Jeder zweite Jugendliche in Deutschland betrachtet Mobbing, Hass und Beleidigungen als größte Gefahr bei der Nutzung sozialer Medien. Das geht aus einer vom Sinus-Institut im Auftrag von Unicef Deutschland durchgeführten Befragung hervor, die das deutsche Komitee des UN-Kinderhilfswerks in Berlin vorstellte. 55 Prozent der Befragten sprechen sich demnach für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren aus. Eine Altersgrenze von 16 Jahren befürwortet hingegen nur ein Viertel (26 Prozent), wie die Evangelische Zeitung berichtet.
Gleichzeitig zweifeln die Jugendlichen an der Durchsetzbarkeit solcher Regelungen: 88 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass Gleichaltrige Wege finden würden, Altersgrenzen zu umgehen.
Die Bewertung sozialer Medien fällt insgesamt gemischt aus. 38 Prozent der befragten 14- bis 16-Jährigen sehen überwiegend Vorteile, 46 Prozent halten Vor- und Nachteile für ausgeglichen, und 16 Prozent nehmen mehr Nachteile wahr. Als positiv heben die Jugendlichen vor allem die soziale Vernetzung hervor: 82 Prozent nutzen entsprechende Apps, um mit Freunden oder anderen wichtigen Menschen in Kontakt zu bleiben. 74 Prozent betrachten Social Media als Quelle für Ideen und Inspiration.
Zeitverlust und Doomscrolling als zentrale Kritikpunkte
Neben Hass und Mobbing nennen die Jugendlichen weitere Belastungen. 74 Prozent kritisieren den Verlust des Zeitgefühls bei der Nutzung. 44 Prozent berichten vom sogenannten Doomscrolling, dem langen Weiterscrollen ohne Aufhören zu können. 42 Prozent verweisen auf Falschinformationen und Fake News als Problem.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern. 40 Prozent der Mädchen, aber nur 19 Prozent der Jungen empfinden den Druck, beim Aussehen mithalten zu müssen, als Risiko. Umgekehrt sehen Jungen Gewaltvideos mit 26 Prozent häufiger als Gefahr als Mädchen mit 18 Prozent.
Verantwortung sehen Jugendliche vor allem bei den Plattformen
Bei der Frage, wer für den Schutz vor problematischen Inhalten zuständig ist, sehen 42 Prozent der Befragten die Plattformen selbst in der Pflicht. 25 Prozent betrachten den Schutz als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe. Nur 15 Prozent schreiben die Verantwortung dem Staat zu, 11 Prozent den Eltern.
Als wirksame Schutzmaßnahmen bewerten 84 Prozent bessere Inhaltsfilter und die schnelle Löschung ungeeigneter Inhalte. 80 Prozent halten standardmäßig aktivierte Schutzeinstellungen wie private Profile und eingeschränkten Kontakt durch Fremde für wirksam.
Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, leitet aus den Ergebnissen konkrete Forderungen ab: Jugendliche bräuchten einen digitalen Raum, der sicher und altersgerecht sei. Nötig seien automatische Schutzeinstellungen, konsequente Inhaltsmoderation und wirksame Schutzmechanismen, um das Recht junger Menschen auf Schutz und Teilhabe gleichermaßen zu sichern.
Für die nach Angaben von Unicef repräsentative Erhebung befragte das Sinus-Institut online 1072 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren.
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