Ulrich Schreiber, Erfinder und Direktor des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb), tritt zum Endes des Monats zurück. Das teilte er am Montag auf der Website des ilb mit. Gründe nennt er nicht. Er zieht die Bilanz eines großen Erfolges mit über 3600 Gästen aus 123 Ländern – „darunter viele Nobel- und Pulitzer- und Bookerpreisträger:innen“.
Schreiber, geboren 1951, der Philosophie, Politik und Russisch an der Freien Universität Berlin studiert hat, arbeitete zunächst parallel in der Kultur und als Architekt auf Baustellen. 1993 gründete er mit anderen die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V., die seit Beginn 2001 als Trägerverein des ilb fungiert.
Ein Festival der Debatten
Das Internationale Literaturfestival Berlin hat in kurzer Zeit an Ausstrahlung gewonnen, wegen seiner Mischung aus Stars und Entdeckungen, vor allem wegen seines Debattencharakters: Nicht nur Bücher, sondern die Suche nach Antworten auf nationale und überregionale Konflikte prägen das Programm.
„Wir wollen nicht nur Gäste, die der grünen, linken Blase politisch entsprechen“
Ein Abschied nach so langer Zeit ist eine Zäsur. Es ist aber auch eine Chance für das Festival, zumal Ulrich Schreibers Führungsstil wiederholt kritisiert wurde. Mehrere Team-Mitglieder hatten im Laufe der Zeit ihre Stellen vorzeitig gekündigt. Sie meldeten sich im Spätsommer 2022, als ein Brief an die Senatsverwaltung für Kultur aus der aktuellen Mitarbeiterschaft während des laufenden 22. Festivals an die Öffentlichkeit drang. Auch gegenüber der Berliner Zeitung berichteten damalige und frühere Kolleginnen und Kollegen Schreibers über eine schlechte Arbeitsatmosphäre, Überstunden jenseits der Belastungsgrenze und mangelnde Anerkennung. Viele äußerten zugleich, sich in einem Zwiespalt zu befinden, da sie Ulrich Schreibers wichtige Rolle als Organisator sahen.
Wann wird ein genialer Chef untragbar?
Die Mitteilung Ulrich Schreibers nun ist von großer Dankbarkeit getragen. Er wendet sich zuerst an die Autorinnen und Autoren, schließt dann alle Berufsgruppen und Kulturorganisationen ein, die mit dem ilb verbunden und betraut waren.
Ulrich Schreiber: „Wutausbrüche sind mitnichten an der Tagesordnung“
Auf den kritischen Brief vom September folgten Mediationsrunden mit dem Team. Der Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Kultur machte keine Mitteilungen über den laufenden Prozess. Schreibers Rücktritt kann man als Reaktion verstehen. „Dem Festival bleibe ich verbunden und freue mich, es mit dem Trägerverein des ilb, der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V. um Barbara Wahlster und Prof. Johannes Kister, in der Förderperiode bis 2025 weiter begleiten zu können“, schreibt er.
Das ilb gegründet, durch Ideen und Kontakte lebendig gehalten zu haben, ist Ulrich Schreibers großes Verdienst, das ihm bleibt. In seinem Abschiedstext wünscht er dem Team des ilb „eine produktive Vorbereitung und Erfolg bei der Umsetzung der 23. Ausgabe des ilb“.
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