschätzt.
Für die Zerstörungen steht auch die Donbass Arena in Donezk. Dort wurden im Jahr 2012 fünf EM-Partien ausgetragen. Nach der Besetzung von Teilen der Region durch russisch unterstützte Separatisten musste Schachtar Donezk die Stadt im Jahr 2014 verlassen. Das später durch Beschuss beschädigte Stadion wird bis heute nicht mehr vom Verein genutzt.
Die Donbass Arena in Donezk
© Dmitry Yagodkin/imago
Baerbock: „Kein sicherer Ort mehr in der Ukraine“
Hinzu kommt die unsichere militärische Lage. Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Generalversammlung, sagte am 1. September, in der Ukraine gebe es keinen sicheren Ort mehr. Die Zahl der zivilen Opfer habe im ersten Halbjahr 2026 um 114 Prozent über dem entsprechenden Wert des Jahres 2024 gelegen.
Der ukrainische Abgeordnete Wassyl Mokan erklärte laut Politico und dem ukrainischen Portal Glavnoe, sein Parlamentsausschuss habe noch keine offizielle Bestätigung der Gespräche erhalten. Eine gemeinsame Bewerbung könne jedoch zu einem Symbol europäischer Solidarität mit der Ukraine werden. Voraussetzung seien ein Ende des Krieges, ein dauerhafter Frieden und glaubwürdige langfristige Sicherheitsgarantien.
Historischer Streit belastet Beziehungen
Auch die derzeitigen Spannungen zwischen Warschau und Kiew könnten das Vorhaben erschweren. Der Konflikt verschärfte sich Politico zufolge, nachdem Präsident Wolodymyr Selenskyj eine ukrainische Militäreinheit nach den „Helden der UPA“ benannt hatte.
Die Ukrainische Aufständische Armee kämpfte im Zweiten Weltkrieg für die Unabhängigkeit des Landes, verübte jedoch auch Massaker an polnischen Zivilisten.
Polens Präsident Karol Nawrocki entzog Selenskyj daraufhin die höchste staatliche Auszeichnung seines Landes. Ministerpräsident Donald Tusk warnte beide Seiten davor, aus dem historischen Streit einen „strategischen Fehler“ zu machen, von dem Russland profitieren könne.
Einer von Politico zitierten Umfrage zufolge bewerteten im August 46 Prozent der Polen die Beziehungen zur Ukraine negativ – der höchste bislang gemessene Anteil.
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