Gut drei Viertel der Bewohner leben gern auf der Halbinsel Stralau, der Landzunge zwischen Rummelsburger See und Spree. Das ergab eine Umfrage des Stadtteilausschusses Friedrichshain.800 Fragebögen waren auf der Halbinsel verteilt worden, ein Viertel davon kam beantwortet zurück. Die Halbinsel Stralau ist seit 1994 Teil des so genannten Entwicklungsgebietes Rummelsburger Bucht. Lebten nach dem Mauerfall rund 200 Menschen auf der Halbinsel, sind es jetzt zehnmal so viel. Lediglich fünf Prozent der Befragten möchten von der Halbinsel fortziehen. Das Gros ist zufrieden mit der Lage, der Ausstattung der neuen Wohnungen. Die Umfrage zeigt aber deutlich die Schwächen des Wohngebiets. Für völlig unzureichend halten 89 Prozent der Befragten die Einkaufsmöglichkeiten, denn außer einem Blumenladen gibt es kein Geschäft. Das Fehlen von Post, Arztpraxen oder Apotheken bemängeln 70 Prozent. Und weit über die Hälfte wünschen sich Gaststätten. "Das Problem fehlender Läden oder Kneipen besteht seit 1994, etliche Mieter sind deshalb wieder weggezogen", sagt Peter Bobrowski vom Stadtteilausschuss. Mit der Umfrage wolle man den Entwicklungsträger, die Wasserstadt GmbH, unter Druck setzen: "Den Wohnungsinteressenten wird in Hochglanzbroschüren die Lage schön geredet", sagt Bobrowski. So sei vor zwei Jahren öffentlich verkündet worden, auf Alt-Stralau werde "immer etwas los" sein. "Doch von Kultur oder Begegnung ist nichts zu spüren, in dieser Schlafstadt ist nichts los", sagt Bobrowski, der seit 1952 auf Alt-Stralau wohnt. Tiefgarage unterm SpeicherplatzNicht überrascht von dem Umfrageergebnis, wohl aber von der Vehemenz der Kritik, ist man beim Entwicklungsträger: "Wir reden hier nichts schön, sondern tun, was wir tun können", sagt der zuständige Prokurist der Wasserstadt GmbH, Herbert Helle. "Nachdem die öffentlichen Fördermittel auf null gefahren wurden, ist es viel schwieriger, Investoren für den Wohnungsbau zu finden." Zudem hätten lange Zeit restriktive Vorgaben des Bezirksamtes die Arbeit behindert und die Entwicklung "um Jahre zurückgeworfen." Vom Bezirk Friedrichshain war Alt-Stralau als so genanntes autoarmes Wohngebiet konzipiert worden. Nur wenige Parkplätze wurden gestattet, Geschäftsleute zogen sich auch deshalb zurück. Erst jetzt, sagt Helle, sei eine Tiefgarage unter dem Speicherplatz erlaubt worden: "Mit dieser Tiefgarage als Lockmittel hätten wir den alten Palmkernölspeicher schon längst verkauft", sagt Helle. In dem Industriedenkmal sollten Lofts und Ateliers entstehen, doch die Investoren warteten bisher ab. Für das nächste Jahr hofft die Wassserstadt zumindest auf einen Kiosk und ein Restaurant-Schiff, die ein Investor an der Inselspitze, am so genannten Pocket-Park eröffnen will. Und was den sehnlichst gewünschten Supermarkt betrifft, kann Helle zumindest Hoffnung machen: An der Krachtstraße ist auf 800 Quadratmetern Einkaufen geplant. Der Investor, der dort zurzeit 61 Wohnungen baut, sucht noch einen Betreiber. "Ein Supermarkt rechnet sich erst ab etwa 5 000 Anwohnern", sagt Helle.BLZ/KATRIN BORN Drei von 14 Fragen, die der Stadtteilausschuss den Alt-Stralauern stellte. Ein Viertel der 800 Fragebögen kam ausgefüllt zurück.
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