Nach neuen russischen Luftangriffen, unter anderem mit Kinzhal-Raketen, auf die Ukraine hat Polen in den frühen Morgenstunden am Sonntag Kampfflugzeuge aufsteigen lassen. Die Maßnahme soll die Sicherheit seines Luftraums gewährleisten. „Polnische und verbündete Flugzeuge operieren in unserem Luftraum, während bodengestützte Luftverteidigung und Radarsysteme in höchste Alarmbereitschaft versetzt wurden“, teilte das polnische Operative Kommando auf der Plattform X mit.
Nach Angaben Warschaus handelt es sich dabei um eine Vorsichtsreaktion auf die anhaltenden russischen Angriffe in Grenznähe. Ukrainische Behörden meldeten unterdessen massive Angriffe mit Raketen und Drohnen auf die Region Lwiw, die unweit der polnischen Grenze liegt. Berichte über eine Verletzung des polnischen Luftraums lagen nicht vor.
Bei den Angriffen in der Nacht starben nach ukrainischen Angaben mindestens fünf Menschen, 16 weitere wurden verletzt. Russland feuerte nach Angaben des ukrainischen Präsidenten rund 500 Drohnen und mehr als 50 Raketen ab, darunter auch Kinzhal-Raketen. Dabei handelt es sich um Hyperschallraketen, die extrem schnell und hoch fliegen, dabei aber manövrierfähig bleiben und Ziele mit einem konventionellen oder nuklearen Sprengkopf zerstören können.
Dabei seien die Regionen Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Saporischschja, Tschernihiw, Sumy, Charkiw, Cherson, Odessa und Kirowohrad ins Visier genommen worden, schrieb Wolodymyr Selenskyj auf Facebook.
Moskau: Ein Mikoyan MiG-31 Abfangjäger der russischen Luftwaffe fliegt bei der russischen Militärparade zum Tag des Sieges beladen mit einer Kh-47M2 Kinzhal Überschall-Ballistikrakete am Himmel.
© Alexander Zemlianichenko/AP
Erneut landesweiter Luftalarm in der Ukraine
In der Nacht auf Sonntag herrschte in der gesamten Ukraine mehrere Stunden lang Luftalarm. Die ukrainische Luftwaffe warnte vor massiven Angriffen mit Raketen und Drohnen, insbesondere für die westukrainische Region Lwiw. Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, berichtete auf Telegram, dass die Luftabwehr der Stadt intensiv im Einsatz gewesen sei, zunächst zur Abwehr von Drohnen, anschließend bei einem russischen Raketenangriff. Die Stadt liegt etwa 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.
Wie Sadowyj am frühen Morgen (7.30 Uhr Ortszeit) auf Telegram mitteilte, waren Teile der Stadt ohne Strom, und der öffentliche Nahverkehr hatte den Betrieb noch nicht aufgenommen. „Es ist gefährlich, auf die Straßen zu gehen“, warnte der Bürgermeister.
Östliche Nato-Länder in erhöhter Alarmbereitschaft – Flughafen Vilnius stellt kurzzeitig Betrieb ein
Die östlichen Nato-Mitglieder stehen in den letzten Tagen erneut unter erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem Polen im September mutmaßlich russische Drohnen in seinem Luftraum abgeschossen hatte. Mehrere Drohnensichtungen und Luftraumverletzungen – unter anderem in Kopenhagen und München – haben zuletzt auch zu erheblichen Störungen im europäischen Flugverkehr geführt.
In Litauen wurde derweil in der Nacht zu Sonntag der Flughafen von Vilnius für mehrere Stunden geschlossen, nachdem Berichte über eine mögliche Gruppe von Ballons aufgetaucht waren, die sich am späten Samstag in Richtung des Flughafens bewegten.
Krisenszenarien: So werden Berliner Kliniken auf Krieg gegen Russland vorbereitet
Rechtsbrüche in Polen: Unter dem Beifall der EU macht Tusk da weiter, wo Kaczynski aufgehört hat
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]