Seit Wochen tobt die Schlacht um die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine. Nun haben die ukrainischen Verteidiger laut eigenen Angaben die russischen Streitkräfte wieder etwas zurückgedrängt. Hätten die russischen Soldaten zuvor „etwa 70 Prozent“ der Stadt kontrolliert, „so sind sie jetzt um 20 Prozent zurückgedrängt worden“, sagte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, am Freitagabend. Er beschrieb ein brutales Hin und Her.
Die russischen Streitkräfte „bombardieren unsere Stellungen stundenlang, dann schicken sie eine Kompanie frisch mobilisierter Soldaten, sie sterben, dann begreifen sie, dass es noch Widerstandsnester gibt, und sie fangen wieder an zu bombardieren“, sagte Gajdaj. So laufe das im vierten Monat der russischen Invasion.
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Russische Propagandakanäle hatten zuvor schon die vollständige Einnahme der Stadt verkündet. Die ukrainische Seite hatte dies jedoch nicht bestätigt. In den vergangenen Tagen sollen frische ukrainische Kräfte in Sjewjerodonezk eingetroffen sein, darunter sollen sich auch ausländische Freiwillige befinden.
Die Schlacht um den Donbass wird immer mehr zu einem brutalen Zermürbungskrieg, bei dem auf beiden Seiten jeden Tag Dutzende Soldaten sterben. Die russische Seite setzt dabei laut Militärexperten vor allem ihre Feuerkraft ein und beschießt die ukrainischen Stellungen massiv mit Artillerie. Für Russland ist die Stadt von erheblicher strategischer und symbolischer Bedeutung. So liegt Sjewjerodonezk am linken Ufer des Flusses Siverskij Donezk.
Rauch steigt über Sjewjerodonezk auf. Die Stadt im Gebiet Luhansk ist seit Wochen heftig umkämpft.
© AFP/Aris Messinis
Die ukrainischen Truppen dort bilden noch einen Brückenkopf auf dieser Uferseite. Zudem ist die Stadt die administrative Hauptstadt des Gebietes Luhansk, seit russische Kräfte Teile der Oblast zu Beginn des Krieges 2014 besetzt haben. Derzeit kontrollieren ukrainische Truppen laut Angaben der Bezirksregierung nur noch rund 5 Prozent des Territoriums des sogenannten Oblastes Luhansk.
Die ukrainische Regierung in Kiew wirft Moskau auch deshalb vor, aus der letzten verbliebenen Bastion der Ukraine im Gebiet Luhansk ein „zweites Mariupol“ zu machen. Die Hafenstadt am Asowschen Meer war wochenlang belagert worden und ist weitgehend zerstört.
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Mariupols Bürgermeister Wadym Bojtschenko erklärte am Freitag, die „Besatzungsmächte“ hätten die Stadt „fast in Schutt und Asche gelegt“. Das Ergebnis nach hundert Tagen Krieg seien „mehr als 22.000 getötete Zivilisten, 1300 zerstörte Gebäude und 47.000 Menschen“, die nach Russland oder in die von Russland kontrollierten Gebiete der Ukraine deportiert wurden, sagte er.
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