Was ist ein Maler ohne Pinsel oder ein Bildhauer ohne Meißel? 20 aus der Ukraine geflüchtete Künstler bilden seit Juni eine Wohngemeinschaft an der Leibnizstraße in Charlottenburg. Sie hat auf 500 Quadratmetern in einem ehemaligen Bordell ein Quartier gefunden. Die von einer Jury ausgewählten Maler, Fotografen oder Designer leben und arbeiten dort. Sie nutzen die Räume auch für die Präsentation ihrer Werke. Das Projekt nennt sich „Art Shelter“ – Schutzraum für die Kunst. Dahinter steckt ein Wortspiel. Der englische Ausdruck für die in der Ukraine so alltäglich gewordenen Luftschutzbunker heißt „Air Shelter“.
Charlottenburger Refugium für Künstler aus der Ukraine
Die Berliner Immobilienexpertinnen Maya Miteva und Anaïs Cosneau fanden das leer stehende Bordell an der Leibnizstraße. Sie fragten sich im Frühjahr zunächst, ob es für ein Wohnprojekt für aus dem Krieg geflüchtete Künstler angemessen sei. Damals gab es die ersten Nachrichten über sexuelle Gewalt in den russisch besetzten Vororten von Kiew. Sie baten die Betroffenen um eine Einschätzung. Die Künstlerinnen – überwiegend Frauen – zeigten sich von der Aussicht auf Ateliers in den großzügigen Räumen angetan.
Die Künstler ließen ihr Werkzeug in der Ukraine zurück
Möbel für den „Art Shelter“ fanden sich auf Verschenkbörsen im Internet oder wurden gespendet. Die Künstler benötigten meist auch neues Arbeitsmaterial. Ihr Werkzeug blieb bei der Flucht vor den Bomben in der Ukraine zurück.
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Die Landessektion des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) unterstützt das inzwischen „Ukranian Cultural Community“ (UCC) getaufte Projekt an der Leibnizstraße. Sie stellte Ende Juni die Künstler-WG in Charlottenburg in ihrer Veranstaltungsreihe BFW-Netz den Mitgliedern sowie Partnern aus Politik und Wirtschaft vor. So kamen laut BFW bereits mehrere Tausend Euro an Spendengeldern für die UCC zusammen. „Die Künstler konnten mit dem Geld unter anderem eine Druckerpresse kaufen, die der Gemeinschaft bisher gefehlt hat“, sagt Sascha Rochow, Referent für Veranstaltungen bei der BFW.
Die Künstler konnten mit dem Geld unter anderem eine Druckerpresse kaufen.
Sascha Rochow, BFW
BFW hilft mit Hebebühne aus
Der Verband stellte jüngst auch eine Hebebühne für eine ukrainische Künstlerin aus der Wohngemeinschaft zur Verfügung. Sie besprühte Anfang August eine Hauswand an der Revaler Straße mit Graffiti.
Rochow begleitet das Projekt der ukrainischen Künstler-WG in Berlin seit April. Er sei seitdem immer wieder zu Besuch gewesen an der Leibnizstraße. „Es ist Wahnsinn, wie die Künstler die Räume nach und nach verwandelt haben“, sagt der BFW-Referent.
Die Folgen des Krieges in der Ukraine beschäftigen den Verband
Die Mitglieder seines Verbandes seien seit Beginn der Massenflucht aus der Ukraine mit dem Krieg und den Folgen konfrontiert, meint Rochow. Rasch sei die Erwartung an die Wohnungsunternehmen herangetragen worden, die Geflüchteten unterzubringen, erklärt der Referent. Die Unterstützung der Künstlerwohngemeinschaft sei deshalb naheliegend erschienen. „Wir können ein großes Netzwerk mobilisieren“, meint der BFW-Referent.
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