Umbenennung am 28. Mai / Einzelhändler erwarten durch Wasserstadt mehr Kunden

Havelbucht soll "Spandauer See" heißen

Lennart Paul
3 Min

Die Havelstadt wächst. Bis zum Jahr 2010 sollen 26 000 Menschen in die Wasserstadt Oberhavel ziehen, die zur Zeit in Hakenfelde und Haselhorst entsteht. Die beteiligten Baufirmen stellten jetzt im vollbesetzten Theatersaal des Kulturhauses ihre Projekte vor. Sie umwarben die Einzelhändler, sich bei ihnen anzusiedeln."Wir freuen uns über den jetzt entstehenden Stadtteil", sagte Gastgeber Klaus Rödiger, Vorsitzender des Wirtschaftshofes Spandau, "hier wird etwas neu erschlossen, was lange Jahre brachlag." Mit Blick auf die Spandauer Händler fügte er hinzu: "Es wird kein Verdrängungswettbewerb stattfinden." Viele der Anwesenden waren an diesem Abend optimistisch. Sie hoffen auf neue Kundschaft aus der Wasserstadt, denken dort an die Errichtung einer Geschäftsfiliale. Immerhin sind bei dem insgesamt 10 Milliarden Mark schweren Entwicklungsprojekt schon jetzt 2 200 Wohnungen im Bau. Die beiden Geschäftsführer des Treuhänderischen Entwicklungsträgers Wasserstadt Berlin-Oberhavel, Jürgen Nottmeyer und Uli Hellweg, skizzierten die Planung: 820 000 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen, 18 000 Quadratmeter für den Einzelhandel. Und im Jahr 2010 werden die Neu-Spandauer schätzungsweise 410 Millionen Mark ausgeben. Das neue Viertel soll eine grüne Oase werden, mit vielen Wohnungen direkt an der Havel. Boot-Taxis sollen die Bewohner zum Kolk und zur Zitadelle bringen - die Wasserstadt als homogener Bestandteil Spandaus, der wohlhabende Kundschaft in die Havelstadt bringt.Zweimal jedoch gerieten die Herren auf dem Podium ins Schleudern. Ein Besucher zweifelte daran, daß die Händler der Altstadt stark von dem neuen Stadtteil profitieren werden. Er vermutete, daß in Hennigsdorf ein neues Einkaufszentrum auf der grünen Wiese entsteht, zu dem viele Wasserstädter fahren werden. Uli Hellweg konnte nur die Hoffnung äußern, daß die Neu-Spandauer bewußt Qualitätsprodukte in ihrem Bezirk kaufen. Als eine Zuhörerin fragte, warum keine Kita am Wasser geplant sei, zog sich TET-Chef Nottmeyer aus der Affäre, indem er die baulichen Zwänge auf dem Schultheiss-Gelände schilderte, die eine Ansiedlung der Kita im ehemaligen Pförtnerhaus nötig machten. Kein Wort darüber, daß die Wassergrundstücke den exklusiven Wohnblöcken vorbehalten sind. Eigentumswohnungen lassen sich eben am besten verkaufen, wenn sie an der Havel liegen. Zum Ende des Abends stellten drei Wasserstadt-Investoren ihre Projekte vor: Die Bavaria Objekt- und Baubetreuung bebaut die Havelspitze. Allein dort warten 2 700 Quadratmeter Ladenfläche auf Einzelhändler. Bei der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) sind im Quartier Pulvermühle schon die ersten Mieter eingezogen (wir berichteten). "Wir sind sehr interessiert an Bäckern, Fleischern, richtigen Tante-Emma-Läden", sagte GSW-Mitarbeiter Werner Ibendorf. Auch Ekkehard Kraft, Niederlassungsleiter der auf dem Schultheiss-Gelände bauenden GbR Wasserstadt, unterstrich, daß die neuen Viertel lebendige Wohnorte mit Kleingewerbe sein sollen.Begeistert waren die Zuhörer von der Idee, die Havelbucht nördlich der Zitadelle in "Spandauer See" umzubenennen. So soll eine Identität für die neuen Bewohner geschaffen werden - sie wohnen dann in der Wasserstadt Spandauer See, fühlen sich schneller zum Bezirk gehörig. Das Bezirksamt bereitet nun die See-Taufe vor. Der Havelabschnitt soll im Rahmen der 800-Jahr-Feier am 28. Mai seinen Namen bekommen. Wie eine See-Taufe vor sich geht, ist noch keinem so ganz klar. Aber Feuerlöschboote sollen an diesem Tag über den See fahren und mit ihren Wasserfontänen ein Schiffskorso flankieren. +++

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